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13.12.2017 Kuba / USA / Politik

Die Politik der Regierung Trump gegenüber Kuba – eine notwendige Bilanz

Der US-Präsident hat die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf einen neuen Tiefpunkt gebracht. Kuba reagiert ausgewogen, intelligent und fest
"Schritte rückwärts": Karikatur des bekannten kubanischen Zeichners Alfredo Martirena zur Kuba-Politik von US-Präsident Trump

"Schritte rückwärts": Karikatur des bekannten kubanischen Zeichners Alfredo Martirena zur Kuba-Politik von US-Präsident Trump

Quelle: vanguardia.cu

Am 16. Juni 2017 lüftete der neue Herr im Weißen Haus, Donald Trump, während einer Rede, die mehr einer Fernsehshow als einer politischen Veranstaltung glich, das bis dahin bestehende Geheimnis hinsichtlich des Kurses, den seine Administration in Bezug auf die größte Antillen-Insel einschlagen würde. Gleichwohl entwickelten sich die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern auf verschiedenen Gebieten inmitten vielfältiger Widersprüche und einem veränderten Kontext, der gegenwärtig nicht die fehlgeschlagene Politik der Vergangenheit, die von den verschiedenen Regierungen der USA gegen Kuba entworfen und umgesetzt wurde, favorisiert; allen Bemühungen von Trump zum Trotz, alle in den vergangenen Jahre erzielten Fortschritte und das in den bilateralen Beziehungen Erreichte – was nicht zu vernachlässigen ist - hinwegzufegen.

Man kann nicht ignorieren, dass die Einflussfaktoren , die die demokratische Regierung von Barack Obamas dazu gedrängt haben, 18 Monate lang geheime Verhandlungen mit Kuba zu führen und anschließend die historischen Ankündigungen zu machen, nach wie vor wirken und einige von ihnen sich sogar stärker ausgeprägt haben; was es Trump erschwert, das Erbe seines Vorgängers zu zerstören; das scheint eine seiner größten Obsessionen zu sein, und nicht nur in Bezug auf das Thema Kuba.

Obwohl es eine extrem rechte Machtelite gibt, angeführt von verschiedenen Kongressabgeordneten kubanischer Herkunft, die Trump bei der Rückkehr zur klassischen Konfrontationspolitik den Rücken stärken, so tendiert der Konsens innerhalb der Machtelite der USA selbst und ihres Verwaltungsapparates in Richtung Fortsetzung der von Obama am 17. Dezember 2014 begonnenen Öffnung. Demzufolge hat die Politik der Trump-Administration gegenüber Kuba gute Chancen, sich in Zukunft in eine „temporäre Anomalie“ zu verwandeln, die letztlich durch die systemische Logik hinweggefegt werden wird, die schwerpunktmäßig auf die Fortsetzung der Annäherung setzt. Vielleicht brachte es Ben Rhodes, Ex-Berater von Obama, exakt auf den Punkt, als er sagte, dass die Verlautbarungen von Trump „den letzten unlogischen Atemzug einer US-amerikanischen Politik mit einer 50-jährigen Geschichte des Scheiterns“ darstellen1.

Es stimmt, dass der politische Preis für Trump, das während der Jahre seines Vorgängers im Weißen Haus mit Bezug auf Kuba Erreichte zurückzudrehen, geringer erscheint im Vergleich zu anderen Themen auf der nationalen und internationalen Agenda, mit denen er versucht, die Unterstützung der Kongressabgeordneten kubanischer Herkunft – neben ihrem Rückhalt bei der Wahl – zu gewinnen; aber dieser Preis ist dennoch hoch, zudem in einem recht unsicheren Geschäft. Er verliert in erster Linie in Kuba, denn die Insel hat über Jahrzehnte diese Art gescheiterter Politik überlebt, und beschert ihm zudem die praktisch absolute Ablehnung des kubanischen Volkes, einschließlich des Privatsektors, einem der Hauptbetroffenen eines Rückschrittes in den Beziehungen; er verliert in seiner Wirkung auf Lateinamerika und die Karibik, vor allem wenn man bedenkt, dass Präsident Trump im nächsten Jahr beim Amerika-Gipfel, der im April in Lima (Peru) stattfinden wird, den Präsidenten der Länder der Region wird in die Augen schauen müssen; er gewinnt auch auf der internationalen Bühne nicht – einschließlich bei seinen Verbündeten –, wo es eine allgemeine Ablehnung der Isolations- und Blockadepolitik gegen Kuba gibt, und auch nicht in der öffentlichen Meinung der USA und bei den Kuba-Amerikanern selbst, die in ihrer großen Mehrheit für eine Verbesserung der Beziehungen mit der Insel sind. Bezüglich Kuba zur Politik der Vergangenheit zurückzukehren, läuft den eigenen wirtschaftlichen, diplomatischen, politischen und Sicherheitsinteressen der USA zuwider. Eine Studie der Organisation Engage Cuba schlussfolgert, dass das Zurückdrehen des zu Zeiten Obamas Erreichten kurz- und mittelfristig die Schaffung von 12.295 Arbeitsplätzen in den USA verhindern und den Verlust von 6,6 Milliarden US-Dollar für die USA bedeuten würde2.

