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Transgene in Kuba: das Zusammentreffen von Notwendigkeit, Wissenschaft und Technologie

Kuba plant die kontrollierte Einbeziehung von Transgenen als Alternative in der landwirtschaftlichen Entwicklung

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Wissenschaftler in Kuba arbeiten an kubanischen Mais-Sorten, die genetisch verändert werden
Wissenschaftler in Kuba arbeiten an kubanischen Mais-Sorten, die genetisch verändert werden

Zu einer Kontroverse führte in Kuba im vergangenen Juli die Vorstellung eines Gesetzes (amerika21 berichtete), in dem es um die Umsetzung der kubanischen Politik bei der Anwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) geht – eine Alternative, zu der das Land aufgrund der Notwendigkeit zum Ausgleich der Landwirtschaftsbilanz greift.

Bei der Vorstellung des Dekrets der Nationalen Kommission für die Nutzung von genetisch veränderten Organismen in der kubanischen Landwirtschaft am 22. Juli erklärte der stellvertretende Minister für Wissenschaft, Technologie und Umwelt (Citma), Armando Rodríguez Batista, dass die nationale Politik die kontrollierte Einbeziehung dieser Kulturen als Alternative in der landwirtschaftlichen Entwicklung vorsieht; ausgehend von Prämissen wie der Lebensmittelsouveränität und Lebensmittelsicherheit, der Ökologie in der Landwirtschaft, der Nachhaltigkeit und der technologischen Souveränität.

"Das Wesentliche dabei ist die Einbeziehung der geordneten und kontrollierten Nutzung von GVO in die landwirtschaftlichen Entwicklungsprogramme als Alternative für die Produktivitätsentwicklung in Übereinstimmung mit einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Nahrungsmittelsouveränität auf der Grundlage der einheimischen Forschung," sagte der Funktionär.

"Wir sagen nicht, dass dies der einzige Weg ist, sondern vielmehr eine weitere und sehr wichtige Alternative angesichts der gegenwärtigen Situation des Landes. Dabei soll die Lebensmittelsouveränität auf der Grundlage von Wissenschaft, Technik und Innovation und die nationale Produktion und Einbindung der Industrie vorangebracht werden", erklärte der stellvertretende Citma-Minister.

In den Kommentaren, die auf diese Nachricht folgten, tauchten Begriffe auf wie "Souveränität", Sätze wie "Kuba beugt sich Monsanto" und Einschätzungen oder Fragen in der Art wie "warum früher nicht und jetzt aber doch?", wobei letztere sich darauf bezogen, dass Kuba bis vor Kurzem offiziell die Einführung dieser Technologie in seine Landwirtschaft nicht in Betracht gezogen hatte.

Das Erste, was Mario Pablo Estrada García, Direktor für landwirtschaftliche Forschung im Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) in Havanna klarstellt, ist, dass bereits 90 Prozent des heute auf der Welt produzierten Sojas genverändert sind.

"Wenn Sie heute eine Schiffsladung Soja kaufen, können vielleicht zehn Prozent davon nicht genverändert sein, sind aber nicht von den anderen 90 Prozent getrennt. Das Soja, das wir seit zwei Jahrzehnten in Ländern wie USA, Brasilien und Argentinien – den großen Soja-Produzenten in der Welt – kaufen, ist genverändert. Genauso ist es mit dem Mais."

"Alles genveränderte Getreide, das Kuba konsumiert, ist international für den tierischen und menschlichen Verzehr zugelassen. Hier erfolgt die Zulassung bei der Einfuhr durch das Nationale Institut für Hygiene, Epidemiologie und Mikrobiologie des Gesundheitsministeriums; es wird nachgeprüft, ob es international zugelassen ist. Wir essen nichts, was nicht international zugelassen ist und nicht mindestens 20 Jahre geprüfter Sicherheit – einschließlich Studien zu Toxikologie, Ökotoxikologie, Ernährungswissenschaft etc. – vorweisen kann", erklärt er.

"Es sind die gleichen Schritte auf Ebene der Gene, die wir jetzt gehen", sagt er. "Ein genveränderndes Geschehen zielt auf die einzigartige Rekombination von DNA ab, die man in Zellen der Gewebekulturen einfügt, um eine komplette Pflanze hervorzubringen.“

Dies ist ein Thema, in dem sich Daten, Fakten, Notwendigkeiten und Realitäten, Urteile und Behauptungen wissenschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher, ökologischer und medialer Art miteinander vermischen. "Und dies ist sehr komplex", wie Estrada Garcia einräumt.

Da sind einerseits Organisationen wie Greenpeace, die behaupten, dass "keine unabhängige und unparteiische Studie existiert, die die Unschädlichkeit von GVO für die menschliche Gesundheit bestätigt"; dass die Berichte zur Verteidigung von deren Unbedenklichkeit "auf von der Industrie selbst gelieferten Daten und nicht auf unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen", und dass "die biotechnologische Industrie nicht einen einzigen Vorteil transgener Produkte belegen konnte – weder unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch unter Umwelt- oder Gesundheitsaspekten". Außerdem vertreten sie die Auffassung, dass "es sich gezeigt hat, dass sie keine höheren Erträge erbringen", und dass ihre Auswirkungen auf die Umwelt "schwerwiegend sind".

