Bolivien: Indigene erreichen Verbot des Goldabbaus in Schutzgebieten

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Der Indigenendachverband Cpilap hat den Goldbergbau in drei Schutzgebieten gestoppt
Der Indigenendachverband Cpilap hat den Goldbergbau in drei Schutzgebieten gestoppt

La Paz. In Bolivien wurde ein Abkommen annulliert, das Bergbaugenossenschaften den Goldabbau in Naturschutzgebieten erlauben sollte. Hierauf einigten sich der Indigenendachverband Central de Pueblos Indígenas de La Paz (Cpilap), die Schutzgebietsbehörde (Sernap) und das Vizeministerium für Umwelt von Bolivien, wie das Zentrum für juristische Studien und Sozialforschung (Cejis) in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Am 27. Oktober hatten Regierungsbehörden und die regionale Goldbergbau-Kooperative Fecoman ein Abkommen über den Goldbergbau in den drei Schutzgebieten unterzeichnet.

Die Bergleute hatten zuvor zwei Tage lang mobilisiert und den Verkehr in La Paz blockiert, um Druck auf die Regierung auszuüben. Das Abkommen sah die Änderung der Bewirtschaftungspläne der Schutzgebiete Madidi, Cotapata und Apolobamba im Norden des Departements La Paz und eine Besteuerung in Höhe von 4,8 Prozent des Bruttowertes der Gold-Exporte vor.

Diese Vereinbarung wurde von den im Cpilap zusammengeschlossenen indigenen Gemeinschaften abgelehnt, da sie ihre Territorial-, Umwelt- und Menschenrechte verletzt sahen. Cpilap vereint die indigenen Völker der Tacana, Mosetén, Leco, Uchupiamonas, T'simán, Araona und Ese Ejja. Die Indigenen besetzten das Büro des Madidi-Parks, nachdem eingeladene Behörden nicht zu einer einberufenen Versammlung erschienen waren.

In dem nun unterzeichneten Rechtsakt wird auch festgelegt, dass die alten Bewirtschaftungspläne der drei Schutzgebiete in Kraft bleiben. Außerdem sind Änderungen der Pläne zukünftig nur unter Beteiligung der Indigenen und unter Wahrung des Rechts auf vorherige, freie und informierte Konsultation möglich.

Die Bergleute haben bereits angekündigt, ihren Druck auf die Regierung fortzusetzen. Sie fordern weiterhin die Öffnung der Schutzgebiete für den Goldbergbau.

Einer Cejis-Untersuchung von September 2021 zufolge werden von 180 Bergbauflözen jeden Monat 259 Kilogramm Quecksilber in den Fluss Madre de Dios eingeleitet. Mindestens 166 Flöze werden laut Cejis illegal betrieben. Im August 2022 wurden sogar 300 Flöze im selben Abschnitt gezählt, von denen 90 Prozent außerhalb des Bergbaukonzessionsgebiets lagen.

Am 20. September prangerte der UN-Sonderberichterstatter für Giftmüll und Menschenrechte, Marcos Orellana, die "extrem hohe" Quecksilberbelastung von Frauen im gebärfähigen Alter in der Gemeinde Eyiyoquibo der indigenen Gemeinschaft Ese Ejja an. Die Gemeinschaft beteiligt sich jedoch nicht am Goldabbau. Der Grund für die hohe Quecksilberbelastung sind die aus verseuchten Flüssen geangelten Fische, von denen die Indigenen sich ernähren. Orellana hob in seinem Statement vor der UN-Generalversammlung hervor, dass es eine Form der Umweltgewalt gegen indigene Völker sei, wenn diese toxischen Stoffen ausgesetzt werden.

Auch die Gemeinschaften des Multiethnischen Indigenen Territoriums II (TIM II) in Pando beschwerten sich gegenüber dem UN-Sonderberichterstatter über die Verletzung ihrer Menschenrechte. Ihr Territorium sei aufgrund der illegalen Gold-Ausbeutung und der Verwendung von Quecksilber in einer sehr kritischen Situation.

Salvador Tirina, ein Ese Ejja-Indigener, berichtet, dass die Babys gesunder Frauen nicht normal geboren würden. Der örtliche Fluss sei völlig mit Quecksilber verseucht, während die indigene Bevölkerung ihn zum Baden und Trinken nutze und dadurch Gesundheitsschäden erleide.

Der nationale Dachverband indigener Frauen Boliviens hatte am 4. November öffentlich ebenfalls die Annullierung des Bergbau-Abkommens gefordert. Er kritisierte die Regierung für ihre Widersprüche zwischen Äußerungen und der tatsächlichen Politik. Die Regierung habe sich über internationale und nationale Normen zur freien Ausbeutung von Bodenschätzen in den drei Schutzgebieten hinweggesetzt, ohne die unumkehrbaren Folgen für die Gesundheit, die Umwelt und die Natur abzuschätzen. Darüber hinaus verursache der Goldbergbau erhebliche Folgeschäden, wie willkürliche Jagd und Fischerei, die Zerstörung der Dörfer und ihrer Lebensgrundlagen sowie des sozialen Gefüges.

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