Haushaltseinkommen in Brasilien ist auf Wert von 2012 gesunken

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Eine Demonstration in Campinas im Mai 2021 gegen Bolsonaros Corona-Politik
Eine Demonstration in Campinas im Mai 2021 gegen Bolsonaros Corona-Politik

Brasilia. Die Konzentration von Einkommen hat sich in Brasilien 2020 leicht verringert. Durch die Corona-Krise ist das monatliche Haushaltseinkommen in Brasilien auf den Wert von 2012 gesunken. Die Reduktion der Ungleichheit liegt vor allem an der Zahlung von Corona-Nothilfen an Bedürftige: 23,7 Prozent der Bevölkerung haben im Jahr 2020 finanzielle Unterstützung erhalten. 2019 hatten nur 0,7 Prozent der Bevölkerung von einer staatlichen Notfallhilfe profitiert.

Trotzdem verbucht das reichste Prozent der Brasilianer:innen noch ein 35 mal höheres Einkommen als die unteren 50 Prozent der Bevölkerung. Damit gehört Brasilien zu den Ländern mit der größten Ungleichheit weltweit. 

Die Höhe der Hilfe lag zwischenzeitlich bei 600 Brasilianischen Real im Monat oder bei 1.200 monatlich für alleinerziehende Frauen und ihre Familienangehörigen. Adressat:innen waren vor allem Arbeiter:innen im informellen Sektor, die während der Corona-Pandemie nicht ihrer Arbeit nachgehen konnten. In vielen Fällen übertraf die Nothilfe das vorherige Einkommen der Arbeiter:innen, berichtet der Journalist Hygino Vasconcellos für das Online-Portal UOL in Brasilien. Die Unterstützung wurde später jedoch auf 300 Real abgesenkt, umgerechnet 46 Euro.

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Durch die staatlichen Corona-Hilfen hat sich im Land der Gini-Index verbessert, der den Grad der sozialen Ungleichheit misst. Der Wert ist von 0,506 im Jahr 2019 auf 0,500 im Jahr 2020 leicht gesunken. Der Index misst die soziale Ungleichheit auf einer Skala von 0 bis 1. Je näher der Wert an 0 ist, desto gleicher ist die Verteilung von Einkommen im Land. Der Wert ist so niedrig, wie seit 2017 nicht mehr, auch wenn die Einkommensverteilung in Brasilien nach wie vor enorm ungleich ist. Die Daten wurden vom brasilianischen Amt für Statistik IBGE erhoben.

Im Jahr 2020 hat das reichste Prozent der brasilianischen Bevölkerung im Vergleich zu 2019 durchschnittlich 9,5 Prozent seines monatlichen Pro-Kopf-Einkommens eingebüßt. Das Haushalteinkommen der fünf bis zehn Prozent der ärmsten Brasilianer:innen ist derweil um 17,6 Prozent auf 200 Real im Monat gestiegen. Gleichzeitig ist jedoch die Auszahlung der von der Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT) eingeführten Sozialhilfe Bolsa Familia gesunken: von 14,3 Prozent aller Haushalte auf nur 7,2 Prozent aller Haushalte im Jahr 2020.

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