Andererseits haben mehr als 280 technische und wissenschaftliche Einrichtungen weltweit die Sicherheit der genveränderten Kulturen und ihrer daraus erzeugten Produkte bestätigt; unter ihnen die Weltgesundheitsorganisation, die Welternährungsorganisation, die EU-Kommission, die Medizinische Vereinigung der USA, die Amerikanische Gesellschaft für Toxikologie, die Internationale Union für Ernährungswissenschaften sowie Wissenschaftsakademien in Ländern wie den USA, Kanada, Australien, Südafrika, China, Indien, Mexiko, Chile und Brasilien, dazu europäische.

In den letzten Jahren haben fast 110 Nobelpreisträger für Wirtschaft, Chemie, Physik und Medizin als Antwort auf die Versuche von Greenpeace, die Einführung von genverändertem Reis (arroz dorado – Goldener Reis) zu blockieren, einen Brief veröffentlicht. Dieser Reis soll der Reduzierung des Vitamin-A-Mangels bei Bevölkerungen dienen, deren Ernährung fast vollständig auf Getreide basiert.

In diesem Brief (2016) drängen die Nobelpreisträger Greenpeace und seine Anhänger, "die Erfahrung der Landwirte und der Verbraucher aus der ganzen Welt hinsichtlich der dank der Biotechnologie verbesserten Kulturen und Nahrungsmittel zu überprüfen; sie sollen die Ergebnisse der Regulierungsbehörden und der maßgeblichen wissenschaftlichen Einrichtungen anerkennen und ihren Feldzug gegen die genveränderten Kulturen im Allgemeinen und den Goldenen Reis im Besonderen einstellen".

Die Kampagne der 107 Nobelpreisträger fußte auf einer im Jahr 2016 von der Nationalen Akademie für Wissenschaft, Ingenieurwesen und Medizin der USA veröffentlichten Studie. Der 400 Seiten umfassende Bericht enthielt die Zusammenfassung von mehr als 20 Jahren wissenschaftlicher Literatur und Darlegungen von Experten bei Dutzenden von internationalen Kongressen.

Laut dem Bericht "zeigen die Studien, die an Tieren und der chemischen Zusammensetzung der GVO durchgeführt wurden, keine Unterschiede zwischen genveränderten und konventionellen Lebensmitteln, die ein größeres Gesundheitsrisiko als der Konsum konventioneller Lebensmittel implizieren könnten".

Darüber hinaus stellten sie fest, dass, obwohl keine Untersuchungen zu Langzeiteffekten durchgeführt wurden, die verfügbaren Daten (nach zwei Jahrzehnten) "keinen Zusammenhang zwischen GVO und chronischen Krankheiten oder Störungen zeigen".

In ihrem Brief von 2016 erinnerten die Nobelpreisträger daran, dass "es niemals auch nur einen einzigen bestätigten Fall einer negativen gesundheitlichen Auswirkung auf Tiere oder Menschen durch den Konsum (dieser Produkte) gegeben hat. Ihre Auswirkungen auf die Umwelt sind, wie man gesehen hat, weniger schädlich und eine große Hilfe für die Biodiversität".

Mehr als 3.400 Wissenschaftler und 25 Nobelpreisträger unterzeichneten eine weitere Erklärung, in der sie darauf verwiesen, dass "die verantwortungsvolle Veränderung von Pflanzengenen weder etwas Neues noch etwas Gefährliches“ sei. Viele Eigenschaften wie die Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten wurden in landwirtschaftliche Nutzpflanzen eingebracht, sei es durch den Einsatz von Methoden der Fortpflanzung oder mit Zellkulturen, in routinemäßigen Verfahren. Das Hinzufügen eines neuen oder anderen Gens zu einem Organismus mittels Nutzung der Rekombinations-DNA-Techniken erzeuge im Vergleich zur Veränderung von Organismen mittels traditioneller Methoden weder neue noch höhere Risiken.

"Außerdem ist die Sicherheit dieser schon im Verkauf befindlichen Produkte verglichen mit Organismen, die mittels traditioneller Methoden modifiziert wurden, durch die aktuellen Regelungen gewährleistet, deren Ziel und Zweck es ist, die Lebensmittelqualität sicherzustellen. Diese neuen genetischen Werkzeuge bieten mehr Präzision und Flexibilität bei der Veränderung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen."

Und sie präzisierten einen Aspekt, den sowohl Organisationen als auch unabhängige Wissenschaftler hervorgehoben haben: "Es gibt kein Lebensmittelprodukt – sei es unter Verwendung von DNA-Rekombinationstechniken oder unter Anwendung traditionellerer Methoden hergestellt – das ohne jedwedes Risiko wäre."

Die Auseinandersetzung hat nicht aufgehört. Jedoch – so unterstreicht der Direktor für landwirtschaftliche Forschung im CIGB – "auf der Ebene der Wissenschaft gibt es heute keine Kontroverse, da ist sie beendet; sie existiert aber im gesellschaftlichen und im politischen Bereich".

In diesem Szenario ist Kuba – außerhalb der Landkarten der "großen internationalen Lobbys, die insbesondere von den Multis des Lebensmittelsektors gefüttert werden", die das Geschäft mit den transgenen Produkten betreiben, wie Greenpeace hervorhebt – ein Dritte-Welt-Land mit einer sehr negativen Agrarbilanz, was seine Lebensmittelsouveränität beeinträchtigt, das aber gleichzeitig über einen hoch entwickelten Biotechnologie-Sektor verfügt.

Vor wenig mehr als einem Jahrzehnt befand die Zeitschrift Nature in einem Leitartikel, die Insel habe "die am besten aufgestellte biotechnologische Industrie in der Welt der Entwicklungsländer. Sie ist schnell gewachsen, obwohl sie nicht das Finanzierungsmodell mittels Risikokapital beinhaltet, das die reichen Länder als Voraussetzung betrachten."

Einfach und klar gesagt sind in Kuba Notwendigkeit und Wissenschaft aufeinander getroffen. Zwischen den beiden steht eine Politik, die die GVO als eine Alternative in eine regulierte Struktur einbringt und die, basierend auf der nationalen Wissenschaft und in Synergie mit anderen Entwicklungen wie die Bioprodukte und die Agrarökologie, ein verantwortungsvolles Monitoring beinhaltet.

"In Kuba leben 85 Prozent der Bevölkerung in Städten. Von den übrigen 15 Prozent, die auf dem Land leben, produziert der wirtschaftlich aktive Teil, der etwa fünf Prozent der Gesamtzahl ausmacht, um den Rest zu ernähren. Jeder Kubaner, der auf dem Land arbeitet, muss für 20 andere Kubaner produzieren. Die Produktivität muss erhöht und Methoden gesucht werden, um dies zu erreichen."

"Unser Mais (transgene Kreuzung CIGB) ist resistent gegen den Hauptschädling dieser Kultur in Kuba, die Motte, ein Insekt… In diesem Samen wird das Gen aus einem Bakterium verwendet (Bacillus thuringiensis, BT). Dieses Bakterium wird seit mehr als einem Jahrhundert auf der Welt kultiviert und auf Nutzpflanzen angewendet, um sie zu schützen. Seit über einem Jahrhundert gibt es das Wissen, dass dieses Bakterium im Ackerbau sicher ist. Was getan wurde, war, das Gen aus diesem Bakterium zu nehmen und es in das Genom der Pflanze einzufügen."

Von der Agrarbilanz zur Biotechnologie

Während auf globaler Ebene die entwickelten Länder Spitzentechnologien und Investitionen in Forschung und Entwicklung in ihren Landwirtschaftssektor subventionieren und anwenden können, "konnten die Länder der Dritten Welt das nicht, sie haben keine Wirtschaft dafür", sagt Estrada García .

Kuba importiert Nahrungsmittel im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar. "Wenn du analysierst, was wir importieren, summieren sich nur fünf Produkte auf mehr als 1,2 Milliarden: Mais, Soja, Reis, Milch und Fleisch, hauptsächlich Huhn. Und wenn du noch Bohnen dazu rechnest, kommt man fast auf 1,3 Milliarden. Der Weizen ist nicht so teuer, er wächst nicht gut in den Tropen, man muss ihn kaufen, aber die Kosten erreichen nicht diese Größenordnung."

Nach Daten der Nationalen Statistik- und Informationsbehörde belaufen sich die Kosten für den Import von Soja in allen seinen Formen auf mehr als 300 Millionen Dollar jährlich: "Als Getreide, um es in der Fabrik von Santiago de Cuba zu Öl zu verarbeiten und als 'Kuchen' (das Soja-Getreide kann nicht direkt als Tierfutter verwendet werden, man muss das Öl extrahieren, das bearbeitet und danach raffiniert wird). Beim Öl liegt die Tonne über 1.000 Dollar, die Tonne Getreide bei fast 500, und der 'Kuchen' bei etwas weniger."

Die Agrarbilanz ist allgemein ungünstig für die unterentwickelten Länder. Die Wirtschaft Brasiliens und Argentiniens war vor den transgenen Produkten eine andere. Im Jahr 2000 exportierte Brasilien im Wert von zehn Milliarden Dollar und importierte für acht Milliarden. Heute exportiert das Land Produkte für mehr als 70 Milliarden Dollar, wobei Mais und Soja eine Schlüsselposition einnehmen. Argentinien verkauft allein Soja für mehr als acht Milliarden Dollar.

Erst kürzlich erließ das brasilianische Landwirtschaftsministerium eine Verordnung, die den Import von genverändertem Soja aus den USA erleichtert. Brasilien ist der weltgrößte exportierende Sojaproduzent, aber die Ausfuhren zum weltgrößten Importeur, China, sind sprunghaft in die Höhe geschossen und es ist wenig für den Binnen-Konsum übrig geblieben. Diese Situation führte zu einer Preissteigerung bei Futtermitteln für die Tierzucht sowie bei den Fleischverpackungsbetrieben in Brasilien und trug zur Inflation bei den Lebensmittelpreisen bei.

Der Wissenschaftler vom CIGB verweist auf einen unstrittigen Fakt: "Kuba braucht 900.000 Tonnen Trockenmais und 500.000 Tonnen Soja (wenigstens. Dies ist zumindest die Menge, die das Land im besten Jahr kaufen konnte), um Futter herzustellen, damit es Schwein, Huhn, Eier und andere Lebensmittel gibt. Wir werden damit anfangen, Hühner zu mästen; heute wird alles gekauft, aber wir müssen es hier produzieren, wir müssen uns unabhängig machen. Das betrifft auch den Tilapia-Fisch, denn der verbraucht auch Futtermittel. Dieser Mais und dieses Soja dienen also dazu, das notwendige Futter herzustellen."

"Du kannst nicht die gesamte, für die Tierproduktion zur Deckung des menschlichen Ernährungsbedarfs benötigte Proteinmenge auf den Import dieses Getreides stützen. Allein bei Mais und Soja reden wir von über 500 Millionen Dollar jährlich."

"Wenn man den Entwicklungsplan des Ministeriums für Nahrungsmittelindustrie bis 2030 anschaut, sind die Pläne, die es für die Entwicklung von Lebensmitteln mit Soja gibt, beeindruckend. Auf der Welt gibt es Speiseeis, Milch, Joghurt und andere Produkte, die ebenso nahrhaft sind wie die auf Milchbasis hergestellten. Es gibt Wurstwaren mit einem hohen Anteil von Sojaproteinen. Viele der Produkte, die wir importieren, enthalten Soja. Und viele Programme der kubanischen Lebensmittelindustrie basieren auf Soja. Aber werden wir sie weiter mit Importen unterfüttern? Man muss das Soja hier produzieren. Heute gibt es kein Soja-Programm im Land, es wird entwickelt werden."

Ein nationales Projekt, nationales Saatgut

Das Saatgut in der Welt wird von einigen wenigen internationalen Konzernen beherrscht: Dow Chemical und DuPont (US-amerikanisch), Bayer (deutsch), Monsanto (US-amerikanisch, seit 2018 Teil von Bayer), Syngenta ( Schweiz und China)... Sie produzieren sowohl das Saatgut als auch die Chemikalien. In diesem Kreislauf des Geschäfts liegt eine der dunklen Stellen im Bereich der GVO: Genverändertes Saatgut, geschaffen, um den "Generalisten" unter den Herbiziden zu widerstehen, die ihrerseits jedwedes Unkraut vernichten (außer der Pflanze mit dem zum Zweck ihrer Resistenz veränderten Saatgut) und die von denselben Transnationalen verkauft werden. Man weitet die Nutzung in Fläche und Zeit aus und die Unkräuter werden resistent, man muss also (noch) mehr Chemikalien einsetzen.

Die Länder kaufen Patente und Lizenzen, und die multinationalen Konzerne erheben auch noch Lizenzgebühren (royalties) auf den Verkauf von Getreide aus den mit diesem Saatgut erzielten Ernten.

"Mehr als 40 Länder produzieren Transgene. Sie kaufen Lizenzen und produzieren Saatgut bei sich. Aber auf autochthone Art und Weise, mit eigener Technologie, so wie Kuba, tun das nur sehr wenige, darunter Brasilien. Auch Argentinien versucht das zu machen."

In der kubanischen Politik gibt es keinen Import von Transgenen.

"Erstens verfügen wir dank der Entwicklung in der Biotechnologie in Kuba über wissenschaftliche Institutionen, die in der Lage sind, diese Fortschritte zu erzielen. Zweitens machen wir das mit kubanischen Sorten: gentechnisch verändert wird eine kubanische Maissorte. Es sind keine Sorten, die aus den USA, Brasilien oder Argentinien kamen; es handelt sich um von der Biotechnologie in Kuba modifizierte kubanische Sorten. Somit verfügen wir vollumfänglich über das Eigentum an diesem Saatgut. Und es gibt hier keine ausländischen Patente."

Beim Mais kommt auf der Insel ein doppelt genverändertes Saatgut (das transgene Hybrid CIBT) zur Anwendung. "Bei Soja haben wir einige genveränderte Sorten, die in anderen Forschungszentren wie dem Nationalen Institut für Agrarwissenschaften und dem Forschungsinstitut für Landwirtschaftsgetreide entwickelt wurden."

"Wir haben ein Patent auf ein genverändertes Saatgut von kubanischem Soja. Wir haben ein Sojasaatgut geschaffen, das resistent gegen Pilze ist, einen der Krankheitserreger, die diese Kultur im Weltmaßstab am meisten schädigt, wie der 'asiatische Rost', der die Pflanzungen innerhalb von Wochen vernichtet.

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Und wir haben ein anderes genverändertes Soja, das sich in der Studienphase, aber nicht in der Produktion befindet, mit einer sehr hohen Resistenz gegen Pilze, es kann für die Produktion in Kuba sehr nützlich sein. Mit Blick auf die Zukunft, gab es bereits Interesse seitens verschiedener Länder, das kubanische Saatgut zu erwerben."

"Wir müssen in der Lage sein, die Nahrung zu produzieren, die wir brauchen. Und wir können das. Die Leute vom Land wissen, wie, sie wollen produzieren... Man muss die Technologie dazu bereitstellen, man muss die Umwelt schützen. Die Technologie kennt keine Ideologie, man muss sie zum Wohle des Volkes nutzen."

Transgene und Bioprodukte

Der Direktor für landwirtschaftliche Forschung im CIGB in Havanna fügt hinzu, dass die kubanischen Forscher mit Blick auf die Zukunft daran arbeiten, genverändertes Zuckerrohr zu erzeugen; und es gibt auch Pläne für Bohnen, was für die Ernährung der Kubaner lebenswichtig ist.

"Die Tonne Bohnen liegt auf internationalem Niveau bei über 1.000 Dollar, teurer als Mais und Soja. Deshalb bemüht sich das Land, mehr als 50.000 Hektar mit Bohnen zu bestellen und die Importe zu verringern. Die Bohnenpflanze ist gut, denn genauso wie Soja hält sie den Stickstoff im Boden; aber die Produktivität ist gering. Und einer der Faktoren, der die Produktivität der Bohne beeinflusst, ist das Unkraut – so wie beim Soja auch."

"Wenn du 50.000 Hektar bestellst, musst du mit Maschinen ernten; es ist weder möglich noch rentabel, das per Hand zu machen. Wenn das Unkraut aber so hoch wächst wie die Bohnen- oder Sojapflanze, verliert man die Hälfte der Ernte."

"Das Unkraut unter Kontrolle zu halten, ist sehr wichtig. Auf der Welt werden verschiedene Mittel angewandt, einschließlich Glyphosat, das seit Jahren im Zentrum der Kontroverse steht, obwohl es in der EU zugelassen ist und in den USA, in Lateinamerika auch…Ständig ist es Gegenstand der Kontroverse. Wenn wir eine Alternative hätten, wäre das sehr gut."

"Es gibt Bioprodukte, die eine bestimmte Art von Unkraut in Schach halten können. Es gibt chemische Breitband-Herbizide und andere, die selektiver sind. Die Bioprodukte, die bestimmte Arten von Unkraut unter Kontrolle bringen, werden entwickelt. Es gibt einige Tests in Kuba, das auf dem Gebiet führend ist. Diese Bereiche – Bioprodukte, Agrarökologie und genetische Transformation – zusammenzuführen, wird hier zu guten Ergebnissen führen."

Auf internationaler Ebene gibt es Experten und Institutionen, die meinen, dass die Transgene auch dazu beitragen könnten, die Landwirtschaft ökologischer zu machen. Das – so präzisiert Estrada García – "ist in Kuba möglich".

"Ebenso wie wir in Kuba bei der Aussaat von Transgenen Zuwächse verzeichnen werden, nutzen wir Bioprodukte. Wir experimentieren mit Bioprodukten, die bestimmte Arten von Chemikalien ersetzen, die heute in der konventionellen Landwirtschaft genutzt werden, um den Gebrauch letzterer zu reduzieren und eine kubanische Paketlösung ohne Insektizide zu konfigurieren, denn die Transgene, die wir entwickeln, sind resistent gegen schädliche Insekten. Und bei den Nahrungsmittelpflanzen soll der Einsatz von Chemikalien durch die Substitution mit Bioprodukten – etwa Bakterien, die den Stickstoff im Boden binden oder Phosphor im Boden bilden – um bis zu 25 Prozent gesenkt werden."

"Die transnationalen Konzerne produzieren sowohl das Saatgut als auch die Chemikalien, das ist ihr Geschäft; sie sind nicht daran interessiert, den Gebrauch von Chemikalien zu verringern. Wir wollen ein nationales Transgen verwenden, unabhängig und mit Einsatz von weniger Chemie; dabei ist uns die Erfahrung, die wir bei der Entwicklung von Bioprodukten haben, sehr nützlich. Wir können ein wichtiger Standort für technologische Paketlösungen mit Transgenen sein, die den Einsatz von Chemikalien deutlich verringern", wie der Wissenschaftler hervorhebt.

Was mit Transgenen passiert ist, die modifiziert wurden, um resistent gegen die Chemikalien zu werden, ist, wie er hinzufügt, folgendes: Man setzt Chemie ein, die die invasiven Arten zu 100 Prozent vernichtet. "Und durch die Ausbringung von immer mehr und mehr Chemikalien erzeugt man einen 'Selektionsdruck', damit eine gegen die Chemikalie resistente Spezies herauskommt. Und in zwei oder drei Jahren gibt es dann schon resistente Insekten. Also muss man eine stärkere Chemikalie suchen. Dasselbe passiert mit dem Unkraut. Oder mit den Zecken bei den Tieren. Es ist ein Wettlauf, der dazu zwingt, nach immer giftigeren Chemikalien zu suchen."