Durch Informationen, die an US-amerikanische Pressemedien wie The Hill durchsickerten, weiß man, dass es den Kongressabgeordneten Marco Rubio und Mario Diaz Balart gelungen war, mit Trump vor seiner Rede vom 16. Juni die totale Rücknahme aller seit dem 17. Dezember 2014 beschlossenen politischen Maßnahmen Obamas mit Bezug auf Kuba zu verabreden. Das schloss ein: die Schließung der Botschaften, die "Rückkehr" Kubas auf die verlogene Liste der "Terrorstaaten", die Suspendierung aller unterzeichneten Kooperationsabkommen. Als der Entwurf des Memorandums jedoch die bürokratischen Strukturen durchlief, gab es eine fast einstimmige Ablehnung dieser Politiken, weshalb Trump schließlich ein im Vergleich zum Originalvorschlag weitgehend abgeschwächtes Dokument unterzeichnen musste, das die 22 von beiden Ländern während der Amtszeit von Obama unterzeichneten Kooperationsabkommen bestehen lässt, ebenso die Botschaften in beiden Hauptstädten. Zudem wurde zusammen mit der Bekanntmachung des Präsidenten eine Klarstellung veröffentlicht, dass solange das Finanzministerium die neuen Regeln nicht veröffentlicht (was Monate dauern könnte), der Status quo fortbesteht; und es wurde auch klargestellt, dass wenn diese Regeln veröffentlicht sind, sie für die Zukunft gelten und somit nicht die schon bestehenden Verträge und Lizenzvereinbarungen betreffen.

Es vergingen mehr als fünf Monate, bis diese neuen Regeln am 8. November veröffentlicht wurden. Gleichwohl: schon nach dem, was im von Trump unterzeichneten Präsidentenerlass formuliert war, konnte man schließen, dass, auch wenn die neuen angekündigten Maßnahmen keine Rückkehr zu der vor dem 17. Dezember 2014 bestehenden Situation bedeuten, sie sehr wohl einen bedeutenden Einbruch hinsichtlich des auf den Gebieten Handel und Reisen schon Erreichten darstellen. Die von Präsident Trump angekündigten "Schritte rückwärts" in der Politik gegenüber Kuba waren folgende:

  • Verbot wirtschaftlicher, Handels- und Finanztransaktionen von US-Firmen und Einrichtungen mit kubanischen Betrieben und Einrichtungen, die mit den Revolutionären Streitkräften und dem Innenministerium verbunden sind.

  • Erweiterung der Liste von Regierungsfunktionären und kubanischen Bürgern, die keine Visa, familiären Geldtransfers erhalten können und sich nicht an Transaktionen mit US-Einrichtungen beteiligen dürfen.

  • Beseitigung der Möglichkeit von Individualreisen unter der Kategorie des Austausches zur Völkerverständigung

  • Aufhebung der Präsidentendirektive von Barack Obama zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba.

  • Ablehnung der in den Vereinten Nationen und in anderen internationalen Foren auf die Aufhebung der Blockade gegen Kuba gerichteten Aktionen durch die USA.

