Gericht lässt Terrorvorwürfe gegen zwei Mapuche fallen

Temuco. Die Terrorvorwürfe gegen die beiden Aktivisten Mauricio Huaiquilao Huaiquilao und Luis Tralcal Quidel wurde vergangene Woche von einem Gericht in Temuco im Süden Chiles fallengelassen. Die beiden standen unter anderem wegen Brandstiftung, illegalem Waffenbesitz und terroristischer Brandanschläge unter Anklage. Die Straftaten sollen sie zwischen 2005 und 2009 begangen haben. Beide verbrachten mehr als ein Jahr im Gefängnis, wobei sie nie aufgehört hatten, ihre Unschuld zu beteuern.

Die Richter des Zweiten Gerichtssaals Temuco, Jorge González, Erasmo Sepúlveda und Vladimiro Santan, beschlossen in der Hauptverhandlung, die Tatvorwürfe gegen die beiden wegen zahlreicher terroristischer Straftaten angeklagten Mapuche fallen zu lassen. Das Gericht habe sich dagegen entschieden, das Antiterrorgesetz auf die beiden Angeklagten anzuwenden, weil die Beweislage nicht ausreiche, berichtet Radio Cooperativa auf seiner Internetseite.

Die Entscheidung des Gerichts kommentierte Huaiquilao mit den Worten, damit habe „das Affentheater hoffentlich ein Ende“, räumte aber gleichzeitig ein, er habe „Angst, dass ein neues Konstrukt zusammengebastelt wird, um die Verurteilung doch noch durchzudrücken“. Die Staatsanwaltschaft erklärte ihrerseits, sie werde den Gerichtsentscheid genau prüfen, bevor die Tatvorwürfe endgültig fallengelassen würden.

Mauricio Huaiquilao war beschuldigt worden, in den frühen Morgenstunden des 11. Februar 2005 in Llancamil, Lautaro, einen Bauernhof mitsamt den Landmaschinen in Brand gesteckt zu haben. Außerdem sollte er am 16. August 2008 den Bauern Eduardo Luchsinger und seine Frau mit Waffengewalt von ihrem Hof vertrieben sowie diesen mitsamt Schuppen, Landmaschinen und Fahrzeugen niedergebrannt haben.

Luis Tralcal sollte sich wegen illegalem Besitz von Gewehrmunition vor Gericht verantworten. Ferner hieß es, die Polizei habe im Januar 2009 bei einer Hausdurchsuchung 5,65 Meter Zündschnur in seinem Haus in Padre Las Casas gefunden.

Außerdem warf man den beiden vor, sich in Lleupeco-Tres Cerros gewaltsam Zutritt zu einer Versammlung verschafft zu haben, an der auch der Mitarbeiter der Indígena-Organisation CONADI, Daniel Neculpán Lincuante, teilgenommen hatte. Diesen sollten die beiden mit einer Reihe von Forderungen bedrängt und bei der Gelegenheit auch Drohungen gegenüber der Familie Luchsinger ausgesprochen haben. Wie die Initiative Observatorio Ciudadano in ihrer Internetpräsenz dokumentiert, hatte die Staatsanwaltschaft die beiden Männer mit zahlreichen weiteren Verbrechen in Zusammenhang gebracht die bis zum 16. April 2002 zurückgehen. Darunter auch ein Angriff gegen einen Bus des Unternehmens Turbus im Bypass Temuco, vom 28. Juli 2009.

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