Proteste in Guatemala für Freilassung indigener Autoritäten am Unabhängigkeitstag

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Schülerinnen fordern in Totonicapán Freiheit für die indigenen Autoritäten
Schülerinnen fordern in Totonicapán Freiheit für die indigenen Autoritäten

Totonicapán et al. In den indigenen Regionen Guatemalas haben am 15. September zahlreiche Menschen gegen Rassismus, Diskriminierung und die Inhaftierung indigener Autoritäten protestiert. Dabei prangerten sie die Kriminalisierung der ehemaligen Vorstandsmitglieder des Selbstverwaltungsorgans 48 Kantone von Totonicapán, Héctor Chaclán und Luis Pacheco, an, die seit April in Haft sitzen (amerika21 berichtete). Beide waren Teil der Blockadebewegung des Jahres 2023 zur Verteidigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen gegen den Putschversuch gegen Bernardo Arévalo.

Auch der ehemalige indigene Vizebürgermeister von Sololá, Esteban Toc, der 2023 eine führende Rolle in den landesweiten Protesten gespielt hatte, wurde Ende August in Haft festgenommen (amerika21 berichtete). Der an mehreren chronischen Erkrankungen leidende Aktivist kam am 6. September unter Auflagen wieder frei. Die Ermittlungen gegen ihn laufen jedoch weiter.

In Totonicapán fanden die offiziellen Feiern zum Tag der Unabhängigkeit nur eingeschränkt statt. In einem Schreiben der Gouverneurin des Departamentos, Delfina García Reyes, hieß es, "wir können nicht die Unabhängigkeit feiern, während Luis Pacheco und Héctor Chaclán politische Gefangene sind".

Vor dem Rathaus und vor dem Sitz der 48 Kantone wurden die Fahne Guatemalas und die der indigenen Völker während der Feiern auf halbmast gehängt. Bei den in kleinerem Rahmen stattfindenden Märschen protestierten Teilnehmer mit Plakaten und Transparenten. Im Landkreis San Cristóbal de Totonicapán wurden die Feiern komplett abgesagt.

Chaclán und Pacheco meldeten sich mit einem Brief aus der Haft selbst zu Wort: "Wir können die 'Unabhängigkeit' nicht feiern, die die indigenen Völker nicht hatten. Wir wurden immer verdrängt, kriminalisiert und unterdrückt. 2023 waren wir Teil des Vorstandes der kommunalen Bürgermeister der 48 Kantone unter dem kollektiven Mandat unserer Völker zur Verteidigung der Demokratie. Heute sind wir angeklagt wegen Terrorismus, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Behinderung der Justiz. Dies ist Ausdruck von Repression, Rassismus und Kriminalisierung der indigenen Völker."

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Im Departamento Sololá hatten sich indigene Autoritäten nach der Festnahme von Toc gegen eine Teilnahme an den Feiern zum Unabhängigkeitstag ausgesprochen. In dem Ort San Pedro La Laguna am touristischen Atitlansee nutzten Schüler den Marsch zur Unabhängigkeit zum Protest und brachten mit Transparenten wie "Nein zur Verfolgung indigener Anführer" und "Unabhängigkeit für die Reichen, Armut für das Volk" ihren Unmut zum Ausdruck.

Im Landkreis Ixcán im Departamento Quiché brachten Anwohner grundsätzliche Kritik an den Feiern zur Unabhängigkeit in einem Protestmarsch zum Ausdruck, über den der Journalist Santiago Boton berichtete. Die Lehrerin Eulalia Matías Fransisco erklärte: "Wir können nicht die Schande unseres Landes feiern, der Raub, die Armut, die Korruption. Die Unabhängigkeit war für die Kreolen, Kinder der Spanier, geboren in Guatemala, die den Reichtum für sich behalten wollten, statt ihn nach Spanien zu schicken".

Solidarisiert wurde sich auch mit dem "vom Imperialismus bedrohten Volk Venezuelas" und dem Volk Palästinas. "Wir solidarisieren uns mit Gaza, weil wir eine ähnliche Geschichte haben. Das gleiche Land das Guatemala während des Bürgerkrieges bewaffnet hat, will jetzt Erinnerung und Geschichte im Gazastreifen auslöschen. Sie nutzen den Hunger als Kriegswaffe, wie auch während des Bürgerkrieges in Guatemala", erklärte die Teilnehmerin Marta Calel.

Während des Protestes waren auch vereinzelte Fahnen der ehemaligen Guerillaorganisation Ejército Guerrillero de los Pobres zu sehen, die in der Region im Bürgerkrieg stark verankert war. Das Departamento Quiché war vom Bürgerkrieg am stärksten betroffen, Anfang der achtziger Jahre fanden dort mehrere Massaker der Armee an der indigenen Zivilbevölkerung statt.