  • Strikte Durchsetzung des Verbots von Reisen nach Kuba, außerhalb eines Rahmens von zwölf durch das US-Gesetz erlaubten Kategorien , welche touristische Reisen ausschließen

Hinzu kommt noch die Verschlechterung des Klimas für den Dialog und bilaterale Verhandlungen, die eine solche raubeinige und feindliche Rede wie die von Präsident Trump bezüglich Kuba hervorruft.

Aber jenseits dieser Rede, mit der von einer Position der Stärke aus versucht wurde, Kuba Bedingungen zu stellen, hat die Trump-Administration in der Praxis nach dieser Reality Show in Miami weiterhin einen gut Teil der in der Obama-Ära unterzeichneten bilateralen Abkommen erfüllt; einschließlich der neuen Vereinbarungen zur Einwanderung, was die Rückführung der illegal in das Territorium der USA eingereisten Kubaner nach Kuba beinhaltete. Ebenso vertieften sich die leichten Risse in der Blockade im Bereich des Handels und einige der Geschäftsbereiche in den USA, die sich für den kubanischen Markt entschieden hatten – insbesondere die Tourismusindustrie, die Fluggesellschaften ebenso wie die Kreuzfahrtunternehmen – sind weit davon entfernt, zurückzustecken und haben ihre Beziehungen zur Insel ausgeweitet, auch durch die Entsendung von Unternehmerdelegationen. Es gab zudem Fortschritte auf dem Gebiet der Schifffahrt- und Hafenwirtschaft durch die Unterzeichnung mehrerer Abkommen mit örtlichen Behörden verschiedener wichtiger US-Städte.

Auch wurden die Kommunikationskanäle zwischen beiden Ländern nicht gekappt. Am 19. September, während Präsident Trump in seiner Rede vor den Vereinten Nationen Kuba attackierte und sich in die Angelegenheiten des Landes einmischte, fand in Washington die sechste Zusammenkunft der Bilateralen Kommission Kuba-USA statt; ein weiterer Beweis der tiefgreifenden Widersprüche in der Kuba-Politik dieser Regierung. Die Bilaterale Kommission Kuba-USA ist ein während der Obama-Ära geschaffenes Instrument, um in Richtung Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern voranzukommen; ein Prozess, der, wie Trump am 16. Juni verkündete hatte, "beendet" worden ist.

Was in diesen Monaten jedoch sehr deutlich wurde, ist, dass der Präsident der USA Kuba zu einem bloßen Tauschobjekt für seine Manöver in der Innenpolitik gemacht hat. Und dabei hat Senator Marco Rubio, mit dem der Präsident anscheinend irgendeine Vereinbarung erreicht hat, seine Hand im Spiel – im Tausch für seine Unterstützung im Geheimdienstausschuss des Senats, wo derzeit seine Verantwortlichkeit bei der angeblichen russischen Beeinflussung der Wahlkampagne 2016 erörtert wird. Diese Kreise der extremen Rechten kubanischer Herkunft sind heutzutage in der Offensive und der Präsident hat nicht aufgehört, ihnen nachzugeben. Die Konstruktion des neuen Vorwandes der angeblichen "Schall - Attacken" gegen das diplomatische Personal der US-Botschaft in Havanna kam diesen Kreisen gerufen , denn sie sind die einzigen Nutznießer dieser Art Operationen unter falscher Flagge, bei denen die USA eine lange Erfahrung haben. Man brauchte also nicht erst abzuwarten, bis die Verwaltung ihre Arbeit erledigen und die neuen Regeln mit den vom Präsidenten am 16. Juni angekündigten Maßnahmen veröffentlichen würde; man benutzte das Täuschungsmanöver mit den "akustischen Ereignissen", um die praktische Umsetzung dieser Rückschritte in den bilateralen Beziehungen zu beschleunigen.

Als Senator Marco Rubio von den angeblichen Ereignissen in Havanna erfuhr, schickte er einen Brief an Außenminister Rex Tillerson, in dem er die Ausweisung aller kubanischen Diplomaten aus Washington und die Schließung der kubanischen Botschaft verlangte. Rubio erreichte außerdem die Unterzeichnung dieses Briefes durch republikanische Senatoren wie Tom Cotton, Richard Burr, John Cornyn und James Lankford.

