Kolumbien / Politik

Wahlen in Kolumbien: Linke bleibt stärkste Kraft

Pacto Histórico größte Fraktion im Senat. Cámara stark fragmentiert. Gutes Vorzeichen für Iván Cepeda zur Wahl der Präsidentschaft im Mai

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Präsident Gustavo Petro bei der Stimmabgabe am Sonntag den 8. März
Präsident Gustavo Petro bei der Stimmabgabe am Sonntag den 8. März

Bogotá. In Kolumbien haben am Sonntag weniger als 50 Prozent der rund 41 Millionen Wahlberechtigten ein neues Parlament gewählt. Parallel dazu fanden parteiübergreifende Vorwahlen zur Bestimmung von Präsidentschaftskandidat:innen statt. Bei den landesweiten Wahlen wurden die Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses für die Legislaturperiode 2026–2030 bestimmt. Gleichzeitig fanden in mehreren politischen Lagern offene Vorwahlen statt, um Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 31. Mai 2026 festzulegen.

Bei den Wahlen zum Senat liegt die linke Regierungskoalition Pacto Histórico vorne. Sie erreichte rund 4,4 Millionen Stimmen (22,7 Prozent) und wird damit die größte Fraktion im Senat bilden. Dahinter folgen das konservative Centro Democrático mit etwa 15,6 Prozent, der Partido Liberal mit rund 11,7 Prozent, sowie Alianza por Colombia und der Partido Conservador, die jeweils knapp unter zehn Prozent liegen.

In der Cámara de Representantes zeichnet sich ein fragmentierteres Bild: Die größten Blöcke werden ebenfalls vom Pacto Histórico und vom Centro Democrático gestellt, gefolgt von traditionellen Parteien wie den Liberalen, Konservativen und weiteren regionalen Bündnissen.

Keine politische Kraft erreicht eine absolute Mehrheit, sodass für die kommende Legislaturperiode Koalitionen notwendig sein werden, um Gesetze zu verabschieden. 

Insgesamt kandidierten über 3.000 Bewerber für rund 285 Sitze im Kongress, davon 102 Sitze im Senat und 183 im Repräsentantenhaus. 

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Zudem fanden drei parteiübergreifende Vorwahlen statt. Dabei stimmten die Wähler:innen darüber ab, welche Führungsperson die jeweiligen Wahlkoalitionen bei der Präsidentschaftswahl vertreten soll. Diese Wahlen sind freiwillig und nicht alle Parteien und Bündnisse machen dabei mit. Die Wähler:innen müssen explizit nach dem Wahlzettel fragen. Der Kandidat des Pacto Histórico stand bereits vorher seit einer Vorwahl im Oktober fest.

Die Wahlen standen unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, um mögliche Angriffe bewaffneter Gruppen zu verhindern und den Ablauf der Abstimmung zu sichern. Außerdem waren Land- und Flussgrenzen vorübergehend geschlossen, um die Sicherheitskontrollen im gesamten Staatsgebiet zu verstärken.

Während des Wahltages kam es zu mehreren Unregelmäßigkeiten und Ermittlungen wegen Wahlbetrugs. Behörden meldeten fast 1.000 Anzeigen wegen Wahlvergehen, darunter mutmaßliche Stimmenkäufe und Bargeldfunde bei Kandidaten. Laut offiziellen Angaben gab es 68 Festnahmen im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen. Zudem wurden rund 2.400 Personen daran gehindert, illegal über die Grenze aus Venezuela einzureisen, um möglicherweise an der Abstimmung teilzunehmen.

Indigene Verbände melden, dass die Sonderwahlzettel für Indigene und Afrokolumbianer an vielen Wahllokalen nicht ausgegeben wurden. Für den Senat gibt es zwei reservierte Sitze für indigene Kandidaten und in der Cámara zwei Plätze für Afros. Wähler:innen können statt des normalen Wahlzettels einen indigenen oder afro-kolumbianischen Wahlzettel fordern und damit ausschließlich diese speziellen Listen unterstützen. Diese Sitze sollen sicherstellen, dass Indigene und Afro-Gemeinschaften im Parlament vertreten sind. 

Die Abstimmung gilt als wichtiger politischer Stimmungstest für das linke Regierungsprojekt von Präsident Gustavo Petro, der laut Verfassung nicht erneut kandidieren darf. Im Mai wird Iván Cepeda für die Linke in den Präsidentschaftswahlen antreten. Er erklärte, dass seine linke Koalition mit mehr als vier Millionen Stimmen und der größten Fraktion im Senat zur wichtigsten politischen Kraft des Landes geworden sei. Cepeda argumentierte, dieser Rückhalt beruhe auf der Umsetzung sozialer Reformen und dem Versprechen größerer sozialer Gerechtigkeit während der Regierung von Petro. Auf dieser Grundlage zeigte er sich überzeugt, dass Kolumbien bereit sei für ein "zweites progressives Regierungsprojekt". Er kündigte an, bei den Präsidentschaftswahlen am 31. Mai 2026 den Sieg zu erringen.