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08.06.2016 International / USA / Kultur

Muhammad Ali

Eine Hommage von Eduardo Galeano (1940 – 2015), Poet und Aktivist aus Uruguay
Wandbild des Künstlers Brolga in Alis Geburtsort Louisville, Kentucky

Wandbild des Künstlers Brolga in Alis Geburtsort Louisville, Kentucky

Quelle: Brolga

Muhammad Ali

Sie nannten ihn Cassius Clay: er wählte den Namen Muhammad Ali.

Sie machten ihm zum Christen: er wählte den Glauben des Islam.

Sie zwangen ihn, sich zu verteidigen: er schlug zu wie sonst keiner, wild und schnell, zertrümmernde Feder, unzerstörbarer Weltmeister.

Sie sagten ihm, dass ein guter Boxer den Streit im Ring austrägt: er sagte, der wahre Ring ist der, in dem ein siegreicher Schwarzer für die besiegten Schwarzen kämpft, für die, die Küchenabfälle essen.

Sie rieten ihm zur Diskretion: seitdem brüllte er. Sie hörten sein Telefon ab: seitdem brüllte er auch am Telefon.

Sie steckten ihn in eine Uniform, um ihn in den Krieg nach Vietnam zu schicken: er zog die Uniform aus und brüllte, dass er nicht geht, weil er nichts gegen die Vietnamesen hat, weil sie ihm nichts Schlechtes getan haben und auch sonst keinem schwarzen Nordamerikaner.

Sie nahmen ihm den Weltmeistertitel, verboten ihm zu boxen, verurteilten ihn zu Gefängnis und Geldstrafe: brüllend bedankte er sich für diese Lobreisungen seiner menschlichen Würde.

(Aus: Memoria del Fuego III: El Siglo del Viento)

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