Größtes "Acampamento indígena Terra Livre" in der Hauptstadt von Brasilien

"Feindliche Politik" gegen Indigene muss enden. Protest gegen Landnutzung, Umweltlizenzen und Einsatz von Pestiziden. Lula und MST unterstützen

brasilien_acampamento_indigena_terra_livre_4-22.jpg

Das Acampamento indígena Terra Livre war dieses Jahr so groß wie noch nie
Das Acampamento indígena Terra Livre war dieses Jahr so groß wie noch nie

Brasilia. Zehn Tage lang haben sich mehrere tausend Indigene aus etwa 200 Völkern in Brasilía getroffen, um sich gegen Gesetzentwürfe aufzulehnen, die Landnutzung, Umweltlizenzen und den Einsatz von Pestiziden erlauben.

Die Indigenen fordern die Abweisung des Gesetzentwurfes 191/2020 zur "Liberalisierung des Bergbaus und der Energieerzeugung aus Wasserkraft in indigenen Gebieten", und des Gesetzentwurfes 490/2007, der die Übertragung der Abgrenzungskompetenz für indigene Gebiete von der Exekutive an die Legislative vorsieht. Das letztgenannte Gesetzesprojekt versucht auch, die umstrittene Zeitrahmenthese zu etablieren, wonach nur Ländereien abgegrenzt werden dürfen, die bis zur Verkündung der Verfassung am 5. Oktober 1988 offiziell von indigenen Völkern bewohnt waren.

Das als Camp angelegte Treffen, Acampamento indígena Terra Livre (ATL) genannt, wurde hauptsächlich vom Dachverband Articulacao dos Povos Indígenas do Brasil (Apib) organisiert, der zusammen mit anderen indigenen Anführer:innen ein vielfältiges Programm zusammengestellt hatte. Neben Debatten, Märschen und Plenumsveranstaltungern fanden Gespräche mit Politiker:innen, Botschafter:innen und anderen politischen Akteuren sowie Vertreter:innen des Obersten Bundesgerichts STF statt, um für die Sache der Indigenen zu sensibilisieren.

In der Erklärung zu dem Treffen hieß es: "Wir befinden uns in einem Wahljahr in Brasilien und um unsere Reise der Kämpfe zu beginnen, erklären wir dieses zum letzten Jahr der Völkermordregierung. Unser 'Indigener April' wird von symbolischen Aktionen geprägt sein, die unsere Fähigkeit zeigen, für die Abgrenzung unserer Territorien und die Indigenisierung der brasilianischen Politik zu kämpfen."

Das ATL findet seit 18 Jahren statt. Dieses Jahr war es mit etwa 8.000 Teilnehmenden so groß wie nie zuvor und wartete mit einigen Neuerungen auf. Zum ersten Mal fand eine Plenumsversammlung die indigenen LGTB statt, in dem ihre Anliegen erörtert wurden. Der frühere Staatspräsident und neuerliche Präsidentschaftskandidat Luiz Inacio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT besuchte das Camp und gab sein Versprechen, im Falle eines Wahlsiegs die aktuelle gegen die Indigenen gerichtete Politik zu widerrufen und ein Bundesministerium für ihre Angelegenheiten einzurichten.

Auf dem Treffen wurde auch ein Bericht vorgestellt, der die Ausbeutung und den illegalen Bergbau in den Yanomami-Territorien durch rund 44.000 Goldschürfer dokumentiert, einschließlich damit verbundenem Missbrauch und Vergewaltigungen.

In diesem Jahr unterstützte die Landlosenbewegung MST die Durchführung des ATL entscheidend. Gemeinsam richteten die beiden sozialen Bewegungen eine Großküche ein, die die Teilnehmenden mit einer gesunden und nachhaltig angebauten Nahrung versorgte.

Dinaman Tuxá von der exekutiven Koordination von Apib erklärte: "Dieser Raum ernährt nicht nur den Körper. Die Küche von ATL 2022 nährt den Traum derer, die an die dringend benötigte Einheit der Völker glauben, um Brasilien zurückzuerobern". Die zubereiteten Speisen und Lebensmittel "entstammten einer Geschichte des Widerstands" des MST im ihrem Kampf für Territorien und die Agrarreform. Die gemeinsame Großküche sollte die Einheit des Kampfs der Indigenen Völker und des MST hervorheben.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr