Quito/Bogota. Die Zolldrohungen des ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa überschatten seit Januar die Handelsbeziehungen zwischen Kolumbien und Ecuador. Seit dem 1. Februar gelten gegenseitige Zölle von 30 Prozent auf Warenimporte.
Am 21. Januar hatte Präsident Daniel Noboa der kolumbianischen Regierung mit "Sicherheitsabgaben" gedroht. Er warf der Regierung von Gustavo Petro vor, im Kampf gegen den Drogenhandel und den illegalen Bergbau an der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze nicht genug zu kooperieren. Kolumbiens Außenminister Rosa Villavicencio wies diesen Vorwurf zurück. Die Regierung kündigte Gegenzölle auf ecuadorianische Agrarprodukte an und entschied, die Energieexporte in das Nachbarland einzustellen.
Stromimporte aus Kolumbien sind für den Ausgleich des ecuadorianischen Energiedefizits besonders wichtig. Ecuador bezieht ca. 80 Prozent seines Stroms aus Wasserkraftwerken. 2024 war es während einer extremen Dürreperiode zu einer Wasserkrise gekommen. Über Monate kam es zu Stromausfällen von bis zu 14 Stunden am Tag. Industrieverbände schätzten die entstandenen Verluste von Produktivität und Umsatz pro Stunde ohne Elektrizität auf etwa zwölf Millionen US-Dollar. Damals konnte die Stromausfuhr aus Kolumbien die Energiekrise mindern.
Die Präsidentin der Industrie- und Produktionskammer Ecuadors, María Paz Jervis, warnte, dass die Zölle rund 200.000 Arbeitsplätze gefährdeten. Zudem müsse man mit Inflationsdruck auf Konsumgüter rechnen.
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Noboa rechtfertigte seine Entscheidung außerdem mit dem Hinweis auf den Exportüberschuss Kolumbiens gegenüber Ecuador. Kolumbien exportiert jährlich Waren im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar nach Ecuador, während umgekehrt lediglich 900 Millionen US-Dollar an ecuadorianischer Exportware nach Kolumbien eingekauft werden. Im Jahr 2024 generierte das Land circa 330 Millionen US-Dollar durch den Stromexport nach Ecuador und deckte damit zwischen acht und zehn Prozent der ecuadorianischen Energieversorgung. Ecuador importierte im Jahr 2025 aus Kolumbien zusätzlich Medizin, Kosmetikartikel, Nahrungsmittel, Autoersatzteile sowie agrarindustrielle Güter.
Am Samstag kam es am Grenzübergang Rumichaca zu kilometerlangen Staus, da Lastwagen versuchten, noch vor dem Inkrafttreten der Zölle die Grenze zu passieren.
Exportverbände beider Länder rufen zur Deeskalation der Handelssanktionen auf, die beiden Volkswirtschaften schaden. Gespräche, die bislang jedoch lediglich zwischen den Außenministern stattfanden, haben noch zu keinem weiteren Ergebnis geführt.