Auf Vorschlag der kubanischen Seite traf sich Außenminister Bruno Rodríguez Parilla am 26.September in New York mit US-Außenminister Rex Tillerson. Er legte die Seriösität und Professionalität der von den kubanischen Behörden vorgenommenen Untersuchungen dar, die sofort eingeleitet wurden, nachdem die kubanischen Behörden von den Repräsentanten der US-Regierung über die Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt worden waren; bis dato habe man keinerlei Beweise gefunden, die die Ursachen und den Ursprung der behaupteten Gesundheitsschäden bei den US-Diplomaten eklären würden; dessen ungeachtet seien zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der US-Diplomaten und ihrer Familien ergriffen worden. Der kubanische Minister ersuchte die US-Regierung auch um eine stärkere Zusammenarbeit bei der laufenden Untersuchung und betonte, dass Kuba niemals Angriffe irgendeiner Art gegen Diplomaten verübt habe noch jemals verüben werde und es ebenso wenig gestattet habe noch jemals gestatten würde, dass sein Territorium durch Dritte für diesen Zweck benutzt wird.

Ungeachtet dessen wurde am 29.September die Entscheidung Washingtons bekannt gegeben, sein diplomatisches Personal in Kuba um mehr als die Hälfte zu reduzieren und die Visaerteilung "auf unbestimmte Zeit" einzustellen; begleitet wurde diese von einer Warnung an die US-Bürger vor den Gefahren, denen sie im Falle eines Besuchs in Kuba ausgesetzt wären. Die erste Reaktion von Senator Marco Rubio war nicht etwa Zustimmung, sondern Unzufriedenheit; er betrachtete die Maßnahme als schwach und inakzeptabel, nach seiner Auffassung hätte die US-Regierung die kubanischen Funktionäre der Botschaft in Washington ausweisen müssen. "Es ist beschämend, dass das Außenministerium die Mehrzahl seines Personals der US-Botschaft in Kuba abzieht, aber Castro mit so vielen Leuten wie er will in den USA bleibt", schrieb er auf seinem Twitter-Account. Wenig später, am 3. Oktober, ordnete die Trump-Administration in Befolgung dieser "Empfehlung" die Reduzierung des kubanischen diplomatischen Personals in Washington auf das gleiche Niveau wie das in Havanna vorhandene an. Der Präsident ging sogar so weit, die kubanische Regierung für die vermeintlichen gesundheitlichen Schäden des diplomatischen Personals der USA auf Kuba verantwortlich zu machen und brachte so die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf den Tiefpunkt seit den Ankündigungen vom 17. Dezember 2014.

Die "akustische Sage" hat sich bis zur Lächerlichkeit in Luft aufgelöst. Die Regierung der USA hat keinerlei Beweise vorgelegt, die die behaupteten Schallattacken und die Gesundheitsschäden ihres diplomatischen Personals in Havanna belegen würden. Wie drückte es der kubanische Außenminister auf einer Pressekonferenz im Nationalen Presseclub in Washington am 2.November aus: "Wenn Havanna wirklich ein unsicherer Ort wäre, hätte man nicht zwischen Januar und Oktober 2017 um 212 Visa für Familienangehörige und Freunde der Diplomaten ersucht (er bezieht sich auf US-Diplomaten) und diese hätten nicht mehr als 250 Erholungsreisen außerhalb der Hauptstadt unternommen."3

Jedenfalls haben Washingtons Entscheidungen die Funktionsfähigkeit der kubanischen Botschaft in Washington beeinträchtigt, insbesondere das Wirtschafts- und Handelsbüro, das komplett geschlossen wurde mit der erklärten Absicht, die Beziehungen zum US-Unternehmenssektor zu treffen, einem der wichtigsten Kräfte , die gegenwärtig in den USA auf normale Beziehungen zu Havanna drängen. Der Schaden trifft auch direkt die kubanischen und US-amerikanischen Bürger, vor allem jene mit familiären Beziehungen, deren Möglichkeiten jetzt beschränkt sind, in beide Richtungen zu reisen. Ebenso wird es katastrophale Auswirkungen für den akademischen, kulturellen, wissenschaftlichen und den sportlichen Austausch geben, einem der Gebiete, auf dem man in den letzten Jahren am meisten vorangekommen war. Mit diesen törichten Entscheidungen werden außerdem die 22 seit dem 17. Dezember 2014 zwischen beiden Ländern abgeschlossen Kooperationsabkommen beeinträchtigt. Wie der kubanische Außenminister in der erwähnten Pressekonferenz erklärte, wurde bereits ein technisches Treffen zur Landwirtschaft ausgesetzt; Aktivitäten bei der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Gesundheitswesens wurden verschoben und verschiedene kulturelle, sportliche und studentische Veranstaltungen und die Reisen dutzender US-amerikanischer Besuchergruppen gestrichen.

