Mexiko-Stadt et al. Der 8. März, der Internationale Frauentag, hat in Lateinamerika in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Er ist zu einem Symbol des Widerstandes gegen die strukturelle Ungleichheit, Diskriminierung und Gewalt geworden, die Frauen in vielen Ländern Lateinamerikas erleiden. Von Femiziden bis hin zu ökonomischer Ausbeutung – die Themen der Demonstrationen sind so vielfältig wie die sozialen Realitäten der Frauen.
In vielen Ländern wird der Tag von feministischen Organisationen als Internationaler "Frauenkampftag" bezeichnet.
Ein zentrales Thema ist die Gewalt gegen Frauen. In Mexiko, dem Land mit den höchsten Femizid-Raten der Welt, marschierten tausende Frauen in vielen Städten des Landes. Die Hauptstadt erreichte mit zehntausenden Teilnehmer:innen einen historischen Rekord. Die Protestierenden fordern eine bessere Strafverfolgung der Täter sowie tiefgreifende Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen, die solche Gewalt ermöglichen. Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte zehn konkrete Aktionen an, um die Rechte der Frauen weiter zu stärken. Die bereits beschlossenen Verfassungs- und Gesetzesreformen sollen in die Tat umgesetzt werden. "Frauen haben das Recht auf ein freies und erfülltes Leben", sagte sie und fügte hinzu, die Regierung diene dazu, dies zu gewährleisten.
Hunderte von costaricanischen Frauen marschierten am Samstag vor allem gegen häusliche Gewalt durch die Hauptstadt San José. Die Zahl der Ehefrauen und Freundinnen, die von ihren Partnern ermordet werden, steigt massiv, alleine dieses Jahr wurden bereits elf Feminizide gezählt. "Der Frauentag findet in Costa Rica in der Krise der Männergewalt statt", heißt es in der Zeitung La Nación.
In Guatemala wurde auf den Demos vor allem auf das Verschwinden von Frauen hingewiesen: Alleine im Januar und Februar 2025 wurden nach offiziellen Angaben 276 Notrufe ausgelöst. 60 der gesuchten Frauen gelten weiterhin als verschwunden. Die Straßen der Hauptstadt und der verschiedenen Departements waren am Samstag grün und lila gefärbt. "Lasst die Machos erzittern", schallte es durch die Hauptstadt sowie durch einige andere Städte. In Guatemala widmet sich der 8. März auch immer dem Gedenken an die Opfer des Brandes in dem Mädchenheim Hogar Seguro Virgen de la Asunción. Viele Mädchen, die dort eingesperrt waren, verbrannten in der Nacht vom 7. auf den 8. März 2017. Auf den Demonstrationen wurde auch das Recht auf legale Abtreibung gefordert, dies führte in sozialen Netzwerken innerhalb weniger Stunden zu hunderten Kommentaren, teilweise auch schroffe Ablehnung.
In Chile wurde dieses Jahr zu den vielen verschwundenen Frauen auch die seit vier Monaten vermisste indigene Umweltaktivistin Julia Chuñil auf Plakaten gezeigt. Chile ist ein Vorreiter in der feministischen Bewegung Lateinamerikas, Frauen spielten hier schon während der Proteste gegen das Pinochet-Regime eine wichtige Rolle.
In Puerto Rico war das zentrale Thema auf der Großdemo und bei vielen kleineren Aktivitäten im Land die Migration. Die Demonstration rief dazu auf, Widerstand zu leisten gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump, die in Puerto Rico schon von den Bundesbehörden umgesetzt wird. Bereits rund zweihundert irreguläre Migrant:innen seien zur Abschiebung festgenommen worden. "Migrant:innen werden in Puerto Rico und in den Vereinigten Staaten kriminalisiert", sagte eine Organisatorin.
Wie an jedem 8. März färbten sich die Hauptstadt Argentiniens Buenos Aires sowie viele weitere Städte des Landes lila – tausende Frauen marschierten mit lila Halstüchern. In diesem Jahr fand der Protest vor dem Hintergrund der Demontage der Gleichstellungs- und Diversitätspolitik durch die Regierung von Javier Milei statt. Die Mobilisierung bewegte sich unter dem Motto: "Internationaler transfeministischer, antirassistischer, antifaschistischer, antipatriarchaler und antikapitalistischer Streik".
Die peruanische Präsidentin Dina Boluarte rief Frauen dazu auf, sich mit ihrer Stimme, ihrer Arbeit und ihren Bemühungen für Gleichheit, Freiheit, Demokratie und ein wohlhabendes, entwickeltes und geeintes Land einzusetzen. Sie ging nicht auf das offizielle Vorhaben ein, das Ministerium für Frauenangelegenheiten mit einem anderen Ressort zusammenzulegen. Im Laufe des Tages demonstrierten tausende von Frauen, um die Achtung ihrer Rechte und Errungenschaften zu fordern, die sie durch eine konservative Offensive bedroht sehen. Am Abend hinderte die Polizei die Demonstration mit Gewalt daran, die zentrale Plaza San Martín in Lima zu betreten. Der Ort wurde vom rechten Bürgermeister Rafael López-Aliaga für Proteste gesperrt.
Die erste weibliche Präsidentin in der Geschichte von Honduras, Xiomara Castro, beglückwünschte alle Frauen, die Widerstand leisten und mutig für ihre Rechte kämpfen: "Wir sind das Herz unserer Gemeinschaften, die Seele unserer Familien, die Stärke unserer Nationen. Frauen, die Widerstand leisten, die kämpfen, wir ehren Ihren Mut".
In Nicaragua hob eine Gruppe weiblicher Abgeordneter in der Nationalversammlung die Rolle der Frauen bei der Verteidigung der nationalen Souveränität, dem Kampf für ihre Rechte, ihren Respekt und ihre Würde hervor.
In der Dominikanischen Republik verlieh der Präsident Luis Abinader anlässlich des Frauentags die Verdienstmedaille an 16 Frauen, die sich durch ihren Beitrag zum Wandel des Landes hervorgehoben hatten.
Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro Moros weihte am 8. März in Los Próceres einen Gedenkweg für die Heldinnen der Unabhängigkeit ein, um "alle Frauen zu ehren, die ihr Leben für die Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit des Patria Grande gegeben haben". Auf der feierlichen Veranstaltung kündigte er zudem die Gründung der Internationalen Schule für Frauen in Führungspositionen Nora Castañeda an. Dieses Ausbildungszentrum wird ein globaler Ort für die Stärkung der Rolle der Frau und die Übernahme von politischen Ämtern sein und soll Frauen darin schulen, eine gerechte Zukunft aufzubauen.
Auch in Kolumbien, Brasilien und Ecuador fanden friedliche, laute und bunte Massendemonstrationen statt. Ein besonders bemerkenswerter Trend in den letzten Jahren ist der wachsende Einfluss der jungen Generation auf die feministischen Bewegungen. Die "Generation Feminista" fordert nicht nur gleiche Rechte und gleiche Bezahlung, sondern auch das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper.


