Brasilien / Politik

Kandidaten gehen in die zweite Runde

Dilma Rousseff und José Serra gehen in Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien. Starkes Votum in Rio gegen Mafiamilizen

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Muss in die zweite Runde: Dilma Rousseff
Muss in die zweite Runde: Dilma Rousseff

Rio de Janeiro. Nach Auszählung von 99,99 Prozent der abgegebenen Stimmen nach der Präsidentschaftswahl in Brasilien an diesem Sonntag entfielen 46,9 Prozent auf die Kandidatin der aktuell regierenden Arbeiterpartei (PT), Dilma Rousseff. Damit hat Rousseff die absolute Mehrheit um 3,1 Prozentpunkte verfehlt. Während 18 Prozent der Wähler trotz Wahlpflicht und somit drohender Strafzahlungen nicht zur Wahl gingen, entschieden sich 5,51 Prozent, den Wahlzettel als ungültig auszufüllen ("voto nulo"), während 3,13 Prozent die Wahlzettel leer ließen ("voto em branco").

Am 31. Oktober wird es nun zur Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasília kommen. Dilmas Konkurrent von der rechtssozialdemokratischen PSDB, José Serra, erhielt im ersten Wahlgang 32,61 Prozent der gültigen Stimmen. Serra war bereits im Jahre 2002 Präsidentschaftskandidat der PSDB gewesen. Damals hatte er in der Stichwahl gegen Luiz Inácio Lula da Silva verloren. Präsident Lula darf nach nunmehr zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Nach der nun folgenden Legislaturperiode dürfte Lula im Jahre 2014 aber erneut aufgestellt werden.

Aktuellen Meinungsumfragen zufolge wird Dilma Rousseff die nun anstehende Stichwahl gewinnen. Entscheidend könnte aber nun die Frage werden, wer von den beiden verbliebenen Kandidaten die Stimmen der beim ersten Wahlgang drittplazierten Marina Silva gewinnt. Die ehemalige Umweltministerin der Regierung Lulas und Ex-Senatorin hatte gestern beachtliche 19,33 Prozentauf sich vereinigen können. Marina Silva war im Jahre 2008 überraschend als Umweltministerin zurück- und später auch aus der Arbeiterpartei (PT) ausgetreten, um sich der Grünen Partei (PV) anzuschließen

Indessen kam es bei den Parlamentswahlen im Bundesstaat Rio de Janeiro zu einer faustdicken Überraschung. Der Abgeordnete Marcelo Freixo von der linken Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) konnte sein Ergebnis gegenüber dem Jahr 2006 mit über 177.000 Stimmen mehr als verfünfzehnfachen. Beobachter werten dies als "starkes Votum" der Bevölkerung Rios gegen die Umtriebe der berüchtigten Mafiamilizen. Freixo hatte als Vorsitzender der parlamentarischen Untersuchungskommission zu den Paramilitärs im Bundesstaat Rio de Janeiro maßgeblich dazu beigetragen, dass mehr und mehr enttarnte Milizionäre, unter ihnen auch ehemalige Landtagsabgeordnete, also Kollegen von Freixo, im Gefängnis landeten. Mehrere Mordanschläge auf Freixo wurden in letzter Minute vereitelt. Freixo steht 24 Stunden am Tag unter Bewachung schwerbewaffneter Sicherheitskräfte.

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