Die von der kubanischen Wissenschaft entwickelte Technologie "ist kompatibel mit der Agrarökologie und kann zu einer sehr günstigen Symbiose führen, um eine Landwirtschaft mit weniger Chemikalien und höherer Produktivität zu entwickeln und Kuba zu einem auf diesem Gebiet führenden Land zu machen. Was passiert bei den transnationalen Konzernen? Es ist weder ihr Boden noch ihr Problem. Nicht die Menschen und die Umwelt sind ihre Priorität, sondern der Gewinn".

"Die ökologische Landwirtschaft besteht nicht darin, keine Chemikalien zu benutzen, sondern die Sache so handzuhaben, dass durch die Anwendung der geringstmöglichen Menge an Chemikalien und der größtmöglichen Menge an Bioprodukten Schäden für die Umwelt und für die Gesundheit vermieden werden, um die Produktivität biologischer zu machen. Das impliziert auch eine schonende, bewahrende Landwirtschaft, Fruchtfolgen ... Beispielsweise ist Soja sehr gut, denn es nimmt den Stickstoff aus der Luft und bindet ihn im Boden, ebenso wie die Bohne. Das Zuckerrohr, der Reis, die Tomate ziehen den Stickstoff aus dem Boden. Mit der richtigen Fruchtfolge wird der Boden geschützt. Zudem wird dem Boden ein Teil der Nährstoffe, die er benötigt, zugeführt. Einige davon können Chemikalien sein."

"Es gibt keinen Konflikt zwischen der ökologischen Landwirtschaft und den Transgenen. Wir sind für eine Agrarökologie, die die Optimierung der Betriebsmittel beinhaltet, um nur die niedrigstmögliche Menge an solchen Chemikalien einzusetzen, die die Umwelt, die Menschen und die Tiere beeinträchtigen könnten. Die Transgene können in der ökologischen Landwirtschaft helfen, um mit umweltfreundlicheren Methoden mehr zu produzieren."

"Die Spezialperiode hat uns dazu gebracht, führend im Gebrauch und bei der Entwicklung von Bioprodukten, von Produkten biologischen Ursprungs für die Landwirtschaft zu werden. Und jetzt haben wir die Möglichkeit. Es ist bewiesen, dass man mit Transgenen mit weniger Chemikalien auskommt, zum Beispiel beim Mais."

In Kuba fertigt man – entsprechend der internationalen Praxis – für jede Aussaat einer genveränderten Kultur ein Dossier an. "Es beinhaltet die Fläche, die bestellt wird, wie sie bestellt wird, und eine Genehmigung des Nationalen Zentrums für Biologische Sicherheit. Und bei jeder Aussaat werden zehn Prozent einer nicht genveränderten Sorte eingefügt; auf diese Weise hat die Motte einen Ort zur Eiablage und um sich zu ernähren; und das schützt das Verfahren, denn die Motte wird nicht resistent gegen das Transgen."

Um den Mais zu kontrollieren, damit die Ernte nicht verlorengeht – und manchmal kann die Motte sie ruinieren –, "setzt man in Kuba Insektizide ein, Chemikalien, sofern das Geld da ist, sie zu bekommen. Mit dem Einsatz dieses genveränderten Saatgutes (das transgenetische Hybrid CIGB) wird man die Chemie vollständig los, um die Plage zu neutralisieren. Der Schutz steckt in der Pflanze selbst. Wenn du das Unkraut unter Kontrolle hast, erreichst du eine höhere Produktivität, aber Herbizide kannst du einsetzen oder nicht. Und man kann biologische Herbizide anwenden."

Was die Kreuzung oder den Gentransfer betrifft, so geschieht dies bei Pflanzen der gleichen Art. Der Wissenschaftler vom CIGB erklärt am Beispiel des Sojas: "Die Pflanze ist selbstbefruchtend, es ist äußerst schwierig, dass eine Pflanze eine andere befruchtet. Der Mais ist ein Zwitter, er hat zwei Blüten: Die männliche oben, die den Pollen hat, und die weibliche darunter, aus der der Maiskolben kommt.

Es ist alles eine Frage der Handhabung. Wenn du Mais als Saatgut nahe einem Transgen anbaust, kann der sich bestäuben. Aber auch in der konventionellen Landwirtschaft, in der nicht-genveränderten Saatgutproduktion, setzt du nicht eine Aussaat neben der anderen an, denn es kann zu einer Kreuzung kommen und das Saatgut ist verloren. Das passiert bei jeder Art von Mais. Du musst beim Säen sicherstellen, dass es in einem bestimmten Radius keinen anderen Mais gibt, denn es kann sonst zu Kreuzungen kommen."

Es gibt Studien zur Biodiversität, die ein erhöhtes Vorkommen von Insekten festgestellt haben. "Die Fauna ist reichhaltiger in Böden mit genveränderten Kulturen als in Böden mit nicht-genveränderten Kulturen: erstens, weil man weniger Chemikalien benutzt und zweitens, weil die Pflanzen gesünder sind."

"Der genveränderte Mais könnte eventuell Allergien auslösen, aber man weiß von keinem Fall. Die Weltgesundheitsorganisation meint sogar, dass man die Technologie der GVO einsetzen könnte, um die Allergien auslösende Wirkung einiger Lebensmittel zu verringern.

Unsere Technologie, die international zum Einsatz kommt, ist biologisch. In einer genveränderten Kultur säst du etwa zehn Prozent nicht-genverändertes Saatgut (sogenanntes Refugium der Zieltiere) und die Motte geht dorthin. Es kann kaum eine Resistenz gegen das Transgen entstehen, denn die Motte geht auf diese zehn Prozent nicht genverändertes Saatgut, und es gibt keinen Selektionsdruck, der zur Resistenz führt. Das schützt die Kultur selbst, verhindert Resistenzen und gleichzeitig wird die Artenvielfalt geschützt."

Landwirtschaftliche Nutzfläche und Technologie. Ist der Ertrag höher?

Die durchschnittliche Produktion von Mais lag in den letzten Jahren bei einer halben Tonne pro Hektar. Um die 900.000 Tonnen zu produzieren, die das Land braucht, müsste man – unter Zugrundelegung der Produktivität vom 2018 und 2019 – fast zwei Millionen Hektar dafür bereitstellen. "Das ist nicht möglich", betont der Wissenschaftler vom CIGB.

"Gerade haben wir 550 Hektar mit transgenem Hybridmais CIGB geerntet und einen Durchschnittsertrag von fünf Tonnen pro Hektar erreicht. Die Produktivität ist um das Zehnfache gestiegen. Wenn wir Importe vermeiden oder merklich reduzieren wollen, könnten wir mit der Bestellung auf 200.000 Hektar das produzieren, was wir brauchen. Die benötigte Fläche würde sich um das Zehnfache verringern. Und wir schaffen fünf Tonnen pro Hektar mit einigen Lücken, denn wir brauchen noch Betriebsmittel, die rechtzeitig ankommen, eine entsprechende Managementkultur und andere Faktoren."

Estrada Garcia weist darauf hin, dass man "in Kuba weiß, wie Mais angebaut wird, und das wird seit vielen Jahren gemacht, um zarten Mais zu gewinnen, nicht den trockenen für das Tierfutter. Wie wird gesät? Per Hand, nicht mechanisiert, und im Schrittmaß, das gibt im Schnitt drei Körner auf den laufenden Meter, mit 90 Zentimeter Abstand zwischen den Furchen. Das Ergebnis sind 30.000 Pflanzen pro Hektar.

Auf internationaler Ebene ist heute bekannt, dass eine Aussaat von weniger als 60.000 Pflanzen pro Hektar Verschwendung von Material, Boden und Wasser ist. Mit den gleichen Rohstoffen, Wasser und Boden, mit denen du 30.000 säst, kannst du auch 60.000 säen und eine höhere Produktivität erreichen. Aber das passiert in Kuba nicht. Du musst mit Maschinen säen, die fünf oder sechs Körner pro laufenden Meter ausbringen, mit 70 statt mit 90 Zentimeter Furchenabstand; den Anbau der Kultur intensiver machen, und mit dem gleichen Wasser, den gleichen Betriebsmitteln, mit der gleichen Zahl von Menschen steigerst du die Produktivität um das Zehnfache."

"In einer solchen Landwirtschaft, wo du Tausende von Hektar bestellst, kannst du die Unkrautbekämpfung nicht per Hand erledigen. Es ist schwieriger, das Unkraut zu kontrollieren. Im Falle vom Mais benutzt du Glufosinat-Ammonium, wenn die Pflanze klein ist und hältst so das Unkraut unter Kontrolle; wenn der Mais wächst und sich öffnet, kommt die Sonne nicht bis nach unten, es gibt sehr wenig Unkraut. Wenn die Erntemaschine kommt, ist da nur noch Mais."

Die 550 Hektar mit einem Ertrag von fünf Tonnen pro Hektar, die 2020 geerntet wurden, wurden in den Provinzen Ciego de Àvila, Sancti Spíritus, Matanzas und Villa Clara angebaut.

Der Funktionär vom CIGB erklärt noch, dass diese 550 Hektar mit Saatgut bestellt wurden, das auf 15 Hektar in Yaguajay, Sancti Spíritus, geerntet worden war.

Jetzt wird das Projekt aufgestockt.

"Wir säen gerade in diesen vier Provinzen und zusätzlich in Cienfuegos auf 170 Hektar für die Produktion von Saatgut des transgenen Hybrid-Mais, der dann im Februar – März 2021 zur Verfügung stünde. Wir haben die Produktion von Saatgut mehr als verzehnfacht. Das wird es uns erlauben, im Frühjahr 2021 8.500 Hektar zu bestellen. Bei einem Ertrag zwischen fünf und fünfeinhalb Tonnen pro Hektar würden wir bei der Sommerernte zwischen 40.000 und 50.000 Tonnen einbringen."

