Brasilien / Politik

Vier Jahre nach dem Mord an Marielle Franco in Brasilien: Auftraggeber unbekannt

brasilien_vierter_todestag_marielle_franco_schwester_anielle.jpeg

"Wer hat die Ermordung von Marielle angeordnet?" Marielle Francos Schwester Anielle bei der Protestaktion vor dem Gericht in Rio de Janeiro
"Wer hat die Ermordung von Marielle angeordnet?" Marielle Francos Schwester Anielle bei der Protestaktion vor dem Gericht in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro. Der Mord an der Schwarzen homosexuellen Stadträtin Marielle Franco und ihrem Chauffeur Anderson Gomes in Brasilien bleibt ungesühnt. Auch nach vier Jahren bleiben das genaue Motiv und die Auftraggeber des Verbrechens unbekannt.

Marielle Franco, von der Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL), wurde in der Nacht vom 14. März 2018 im Zentrum von Rio de Janeiro ermordet. 13 Schüsse eines Maschinengewehrs HK MP5, das von Polizei- und Elitekräften verwendet wird, haben das Auto und drei Insassen getroffen. Die 38-jährige Politikerin wurde mit vier Kopfschüssen niedergestreckt. Ihr Fahrer Anderson Gomes wurde ebenfalls tödlich getroffen. Francos Pressesprecherin, die Journalistin Fernanda Chaves, überlebte das Attentat verletzt.

Das Institut Marielle Franco, von Familienangehörigen nach ihrem Tod gegründet, hat Erinnerungs- und Protest-Aktionen zum Gedenkmonat "März für Marielle" gestartet. Denn Franco, Soziologin und Feministin, Symbolfigur für den Schwarzen, weiblichen Widerstand in den Favelas, war unerschrocken: Die queere Politikerin hat für mehr Partizipation Schwarzer Frauen in der brasilianischen Gesellschaft gekämpft. Unter dem Motto "Marielle presente" lebt die Stimme der politischen Aktivistin jetzt noch stärker weiter. Francos Gesicht schmückt unzählige Fassaden und Mauern in Rio de Janeiro, T-Shirts und Sticker. Das Logo des Instituts Marielle Franco sind Samenkörner.

Die Auftraggeber des Mordes an Franco bleiben weiterhin im Dunkeln. Die Ex-Polizisten Ronnie Lessa und Élcio Queiroz sind in Haft, sie werden für die Ausführung des Verbrechens angeklagt.

Der Vorwurf, Staatspräsident Jair Bolsonaro stünde mit dem brutalen Mord in Verbindung, stand im Raum. Denn der mutmaßliche Mörder Ronnie Lossa hat mit seiner Familie in der gleichen Wohnanlage in Rio de Janeiro gelebt wie Bolsonaro. Der Pförtner der Wohnanlage hatte zunächst ausgesagt, dass der zweite, Élcio Queiroz, sich am Tattag als Besucher der Privatwohnung des Präsidenten angekündigt hatte. Der Vorwurf einer Bolsonaro-Beteiligung wurde inzwischen fallen gelassen, da der Pförtner seine Aussage widerrufen hat.

Am Montag, auf den Tag genau vier Jahre nach dem Mord, sind Francos Mutter, die Anwältin Marinete Franco, Francos Schwestern und die Witwe des Chauffeurs Anderson Gomes vor das Gericht von Rio de Janeiro gezogen. Die Frauen verlangen Einsicht in die Prozessakten. Die Familie fühlt sich unzureichend über die Ermittlungsergebnisse informiert.

Weiterhin erschwert mangelnde Kontinuität die Aufklärung dieses Verbrechens: Die zuständigen Ermittler der Polizei werden regelmäßig ausgetauscht. In vier Jahren waren fünf verschiedene Kommissare für die Untersuchung des Mordfalls verantwortlich.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr