Brasilien: Ex-Präsident Lula kündigt weitreichende Agrarreformen an

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Die Veranstaltung der MST diente vor allem der Vernetzung untereinander
Die Veranstaltung der MST diente vor allem der Vernetzung untereinander

Londrina. Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat bei einer Großveranstaltung der Landlosenbewegung (MST) über seine politischen Ziele für das kommende Jahr gesprochen.  

In seiner Rede bezeichnete Lula die Wiederherstellung von Brasiliens Souveränität in der Nahrungsmittelproduktion, die Bekämpfung des Hungers sowie die Förderung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe als seine politischen Prioritäten. Zudem betonte er, dass es wichtig sei, die Zusammensetzung des Nationalkongresses neu zu definieren, da dieser momentan von Konservativen und Befürworter:innen der Agrarindustrie dominiert sei. Es reiche nicht, Lula zum Präsidenten zu machen, sondern es müssten auch progressive Kandidat:innen in das Abgeordnetenhaus, den Senat und die Regierungen der Bundesstaaten gewählt werden, erklärt er.

Ebenfalls kritisiert er Jair Bolsonaro, Brasiliens amtierenden Präsidenten, und bezeichnet ihn als Schuldigen für die 650.000 Corona-Toten im Land. 

Fast 10.000 Personen hatten sich vergangenen Samstag in der Siedlung Eli Vive im Bundesstaat Paraná versammelt. Die Siedlung ist das größte Agrarreformgebiet in einer Metropolregion Brasiliens. Über 500 Familien leben auf der 7,5 Tausend Hektar großen Landfläche.  

Die Veranstaltung war der Startschuss der "Reise der Solidarität: Kurs auf die Volkskomitees", mit welcher die brasilianische Arbeiterpartei (PT) 5.000 Volkskomitees schaffen will, die sich für das Land einsetzen. Die PT zielt darauf ab, ihre Basisarbeit durch ein Netzwerk aus sozialen Bewegungen und der Bevölkerung zu stärken. Für das Jahr 2022 hat sich die Partei zwei Ziele gesetzt: die Rückschritte, die durch die aktuelle Regierung unter Jair Bolsonaro verursacht wurden, zu reduzieren und die Neuwahl Lulas im Oktober voranzutreiben. Die Volkskomitees sollen hierbei unterstützend zur Seite stehen. 

Neben Lula waren auch andere Mitglieder der PT sowie der MST anwesend. Dabei sprachen sie über Themen wie Solidarität, die Demokratisierung der Landverteilung und Agrarökologie.

Es war Lulas erster Besuch in Paraná seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis in Curitiba. Nachdem alle gegen ihn gefällten Urteile aufgehoben wurden, durfte er nach 580 Tagen das Gefängnis verlassen. Lula bedankte sich bei den Mitgliedern der Landlosenbewegung für die Unterstützung in dieser Zeit.

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