Haftstrafe nach Fehlgeburt: Weitere Frau in El Salvador nach neun Jahren freigelassen

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Nach neun Jahren Haft wurde Kenia freigelassen
Nach neun Jahren Haft wurde Kenia freigelassen

San Salvador. In El Salvador ist eine Frau aus der Haft entlassen worden, nachdem sie wegen schweren Mordes auf Grund einer angeblichen Abtreibung angeklagt und verurteilt wurde. Ende Dezember wurden bereits drei Frauen freigelassen (amerika21 berichtete), nun kam auch Kenia frei. Sie hatte neun Jahre ihrer 30-jährigen Strafe abgesessen und wurde am 17. Januar 2022 bedingt entlassen.

Kenia wurde im Alter von 17 Jahren vergewaltigt und wurde schwanger. Sie erlitt neben dem Haus ihres Vaters eine Fehlgeburt. Dieser rief daraufhin die Notrufnummer. Doch anstatt Kenia während des medizinischen Notfalls zu helfen, wurde sie von der Polizei verhaftet. Sie wurde wegen schweren Mordes angeklagt und zu 30 Jahren Haft verurteilt.

"Ich traf Kenia 2014, nur drei Monate nach ihrer Verurteilung zu 30 Jahren Haft. Damals war sie ein 18-jähriges Mädchen, voller Hoffnung und Träume. Seitdem habe ich sie im Gefängnis aufwachsen sehen und miterlebt, wie sie durch den totalen Verlust der Freiheit und die Qualen des Weges in einem salvadorianischen Frauengefängnis geprägt wurde. Ich hoffe, dass sie jetzt zurückkehren und die Träume verwirklichen kann, die sie vor acht Jahren hatte", sagte Paula Avila-Guillen, Leiterin des Women's Equality Center.

Seit 1998 sind in El Salvador alle Schwangerschaftsabbrüche verboten, auch diejenigen, die medizinisch notwendig wären. Seitdem steht jede schwangere Person, die eine Früh- oder Totgeburt erleidet, unter dem Verdacht, diese absichtlich herbeigeführt zu haben. Darunter leiden besonders Schwangere aus finanziell schwachen Verhältnissen.

Frauenorganisationen und Menschenrechtsaktivitstinnen hatten Ende 2021 die Kampagne "Nos Faltan Las 17" (Wir vermissen die 17) ins Leben gerufen. Darin fordern sie Präsident Nayib Bukele auf, die inhaftierten Frauen freizulassen. Unterstützung erhielten sie dabei auch von Prominenten, unter anderem aus den USA.

In salvadorianischen Gefängnissen sitzen derzeit noch 16 Frauen, die auf Grund von Schwangerschaftskomplikationen zu Haftstrafen verurteilt wurden. Morena Herrera, die Leiterin der Bürgergruppe für die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs (Agrupación Ciudadana por la Despenalización del Aborto, Accdate), erklärte, dass sie weiterhin "unermüdlich und gemeinsam für die Befreiung der immer noch zu Unrecht inhaftierten Frauen" kämpfen werde.

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