Schließlich wurden am 8. November die neuen, vom Außen-, Handels- und Finanzministerium herausgegebenen Regelungen veröffentlicht. Sie bestätigten den ernsthaften Schaden, den die bilateralen Beziehungen erlitten haben und prophezeien ein noch schlimmeres Szenario, wo hauptsächlich die kubanischen und US-amerikanischen Bürger selbst betroffen sein werden, deren Möglichkeiten von Reisen und Handel in beiden Richtungen noch weiter eingeschränkt werden. Der Unternehmersektor in den USA gehört zu Hauptopfern dieser neuen Regelungen, insofern ihm im Wettbewerb weiterhin interessante Geschäftsmöglichkeiten in Kuba entgehen werden. Das US-Außenministerium veröffentlichte eine schwarze Liste von 179 kubanischen Einrichtungen, mit denen direkte Finanztransaktionen für US-amerikanische Bürgern und Einrichtungen weiterhin verboten sind. Seinerseits erweiterte die Exportkontrollbehörde des Finanzministeriums die Liste der Staats- und Regierungsfunktionäre, von Repräsentanten gesetzgebender Organe, Massenorganisationen und der Presse, mit denen Geschäfte verboten sind. Unzweifelhaft handelt es sich um eine Verschärfung der Wirtschafts-, Handels-und Finanzblockade gegen Kuba.4

In den nächsten Monaten kann es zu weiteren Schlägen mit der Absicht kommen, die bilateralen Beziehungen auf ein noch schlechteres Niveau zu bringen. Kürzlich wurde bekannt, dass im Repräsentantenhaus ein Gesetzesvorhaben zur Überprüfung der Sicherheitssysteme an den kubanischen Flughäfen angenommen wurde, die kommerzielle Flüge mit US-amerikanischen Flughäfen abwickeln, um mögliche Fehler zu finden. Die Beseitigung des Abkommens über die kommerziellen Flüge ist eine der großen fixen Ideen von Marco Rubio und er wird alles nur Mögliche tun, um sein Ziel zu erreichen.

Währenddessen ist die kubanische Position ausgewogen, intelligent und gleichzeitig sehr fest; sie geht mehr auf die praktischen Handlungen der USA ein als auf eine leere und cholerische Rhetorik; gleichzeitig hat man zu jedem Zeitpunkt eine Tür offen gelassen, um in Richtung eines "zivilisierteren" Umgangs miteinander voranzukommmen. Ein weiteres Mal hat die kubanische Führung unter Armeegeneral Raúl Castro und ihre Diplomatie geglänzt und die historische und konsequente Position Kubas bekräftigt, zum Dialog und zu Verhandlungen mit den USA bereit zu sein, vorausgesetzt, dass dies auf der Basis der gegenseitigen Achtung geschieht und ohne jegliche Beeinträchtigung der Souveränität der Insel, sowohl in der Innenpolitik wie auf internationaler Ebene.

Es ist jedoch immer möglich, innerhalb des Gesamtszenarios, in dem sich die Beziehungen zwischen den USA und Kuba entwickeln, etwas Positives zu finden; denn so, wie die Kuba-Politik der mächtigen Nation im Norden immer eine Herausforderung war, hat es auch bestimmte Bereiche gegeben, die in Einklang mit den nationalen Interessen Kubas genutzt werden können. In diesem Sinne ist es notwendig hervorzuheben, dass, wenn die neue US-Administration auch in vielerlei Hinsicht eine globale Gefahr darstellt (Zunahme des Wettrüstens und des nuklearen Arsenals, offene und ungebremste Aggression gegen die Umwelt, ultranationalistische, rassistische, und fremdenfeindliche gegen Migranten gerichtete Diskurse und Praktiken, etc.), sie doch auch eine Gelegenheit bietet, nicht nur zum Widerstand, sondern zu einer größeren antikapitalistischen Offensive auf internationaler Ebene. Das sogenannte Phänomen Trump ist ein weiteres offensichtliches Beispiel der systemischen Krise des Kapitalismus, der Erschöpfung eines Modells, das verzweifelt versucht, die erweiterte Akkumulation des Kapitals aufrechtzuerhalten. Das manifestiert sich in der Zuspitzung der innerkapitalistischen Widersprüche selbst und im Aufschwung ultrarechter Tendenzen in den USA und Europa.

