Brasilien / Politik

Skandal um Banco Master in Brasilien trifft Bolsonaros Lager

Geleakte Chat-Nachrichten belasten Flávio Bolsonaro wegen finanzieller Verbindung zum festgenommenen Daniel Vorcaro. Affäre könnte ernsthafte Belastung für Präsidentschaftskandidatur sein

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Flávio Bolsonaro (rechts im Vordergrund) ist der Herausforderer von Staatschef Lula da Silva, könnte aber über den Bankenskandal stolpern
Flávio Bolsonaro (rechts im Vordergrund) ist der Herausforderer von Staatschef Lula da Silva, könnte aber über den Bankenskandal stolpern

Brasília. Neue Enthüllungen über die Beziehung zwischen dem brasilianischen Senator und Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro und dem Banker Daniel Vorcaro verschärfen die politische Dimension des sogenannten Banco-Master-Skandals. Audioaufnahmen und Chatnachrichten, die vom Investigativportal The Intercept Brasil veröffentlicht wurden, legen nahe, dass der Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro bei Vorcaro millionenschwere Zahlungen für den Film The Dark Horse über seinen Vater Jair Bolsonaro angefragt hatte. 

Wie CNN Brasil berichtet, zeigen die veröffentlichten Nachrichten eine enge persönliche Beziehung zwischen Flávio Bolsonaro und Vorcaro. In den Chats bezeichnet der Senator den Banker demnach als irmao (Bruder). Politische Gegner werfen ihm vor, die Kontakte zunächst bestritten oder verschleiert zu haben. Bolsonaro räumte die Gespräche später ein, sprach jedoch von einem rein privates Sponsoring ohne politische Gegenleistungen.

Abgeordnete der Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), der Partei für Sozialismus und Freiheit (Partido Socialismo e Liberdade, PSOL) und der Kommunistischen Partei Brasiliens (Partido Comunista do Brasil, PCdoB) kündigten an, bei der Bundespolizei Anzeige zu erstatten, die Bundessteuerbehörde einzuschalten und die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (CPI) zu beantragen, um die Beziehungen des Senators Flávio Bolsonaro zu untersuchen.

Internationale Medien bewerten die Affäre inzwischen als ernsthafte Belastung für die Präsidentschaftsambitionen des Senators. Das Nachrichtenmedium Globo verweist auf die starke Resonanz internationaler Medien wie Reuters und Washington Post, die die politische Brisanz der Nähe eines führenden rechten Politikers zu einem zentralen Akteur eines der größten Finanzskandale der jüngeren brasilianischen Geschichte hervorheben.

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Der Hintergrund der Affäre reicht weit über die Bolsonaro-Familie hinaus. Das inzwischen kollabierte Finanzinstitut Banco Master steht im Zentrum umfassender Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche, Korruption, Marktmanipulation und betrügerischer Finanzgeschäfte. Die brasilianische Bundespolizei untersucht im Rahmen der Operação Compliance Zero mutmaßliche illegale Finanznetzwerke rund um den Finanzunternehmer und ehemaligen Eigentümer der Banco Master, Daniel Vorcaro. Der bisherige Ermittlungsstand deutet auf ein weit verzweigtes Netzwerk aus Finanz- und Politikeliten unterschiedlicher Lager hin und erinnert an die Korruptionsoperation Lava Jato, die das politische System des Landes über Jahre erschütterte (amerika21 berichtete).

Vorcaro gilt als Schlüsselfigur eines mutmaßlichen Netzwerks, das durch komplexe Finanzkonstruktionen und das Ausnutzen regulatorischer Lücken Milliardenbewegungen verschleiert haben soll. Zentral ist dabei vor allem seine Rolle als Schnittstelle zwischen Finanzsektor, Zentralbank und politischen Kontakten, die dem Fall eine weit über einzelne Wirtschaftsdelikte hinausgehende Dimension verleiht.

Für Flávio Bolsonaro kommt die Affäre zu einem heiklen Zeitpunkt. Nachdem sein Vater politisch und juristisch geschwächt wurde, versucht der Senator seit Monaten, sich als moderateres Gesicht der brasilianischen Rechten zu präsentieren. Noch vor wenigen Tagen beschrieb El País Brasil ihn als den "gemäßigten Bolsonaro", der neue Wählerschichten ansprechen solle. Aktuelle Umfragen sehen ihn in einer möglichen Stichwahl nahezu gleichauf mit Lula.

Auch an den Finanzmärkten hinterließen die Enthüllungen Spuren: Der brasilianische Real verlor zeitweise mehr als zwei Prozent gegenüber dem US-Dollar, während der Leitindex Bovespa deutlich nachgab. Marktbeobachter nannten laut Reuters die politische Unsicherheit rund um die Vorwürfe gegen Flávio Bolsonaro als einen der Auslöser der Turbulenzen.