Santiago. Die neue Regierung Chiles unter José Antonio Kast hat die israelische staatliche Rüstungsfirma Israel Aerospace Industries (IAI) zur größten lateinamerikanischen Luftfahrtmesse eingeladen. Die Firma wird beschuldigt, direkt an Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen in Gaza beteiligt zu sein und Waffen für Menschenrechts- und Kriegsverbrechen gegen die Minderheit der muslimischen Rohingya in Myanmar zu liefern. Begonnen hat die Ausstellung auf dem Flughafen der chilenischen Hauptstadt am Dienstag und endet am heutigen Sonntag. Seit 1980 hat sich die FIDAE zu einer der fünf größten Luft- und Raumfahrtmessen entwickelt. Zunehmend dient sie auch als Schau für internationale Militärtechnik.
Mit der kurzfristigen Entscheidung der Regierung Kast, den größten israelischen Hersteller von Rüstungsgütern, wieder zuzulassen, bricht sie mit den für die Messe von den zwei Vorgängerregierungen bestimmten Standards. Die rechtskonservative Regierung unter Sebastian Piñera schloss 2022 russische Militärfirmen aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine von der FIDAE aus und die Regierung Gabriel Boric verweigerte aufgrund der gleichen Prinzipien 2024 Israel die Ausstellung auf der Messe. Die Ausstellung sollte keine Plattform für die Bewerbung von Militärtechnik aus Staaten bieten, deren militärische Fähigkeiten im Kontext nachgewiesener schwerer Verletzung der Menschenrechte und des internationalen Rechts genutzt werden. Diese Entscheidung war in Chile parteiübergreifend und international auf große Zustimmung gestoßen (amerika21 berichtete).
Aufgrund des staatlichen Charakters der IAI trägt Chile damit zur Förderung einer Einrichtung bei, die strukturell Teil jenes Staates ist, dessen Besatzungspolitik der Internationale Gerichtshof (IGH) im Juli 2024 für rechtswidrig erklärt hat, hieß es in den Medien. Der Report der UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese, von 2025 ordnet IAI ausdrücklich jenen Unternehmen zu, die die "Ökonomie von Besatzung, Apartheid und Völkermord" stützen.
Europäische Länder wie Frankreich, Spanien, die Niederlande und Großbritannien hatten seit 2023 die Teilnahme von israelischen Firmen an den großen Luft- und Raumfahrtausstellungen stark eingeschränkt oder ganz verboten, der Handel mit militärischen Gütern wurde ausgesetzt oder blockiert.
Die palästinensische Gemeinschaft in Chile, mit einer halben Million Menschen die größte außerhalb des Nahen Ostens, reagierte in einer öffentlichen Erklärung ablehnend auf die Nachricht der Präsenz von IAI auf der FIDAE 2026. Dies sei eine "inakzeptable, gravierende, schmerzvolle und moralische Verfehlung". Diese Entscheidung breche "mit der Tradition des chilenischen Staates, beeinträchtigt das übergeordnete nationale Interesse, schwächt seine Stellung in der Welt und stellt eine direkte Provokation sowie eine Kränkung für eine Gemeinschaft von mehr als einer halben Million Chilenen dar."
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Der Präsident der Palästinensischen Gemeinschaft in Chile, Maurice Khamis, stellte klar, dass es sich um ein politisches Signal Chiles an die Welt handelt, welches in tiefem Widerspruch zu seiner diplomatischen Tradition sowie zu seinem Bekenntnis zum Völkerrecht und zum humanitären Völkerrecht stehe. "Chile handelt unter dieser Regierung erstmals nicht mehr im Einklang mit seinen staatlichen Grundsätzen, sondern nach der vorherrschenden Ideologie der aktuellen Regierung." Man werde daher rechtliche Schritte im In- und Ausland prüfen.
Auch im konservativen Sektor Chiles löst der Schritt der Regierung Unverständnis aus. Der Senator der rechtskonservativen Partei Unión Democrática Independiente, Sergio Gahona, spricht von einem tiefgreifend verfehlten Signal: "Chile kann sich nicht in ein Schaufenster für `im Kampf auf besetzten Gebieten erprobte´ Technologien verwandeln." Dies könne für das Land international rechtliche Risiken bringen.
Der Direktor von Amnesty International Chile, Rodrigo Busto, hält die Regierungsentscheidung für schwerwiegend: "Der chilenische Staat muss seine unmissverständliche Verurteilung des Völkermords und der vom Staat Israel gegen das palästinensische Volk begangenen Kriegsverbrechen aufrechterhalten."
Auch international stößt die Entscheidung auf Ablehnung. Die palästinensische Organisation Al-Haq warnt davor, dass "Chile seine internationale Reputation als Land, welches internationales Recht und Menschenrechte verteidige, verlieren könnte". Die Möglichkeit bestehe, dass aufgrund der universellen Gerichtsbarkeit in diesem Fall in verschiedenen Ländern Klage eingereicht werden könnte.

