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Trotz Sanktionen: Indien importiert Petrolkoks aus Venezuela

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Petrolkoks-Lagerstätte im Osten Venezuelas
Petrolkoks-Lagerstätte im Osten Venezuelas

Caracas/Mumbai. Venezuela hat seine Verkäufe von Petrolkoks an indische Unternehmen stark ausgeweitet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben indische Zementunternehmen zwischen April und Juli 160.000 Tonnen erhalten, für August werden mindestens 80.000 weitere erwartet. Indien begann 2022 mit dem Import von venezolanischem Petrolkoks. Zuvor war das Land auf die USA und Saudi-Arabien als Lieferanten angewiesen.

Der Preis für die venezolanischen Ölpellets beträgt um die 220 US-Dollar pro Tonne und liegt damit fünf bis zehn Prozent unter dem Marktpreis. Caracas sucht dringend nach internationalen Handelspartnern, da es massiv von US-Sanktionen betroffen ist.

Das südamerikanische Land hat große Vorräte an Petrolkoks angehäuft, das als Nebenprodukt bei der Ölraffination oder -veredelung anfällt. Laut Studien liefert jedes Barrel schweres Rohöl aus dem Orinoco-Ölgürtel 25 Kilo.

Der Petrolkoks hat einen Kohlenstoffgehalt von 90-95 Prozent und wird durch Verbrennung als Energiequelle genutzt. Die weltweite Nachfrage ist angesichts der steigenden Kohle- und Kraftstoffpreise gestiegen. Petrolkoks ist zwar teurer als Kohle, aber eine effizientere Energiequelle. Es wird in großem Umfang von der Zementindustrie verwendet, die giftigen Schwefeldioxidemissionen werden von Kalkstein absorbiert.

Indien verbraucht schätzungsweise 27 Millionen Tonnen pro Jahr und ist damit der weltgrößte Konsument. Die indischen Unternehmen Ramco Cements, JSW Cement und Orient gehören zu den Hauptabnehmern der venezolanischem Ölpellets. Ramco-Finanzvorstand S. Vaithiyanathan sagte gegenüber Reuters, das Produkt sei von hoher Qualität und weise einen geringen Schwefelgehalt auf, so dass das südamerikanische Land die traditionellen Lieferanten mehr und mehr verdränge.

Weitere wichtige Abnehmer sind die Türkei und China.

Das höhere Exportvolumen hat Berichten zufolge zu Problemen im wichtigsten Exportzentrum des Landes im Osten Venezuelas geführt. Mit der Eröffnung eines neuen Terminals, das vom Privatunternehmen Maroil Trading betrieben wird, wurden sie behoben. Branchenexperten meinen, dass Venezuela seine Marktpräsenz noch weiter ausbauen könnte, wenn es seine Infrastrukturmängel beheben würde.

Die geschätzten 300.000-400.000 Tonnen Petrolkoks-Verkäufe pro Monat bringen eine gewisse Erleichterung für die Wirtschaft des Landes, da die Rohölproduktion des Landes unter der Last der erdrückenden US-Sanktionen stagniert.

Seit 2017 hat Washington Finanzsanktionen, ein Ölembargo, sekundäre Sanktionen und eine Reihe anderer Maßnahmen gegen Venezuelas wichtigste Industrie verhängt. Im Visier sind auch Swap-Vereinbarungen und wichtige Importe für die Ölindustrie.

Caracas hatte sich nach dem Ölembargo vom Januar 2019 bereits an Indien als möglichen Handelspartner gewandt. Die Regierung von Nicolás Maduro erwog einen Tauschhandel Rohöl gegen Arzneimittel als möglichen Weg, um die Sanktionen zu umgehen. Die damalige US-Regierung drohte jedoch indischen Unternehmen mit Sanktionen bei Geschäften mit Venezuela.

Das US-Finanzministerium hat die Exporte von petrochemischen Erzeugnissen und Erdölnebenprodukten nicht explizit ins Visier genommen, aber auch keine Ausnahmeregelungen erlassen, sodass PDVSA Rabatte anbieten muss, um Kunden zu gewinnen.

Laut Argus Media importiert die türkische Zementindustrie nicht zu ermäßigten Preisen aus Venezuela, aus Angst, den Zementabsatz und andere Geschäfte mit den USA zu gefährden.

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