Bolivien: Polizei löst Protest von Indigenen auf

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Protest der Gegner des Straßenbaus
Protest der Gegner des Straßenbaus

La Paz. In Bolivien hat der Konflikt um den Bau einer umstrittenen Durchgangsstraße durch das Schutzgebiet Indigenes Territorium Nationalpark Isiboro Sécure (TIPNIS) einen neuen Höhepunkt erreicht.  Polizisten lösten am späten Sonntagnachmittag einen Protestmarsch gegen das umstrittene Straßenbauprojekt auf. In einer halbstündigen Überraschungsaktion drangen rund 500 Uniformierte in ein provisorisches Zeltlager der Straßenbaugegner ein, das sich nur wenige Meter von einer Polizeisperre in der Ortschaft Chaparina befand. Mit Tränengas und Schlagstöcken bewaffnet zwangen sie die TIPNIS-Demonstranten in bereitstehende Reisebusse zu steigen und in das nahegelegene San Borge zu fahren. Vor dort aus sollen sie in ihre Heimatdörfer zurückkehren.

Unter Frauen und Kindern sei sofort Panik ausgebrochen, berichteten Augenzeugen. Eine unbekannte Personenzahl sei in den Wald geflohen, darunter Alejandro Almaraz, Ex-Minister für Landfragen sowie die Protestmarsch-Organisatoren Adolfo Chávez vom Indigenen-Verband CIDOB und Rafael Quispe vom Indigenenbund CONAMAQ.  In einem Telefon-Gespräch mit dem katholischen Radiosender ERBOL verurteilte der Ex-MAS-Politiker Almaraz die "Brutalität der Morales-Regierung". Dennoch werde "der 8. Große Indigene Marsch nicht aufhören", im Wald werde man sich sammeln und weiter in Richtung Regierungssitz La Paz laufen. Der sofort am Abend von regierungskritischen Medien vermeldete Tod eines zwei Monate alten Säuglings konnte bisher nicht bestätigt werden. Auch die Zahl möglicher Verhaftungen ist noch unklar.

Indes kündigte Präsident Evo Morales eine Volksbefragung über das Straßenbauvorhaben an. So solle der Konflikt nachhaltig gelöst werden.

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