Kuba / Soziales

Kubanische Ärzte in Deutschland

24 Ärzte aus Kuba halfen 1945 bei der Rehabilitation von Opfern des Zweiten Weltkrieges und der Repression in Deutschland. Einer von ihnen war René Vallejo Ortiz

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Die Ärzte René Vallejo (links) und  Manuel Piti Fajardo im Hospital in Pozo Azul, Sierra Maestra
Die Ärzte René Vallejo (links) und Manuel Piti Fajardo im Hospital in Pozo Azul, Sierra Maestra

Kubanische Ärzte waren schon vor 70 Jahren in anderen Ländern im solidarischen Einsatz - nach dem Sieg über den Faschismus in Deutschland bei der Rehabilitation von Opfern des Krieges und der Repressionen. Einer der 24 Mediziner war René Vallejo Ortiz, geboren 1920 in der Stadt Manzanillo im Osten der Karibikinsel. Am 3. Mai 1945 beendete er erfolgreich sein Medizinstudium in Havanna und reiste im September über Frankreich nach dem bayrischen Tirschenreuth in der amerikanischen Besatzungszone. Dort richtete er  im "Team 168" zusammen mit dem Roten Kreuz in einem Hotel ein Krankenhaus mit 181 Betten, Operationssaal und Fachabteilungen für Gynäkologie und Orthopädie ein und arbeitete dort für ein Jahr als Chefarzt.

In dieser Zeit betreute und heilte er Tausende Kriegsflüchtlinge verschiedener Länder, aber vor allem aus Konzentrationslagern befreite Häftlinge. Seine Patienten litten vorrangig an Unterernährung und schwer heilbaren Wunden und Verletzungen. Seine Sprachkenntnisse waren Doktor Vallejo sehr nützlich bei seinen zahlreichen Operationen und Konsultationen. Er beherrschte Englisch und Französisch, erlernte Deutsch und verstand gut Russisch und Polnisch. Energisch bemühte er sich bei der USA-Besatzung in Bayern um Arznei, medizinische Ausrüstung sowie Kleidung für die Patienten. Er sorgte auch dafür, dass eine kleine Kinderstation mit fünf Betten in Betrieb genommen werden konnte.

Die nächste Station seines Wirkens war die südbayerische Stadt Wildflecken, wo er auf dem ehemaligen Gelände der Gestapo ein weiteres Krankenhaus, vor allem für ehemalige KZ-Häftlinge und Tuberkulosekranke, organisierte. Dort arbeitete er in der Chirurgie, Gynäkologie, Innenmedizin und heilte Patienten mit Unterernährung.

1947 reiste Dr. René Vallejo Ortiz nach einem kurzen Frankreichaufenthalt nach Berlin, wo er an der Charite den berühmten Spezialisten für Lungenerkrankungen Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch kennenlernte und ihm bei zwei Operationen assistierte.

Nachdem er 1948 zwei lukrative Angebote für eine Tätigkeit in den USA abgelehnt hatte, kehrte er in seine Heimatstadt Manzanillo zurück. Seine Eindrücke und Erfahrungen im Nachkriegsdeutschland, die Kontakte zu Opfern des Faschismus hatten aus ihm einen progressiv und zutiefst human denkenden Menschen gemacht.

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René Vallejo war unter finanziell guten Bedingungen aufgewachsen. Sein Vater Antonio war Besitzer einer Kaffeerösterei. So konnte er das Medizinstudium seines Sohnes bezahlen, das immer wieder durch die Studentenstreiks in den 30-er und 40-er Jahren unterbrochen wurde. Er schickte ihn auch in die USA, um die englische Sprache zu erlernen. Als René wegen des Todes seiner Mutter Carmen Ortiz in die Heimat zurückkehrte, war die Rösterei seines Vaters in den Ruin gegangen. Als Milchverkäufer sowie als Dolmetscher für den Manzanilloer Ortsrundfunksender, wo er unter anderem die Übertragungen der Weltmeisterschaften im Baseball live aus dem Englischen ins Spanische  übersetzte, unterstützte er seine Familie finanziell.

Nach seiner Rückkehr aus Europa wieder in Kuba, wurde der Arzt 1948 Chef des Krankenhauses von Caymar und half dort vor allem mittellosen, armen Kranken. Da er die politischen und sozialen Verhältnisse in dieser Epoche auf der Insel scharf kritisierte, wurde er bald aus dem Krankenhaus entlassen. Daraufhin entschied er sich, an der als human und sozial geltenden Privatklinik "La Caridad" (Die Barmherzige) in seiner Heimatstadt Manzanillo zu arbeiten.

Celia Sanchez Manduley, eine der führenden Revolutionärinnen an der Seite von Fidel Castro, vereinbarte mit Rene Vallejo, diese Klinik zu einer konspirativen Anlaufstelle und Serviceeinrichtung der Rebellenarmee zu machen. Batista-Soldaten besetzten das Haus und verhafteten den Arzt. Nach vielen Protesten aus der Bevölkerung musste er wieder entlassen werden und schloss sich am 27. März 1958 der Rebellenarmee an. Mit der Waffe in der Hand beteiligte er sich an zahlreichen Kämpfen und errichtete und leitete  im befreiten Dorf Pozo Azul das Hospital "26. Juli" für verletzte Rebellen und für die Bewohner ringsum, baute mit Schulen und Arztstützpunkte auf und reparierte mit Straßen und Wege.

Nach dem Sieg der Revolution widmete René Vallejo Ortiz seine ganze Kraft dem Aufbau eines sozialen Gesundheitswesens für das Volk Kubas. Darüber hinaus wurde er 1959 der Leiter der Agrarreform im Gebiet von Manzanillo und danach der Vertreter im Nationalen Institut für die Agrarreform (INRA) für die Großprovinz Oriente. Dabei arbeitete er häufig direkt und persönlich mit Präsident Fidel Castro zusammen.

Am 13. August  1969 verstarb der hervorragende Mediziner und Revolutionär erst 49-jährig an einer schweren Gehirnblutung. "Immer stand er treu zur Revolution, nie verlor er das Vertrauen in die Kraft des kubanischen Volkes, um zu kämpfen, zu arbeiten und zu siegen auf allen ihm anvertrauten Gebieten", ehrte ihn damals Fidel Castro in einer Ansprache.

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