Washington/Caracas. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben den mutmaßlichen Anführer des venezolanischen Kartells "Tren de Aragua", Héctor Rusthenford Guerrero Flores, bei einem Luftangriff getötet. US-Präsident Donal Trump gab den Militärschlag am Freitag auf seinem Netzwerk "Truth Social" bekannt und veröffentlichte dabei ein Video eines explodierenden Gebäudes. Nach seinen Worten erfolgte die Mission in enger Zusammenarbeit mit der venezolanischen Regierung. Das venezolanische Kommunikationsministerium unter der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez bestätigte in einer Erklärung von Freitag die "gemeinsame Operation", bei der "Strukturen der organisierten Kriminalität" im Bundesstaat Bolívar "zerschlagen" worden seien.
Der 43-jährige Flores, bekannt als "Niño Guerrero", galt als Anführer des "Tren de Aragua" und war eine der meistgesuchten Personen der US-Einwanderungs- und Zollbehörde. Seit 2024 war eine Belohnung von fünf Millionen US-Dollar auf Informationen über ihn angesetzt. Die Organisation entwickelte sich im Gefängnis Tocorón im Bundesstaat Aragua. Von hier aus kontrollierte sie ihre Operationen. Presseberichten zufolge verwandelte sie das Gefängnis zeitweise in ihr eigenes Territorium, mit Anlagen wie Schwimmbädern, Restaurants und Nachtclubs. Unter Guerrero Flores hatte sich die Organisation laut Bundesanwälten von einer venezolanischen Gefängnisbande hin zu einer transnationalen Organisation mit Präsenz auf dem gesamten amerikanischen Kontinent entwickelt.
Nach einer staatlichen Intervention des Gefängnisses im Jahr 2023 schrieben die Sicherheitsbehörden des venezolanischen Staates den zuvor geflohenen Guerrero Flores wegen Mordes, Entführung und Terrorismus zur Fahndung aus. Venezuelas damaliger Präsident Nicolás Maduro verkündete kurz darauf die vollständige Zerschlagung der Bande und kündigte eine grenzüberschreitende Suchaktion nach Guerrero Flores mit den Nachbarländern an. In Kolumbien, Chile und Peru wurden seitdem weitere mutmaßliche Mitglieder festgenommen.
Die gemeldete Tötung von Guerrero ist die erste dokumentierte gemeinsame Militäroperation der USA und Venezuelas auf venezolanischem Boden. Sie reiht sich in eine Serie umstrittener US-Militäroperationen in der Region ein. Seit September 2025 haben die USA insgesamt 63 Angriffe auf angebliche Drogenboote in der Karibik und dem östlichen Pazifik durchgeführt, bei denen 207 Zivilisten getötet wurden. Dass es sich tatsächlich um Drogenschmuggler handelte, haben die USA nie bewiesen (amerika21 berichtete).
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Für den Angriff hat die Trump-Regierung bislang weder nach nationalem noch nach internationalem Recht eine Rechtsgrundlage genannt. Rechtswissenschaftler bezweifeln, dass ein bewaffneter Konflikt mit dem Kartell im Sinne des Völkerrechts besteht, der eine gezielte Tötung erlauben würde. Zudem bedarf der Einsatz ausländischer Streitkräfte auf venezolanischem Territorium laut der venezolanischen Verfassung der Genehmigung der Nationalversammlung; eine solche wurde weder beantragt noch erteilt. US-Kriegsminister Pete Hegseth sagte lediglich, Venezuela habe die US-Streitkräfte "eingeladen".
Trump spielt die Aktivitäten des Tren de Aragua auf US-amerikanischem Boden seit Jahren hoch. US-Geheimdienste hatten laut einem ehemals geheimen Bericht keine Belege für koordinierte Aktivitäten des Kartells auf US-Boden oder direkte Verbindungen zur venezolanischen Regierung gefunden.
Seit der Entführung Maduros im Januar 2026 (amerika21 berichtete) hat Caracas Öl- und Bergbaugesetzgebung zugunsten westlicher Investoren reformiert. Hochrangige US-Vertreter, darunter CIA-Direktor John Ratcliffe und der Kommandeur des US-Südkommandos SOUTHCOM, Francis L. Donovan, haben Caracas besucht. Der Angriff erfolgte im rohstoffreichen Bolívar, wo westliche Konzerne Schürfrechte für Gold und andere Bodenschätze anstreben.

