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Kuba: Wiederaufbau nach Hurrican, UN und Mexiko sagen Hilfe zu

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Der Stadtstrand von Baracoa: Vor allem der Osten von Kuba wurde stark von Hurrikan Oscar getroffen
Der Stadtstrand von Baracoa: Vor allem der Osten von Kuba wurde stark von Hurrikan Oscar getroffen

Havanna. In Kuba haben die Wiederaufbauarbeiten nach Hurrikan Oscar begonnen, der am Sonntag in der ostkubanischen Provinz Guantánamo für Verwüstungen gesorgt hat. Obwohl der Sturm als Hurrikan der Kategorie 1 auf der Saffir-Simpson-Skala relativ schwach war, hat sich die Zahl der Todesopfer nach jüngsten Angaben der kubanischen Behörden auf sieben Personen erhöht, darunter ein fünfjähriges Kind. Das Stromnetz konnte indes bereits am Dienstag wiederhergestellt werden.

Oscar bildete sich nur wenige Stunden vor seinem Eintreffen und zog während eines landesweiten Blackouts über die Insel. Die Vorbereitungen des für seine Effektivität bekannten kubanischen Zivilschutzes fanden entsprechend unter extrem erschwerten Bedingungen statt und mussten trotz des Stromausfalls innerhalb kürzester Zeit koordiniert werden.

Bereits am Montag wurden Elektrikerbrigaden aus mehreren Provinzen nach Guantánamo entsandt. Am Mittwoch besuchte Präsident Miguel Díaz-Canel gemeinsam mit Premierminister Manuel Marrero und anderen Regierungsmitgliedern die am stärksten betroffenen Regionen im Süden der Provinz. Am schwersten verwüstet wurden die Gemeinden Imías und San Antonio del Sur, die sich in unmittelbarer Küstennähe befinden. Dort ereigneten sich auch die gemeldeten Todesfälle. Es kam zu weitflächigen Überflutungen, während Winde von über 100 Kilometern pro Stunde Dächer abdeckten und Gebäude beschädigten. Auch in Baracoa und Maisí, im äußersten Osten der Provinz, richtete Oscar Schäden an.

Aufgrund der anhaltenden Überflutungen und zerstörten Straßen ist der Zugang zu Imías auf dem Landweg blockiert. Die Revolutionären Streitkräfte (FAR) haben deshalb eine Luftbrücke zur Versorgung des Ortes eingerichtet. Auch die Wege nach Baracoa und Maísi sind eingeschränkt, die Überlandbusse in die Gemeinden sind ausgesetzt. In den betroffenen Regionen ist die Stromversorgung weiter unterbrochen und das genaue Ausmaß der Schäden noch nicht erfasst.

Auch die Landwirtschaft ist stark betroffen. In manchen Gebieten, in denen bis zu 500 Milliliter Niederschlag fielen, sind rund 70 Prozent der Anbauflächen für Bananen, Bohnen, Reis und Knollenfrüchte zerstört. In der Gegend von Baracoa gab es Schäden in den Kaffee- und Kakaoplantagen, die dort ihr wichtigstes Anbaugebiet haben.

Díaz-Canel sicherte umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Gemeinden zu und versprach einen schnellen Wiederaufbau. Kubas Binnenhandelsministerium kündigte an, in den betroffenen Regionen zusätzliche Rationen an Grundnahrungsmitteln und Hygieneprodukten über das Bezugsheft Libreta auszugeben.

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Als eines der ersten Länder bot Mexiko Kuba am Mittwoch technische Hilfe an. Auch die Entsendung von Treibstoff zur Unterstützung der Stromerzeugung werde geprüft, kündigte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum an. 

Am selben Tag gaben auch die Vereinten Nationen bekannt, Kuba beim Wiederaufbau unterstützen zu wollen. Deren lokaler Koordinator, Francisco Pichón, verurteilte die seit mehr als 60 Jahren bestehende US-Wirtschaftsblockade gegen die Insel. Pichón erklärte, dass die von den USA gegen Kuba verhängte Blockade und die Aufnahme des Landes in die US-Terrorunterstützerliste die Arbeit der Vereinten Nationen in diesem Bereich einschränke und die Bemühungen der Insel, die Entwicklungsagenda 2030 zu erfüllen, erheblich beeinträchtige.

Nach dem landesweiten Blackout am vergangenen Freitag konnte indes das Stromnetz am Dienstagnachmittag um 14:44 Uhr Ortszeit wiederhergestellt werden. Mehr als 52.000 Arbeiter waren bis dahin kontinuierlich im Einsatz, um die Teilnetze hochzufahren und wieder zu verbinden.

Das für Freitag erwartete Leistungsdefizit fiel mit 946 Megawatt deutlich niedriger als vor dem Zusammenbruch, als über mehrere Tage Werte von über 1500 Megawatt erreicht wurden. Dennoch bleibt die Lage des Energienetzes weiterhin kritisch. Mit dem hohen dreistelligen Defizit gehen die geplanten Stromsperren weiter, die außerhalb Havannas mehr als zwölf Stunden pro Tag betragen können. Betroffen ist ebenfalls die Wasserversorgung, die noch nicht überall wiederhergestellt ist.

Um die Aufbauarbeiten nach dem Hurrikan und dem Stromnetzausfall zu unterstützen, wurde diese Woche der Unterricht an allen Bildungseinrichtungen ausgesetzt. Auch viele Büroarbeitsplätze bleiben bis einschließlich 27. Oktober geschlossen.