Opfer der Stroessner-Diktatur protestieren in Paraguay

Asunción. Anlässlich der Rückführung der sterblichen Überreste des ehemaligen paraguayischen Diktators Alfredo Stroessner zu seinem 100. Geburtstag am 3. November ist es in der Hauptstadt Asunción zu vielfältigen Protesten gekommen. Dazu aufgerufen hatten verschiedene soziale Organisationen, unter ihnen die Nationale Bewegung der Opfer der Diktatur, die Menschenrechtsgruppe Codehypy, der kommunistische Jugendverband Paraguays.

Wie die Organisatoren betonten, richteten sich die Proteste nicht gegen die eigentliche Rückführung der Überreste, da dies ein allgemeines Recht in Paraguay sei, sondern gegen die Gefahr der Rückkehr des Staatsterrorismus.

Am vergangenen Freitag versammelten sich cirka 700 Opfer der Stroessner-Diktatur an dem Ort, an dem menschliche Überreste aus den Jahren seiner Herrschaft gefunden wurden, die noch nicht identifiziert sind. Mehrere Teilnehmer der Proteste äußerten ihre Trauer und Empörung darüber, dass viele Unterstützer des Diktators trotz dokumentierter Beweise auch heute noch straffrei sind und teils hohe politische Ämter bekleiden. Im Anschluss an die Kundgebung zogen die Menschen durch die Innenstadt bis zum Heldenpantheon. Dort veranstalteten sie Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte, die die Repression während der Diktatur anprangerten. Die Veranstaltungen wurden am darauffolgenden Sonnabend fortgeführt.

Der deutschstämmige Diktator Alfredo Stroessner regierte Paraguay von 1954-1989. Nach seinem Sturz floh er nach Brasilien, wo er 2006 verstarb. Die von der Wahrheitskommission veröffentlichten Zahlen offenbaren ein blutiges Regime: Von den 19.862 verhafteten Menschen, unter ihnen 236 Jugendliche, wurden 18.772 gefoltert. Während der Operation Condor verschwanden 126 Paragayer, 459 wurden entführt und außergerichtlich exekutiert. Außerdem veruntreute Stroessner während seiner Amtszeit fast acht Millionen Hektar Staatsland, das er an Getreue verschenkte.

Diese Tatsache stellte für den 2008 demokratisch gewählten Präsidenten Fernando Lugo das größte Hindernis bei der geplanten Landreform dar. Lugo wurde am 22. Juni mittels eines parlamentarischen Staatsstreiches seines Amtes enthoben. Einer der Hauptinitiatoren des Putsches waren die Colorados, die Partei des Diktators Stroessner.

Die Kommission für Wahrheit und Gerechtigkeit war erst im Januar 2009 per Gesetz von Fernando Lugo eingesetzt worden.

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