Im Jahr 2019 wurden in Kuba mehr als 140.000 Hektar mit verschiedenen Maissorten bestellt und 70.000 Tonnen (das sind durchschnittlich 0,5 Tonnen pro Hektar) geerntet. Jetzt, mit dem genveränderten Mais, "haben wir das Potenzial, fast 50.000 Tonnen auf einer viel kleineren Fläche, auf 8.500 Hektar, zu produzieren", hebt Estrada García hervor.

"Wenn du produktive Saatgut-Pools schaffst, dienen diese 140.000 zur Produktion für die menschliche Ernährung, und du schaffst Saatgut-Pools mit hoher Produktivität für Tierfutter. Beides steht nicht in Konkurrenz zueinander."

"Du kannst den Anbau konzentrieren, und schrittweise wird auch mehr Boden für die ökologische Landwirtschaft zur Verfügung stehen; mit Studien zur Beschaffenheit der Böden, mit Fruchtfolgen, mit einem nachhaltigen Management, ohne die Umwelt zu vergiften und indem man dem Boden nur das zuführt, was er braucht und nicht mehr, einschließlich organischer Ernteabfälle.

Die Verschlechterung der Bodenqualität ist weltweit ein Problem, und es kommen weitere Probleme hinzu, wie die Auswirkungen des Klimawandels. In Kuba verfügen wir nur über 38 Prozent an kultivierbaren Böden".

"Was wollen wir tun? Das erste Ziel wäre, auf 1.000 Hektar Mais-Saatgut (den transgenen Hybrid-Mais CGB ) anzubauen. Das würde dann die Bestellung von 50.000 Hektar mit diesem Mais erlauben. Mit einem voraussichtlichen durchschnittlichen Ertrag von fünf Tonnen pro Hektar, wäre das ein Beitrag von 250.000 Tonnen. Das hätte eine ungeheure Auswirkung auf die Wirtschaft des Landes", fügt er hinzu und präzisiert, dass "wir aus einer Notwendigkeit heraus versuchen, die Produktion auf trockenen Mais als Tierfutter auszurichten".

Zu den kubanischen Plänen gehört auch, ein Unternehmen für die Saatgutproduktion aufzubauen. "In anderen Ländern, wie Mexiko, Argentinien oder Brasilien produzieren etwa sieben Prozent der landwirtschaftlichen Unternehmen Saatgut, die Grundlage der Landwirtschaft. Es geht darum, zertifiziertes Saatgut hoher Qualität zu produzieren, und dies in geeigneter Verpackung für die in den Tropen lebenswichtige Haltbarkeit und Konservierung des Saatgutes, mit hoher Keimfähigkeit und angereichert mit Substanzen gegen Mikroben."

"Wir wollen zusammen mit der Landwirtschaft und den verschiedenen Produktionsformen ein Hochtechnologie-Unternehmen auf den Weg bringen, um hochwertiges biotechnologisches Saatgut zu produzieren, das einen positiven Effekt für die kubanische Landwirtschaft hat. Man könnte damit anfangen, Saatgut für Mais und Soja zu produzieren, später für Bohnen und anderes. Ich glaube, dass ein solches Unternehmen in dem neuen ökonomischen Kontext eine positive Wirkung haben kann."

"Heute gibt es in Kuba in jeder Provinz ein Saatgut-Unternehmen, aber es produziert kein Saatgut, sondern schließt dafür Verträge mit den Produzenten ab. Dann sind da noch die Zertifizierungen und die Qualitätsabstufungen. In der Welt erweist sich dies als komplex, denn da gibt es diejenigen, die die Herren über das Saatgut sind; wenn du das nicht kaufst, wirst du keine hohe Produktivität erreichen."

"Es ist nicht so, dass du einfach gesät und geerntet hast. Was auf dem Land abläuft ist, dass der Bauer sät, die schönsten Körner sammelt und sagt, die bewahre ich als Saatgut für das nächste Jahr auf. Nein, bei diesem Verfahren muss man das Hybrid für eine hohe Produktivität erzeugen. Deshalb schlagen wir vor, ein auf Saatgut spezialisiertes Unternehmen aufzubauen."

Estrada García erklärt, dass es darum geht "uns unabhängig zu machen, Saatgut nicht mehr importieren zu müssen und die Produktionszyklen in Kuba schließen zu können. Das ist die Idee.

Zum Beispiel entstehen in der Sonderentwicklungszone von Mariel mehrere ausländische Unternehmen für die Produktion von Schweine- und Geflügelfutter. Sie wären ein Initial-Markt für dieses Soja und diesen Mais. Wir würden anfangen, den Kreis zu schließen und erreichen, dass diese Produktion sich selbst trägt und so der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelproduktion und der Wirtschaft des Landes zugute kommt."

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