Für Kuba bedeutet das eine neue Möglichkeit, die Umgestaltungsprozesse in Richtung eines prosperierenden und zukunftsfähigen Sozialismus voranzubringen und zu stärken; die Bündnisse mit den fortschrittlichen und linken Regierungen, Bewegungen und politisch Kräften in der Region zu festigen; die Integrations- und Bündnisprozesse in Lateinamerika und der Karibik, insbesondere die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) neu zu beleben. Und gleichermaßen eine weitere Gelegenheit, um die Beziehungen mit denjenigen internationalen Akteuren zu stärken, die auf globaler Ebene die US-Hegemonie herausfordern.

Der Rückzug der USA aus dem Handelsabkommen Transpazifische Partnerschaft schwächt die rechte und neoliberale Option der lateinamerikanischen Länder der Pazifikküste, bringt die Zukunft der Pazifik Allianz in große Schwierigkeiten und eröffnet China eine größere Möglichkeit für seine Präsenz und seinen Einfluss in der Region.

Der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die xenophoben, diskriminierenden und gegen Zuwanderer gerichteten Positionen der neuen US-Regierung stoßen auf große Ablehnung in der internationalen Gemeinschaft und schaden dem Ansehen der USA. All dies trägt dazu bei, die Hegemonie der nördlichen Nation in der Region und weltweit noch mehr zu schwächen und bringt Kuba, was das Kräfteverhältnis angeht, bei Verhandlungen mit der neuen US-Regierung in eine bessere Position.

Ebenso begünstigen die von der Trump-Administration angekündigten Maßnahmen, die gegen die Umwelt gerichtet sind und dazu beitragen, die mit dem Klimawandel einhergehenden Prozesse zu beschleunigen, eine stärkere Verbindung und Einheit der Inselstaaten der Karibik, die in der Region die am meisten gefährdet sind.

Julian Assange, Gründer der Internet-Plattform Wikileaks, äußerte in einem langen Interview für die Zeitung Pagina 12 seine Meinung zu den neuen Möglichkeiten, die sich mit Trump im Weißen Haus für den Widerstand und den Kampf gegen das System auf globaler Ebene eröffnet haben:

"Unter der Führung eines gebildeten und kosmopolitischen Schwarzen wie Barack Obama erschien die Regierung der USA nicht als das, was sie war. Unter Barack Obama wurden mehr Einwanderer abgeschoben als unter jeder anderen Regierung und man ging von zwei Kriegen auf acht über. Nehmen wir einmal an, dass Argentinien einen Konflikt mit der Trump-Regierung wegen deren Unterstützung Großbritanniens im Falle der Malvinen hat. Ist es dann für Argentinien einfacher oder schwerer, Unterstützung in der internationalen Gemeinschaft zu erhalten als zu Zeiten von Obamas Präsidentschaft? Es ist einfacher mit Trump. Und zu Hause in den USA? Natürlich ist es einfacher, gegen die Politik von Trump zu protestieren. Tatsächlich haben die Proteste schon begonnen. Die Demokraten können, wenn sie in der Opposition sind, zu einer Kraft werden, die die Regierung in die Schranken weist und kontrolliert. Aber wenn sie an die Präsidentschaft und an die Regierung kommen, verschmelzen sie mit den Institutionen. Die Regierung Obama war ein Wolf im Schaftspelz. Die Regierung Trump ist ein Wolf im Wolfspelz. Es ist einfacher, mit einem Wolf umzugehen, der sich nicht verkleidet."5

Elier Ramírez Cañedo aus Kuba ist Doktor der Geschichtswissenschaften. Co-Autor des Buches "Von der Konfrontation zu den Versuchen der Normalisierung. Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Kuba". Bei Twitter:@islainsumisa

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