Morón/Caracas et al. Bei schweren Erdbeben in Venezuela sind am gestrigen Abend mindestens 164 Menschen ums Leben gekommen, weitere 971 Menschen wurden verletzt. Dies geht aus den jüngsten Informationen der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hervor. Am Donnerstagabend deutscher Zeit sollen laut einer für entsprechende Meldungen eingerichteten Seite noch über 37.000 Menschen vermisst werden. Einem ersten Beben der Stärke 7,2 um 18:04 Uhr Ortszeit folgte eine Minute später das Hauptbeben der Stärke 7,5. Seitdem wurden rund 100 Nachbeben registriert.
Das US-amerikanische Tsunami-Warnzentrum für den Pazifikraum sprach eine Tsunami-Warnung für die Küstengebiete von Puerto Rico und weiteren Gebieten in der Karibik aus. Auch entlang der Küsten Venezuelas, Bonaire, Curaçao und Aruba werden Tsunamiwellen erwartet.
Am stärksten von der Katastrophe sind die Hauptstadt Caracas sowie die Bundesstaaten Miranda, La Guaira, Aragua, Carabobo und Falcón betroffen. Die Behörden meldeten Schäden an der öffentlichen Infrastruktur sowie Beeinträchtigungen bei der Versorgung mit Gas, Strom und Wasser. Auch der internationale Flughafen Maiquetía - Simón Bolívar wurde aufgrund schwerer Schäden an der Infrastruktur geschlossen. Air Europa, Iberia, American Airlines und weitere Fluggesellschaften strichen infolge des Erdbebens ihre Flüge nach Caracas.
Das Doppelerdbeben zählt zu den stärksten, die Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert erschüttert haben. Das Erdbeben von San Narciso im Jahr 1900 erreichte die Stärke von 7,6 und das Hauptbeben von Sucre im Jahr 2018 hatte eine Stärke von 7,3.
Das Epizentrum des Doppelbebens lag in Morón, etwa 168 Kilometer von der Hauptstadt Caracas entfernt.
Die Erdbeben ereigneten sich am Abend eines Feiertags, des Jahrestags der Schlacht von Carabobo von 1821, die in der Unabhängigkeit von Spanien mündete. Die Schulen blieben am Mittwoch geschlossen und viele Venezolaner waren aufgrund des Feiertags nicht zur Arbeit gegangen.
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Die venezolanische Regierung von Delcy Rodríguez rief den Notstand in den betroffenen Regionen aus und setzte den Schulunterricht sowie weitere nicht lebenswichtige Aktivitäten aus. Zahlreiche Länder und internationale Organisationen, darunter die Vereinten Nationen, haben Venezuela ihre Solidarität und Unterstützung zugesagt. Länder wie Mexiko, Kuba, Italien, Ecuador und die USA haben Hilfe angekündigt.
Auch die Bundesrepublik Deutschland hat Unterstützung für Venezuela nach dieser Naturkatastrophe angeboten. Die Bundeswehr sei bereit, kurzfristig bis zu sechs Airbus-A400M-Transportflugzeuge zur Verfügung zu stellen, sobald ihre Unterstützung für Hilfsmaßnahmen in Venezuela angefordert werde, erklärte Verteidigungsminister Pistorius in einer Stellungnahme mit.
Inzwischen hat Rodríguez die Einrichtung eines Hilfefonds für den Wiederaufbau angekündigt. Priorität sei es, Menschenleben zu retten und den von den Erdbeben betroffenen Menschen Schutz zu bieten.
"Ich möchte die Einrichtung eines Fonds in Höhe von 200 Millionen US-Dollar ankündigen, der aus Mitteln des Internationalen Währungsfonds gespeist wird und es uns ermöglichen wird, die Infrastruktur und Krankenhäuser wieder aufzubauen sowie Wohnungen für diejenigen zu errichten, die ihr Zuhause verloren haben", erklärte Interimspräsidentin Rodríguez.
Informationen der Vereinten Nationen zufolge seien allein in der kleinen Küstenstadt La Guaira, nahe des Hauptstadtflughafens Simón Bolívar, 100 Gebäude zusammengebrochen. Die Stadt wurde durch das Erdbeben besonders stark zerstört. In der Hauptstadt Caracas entschieden sich Hunderte von Menschen auf der Plaza de la Candelaria gemeinsam mit Kindern und älteren Menschen, unter freiem Himmel mit Matratzen und Zelten zu schlafen.

