Brasilien / Politik

Superwahlsonntag in Brasilien

Morgen stehen das Präsidentenamt, Senatsposten, Landesparlamente und Gouverneure zur Abstimmung. Erstmals eine Frau mit besten Chancen auf das höchste Staatsamt

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Lula und Dilma Rousseff
Präsident Lula mit seiner Kandidatin Dilma Rousseff

Rio de Janeiro. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die Präsidentschaftskandidatin der Arbeiterpartei PT, Dilma Rousseff, mit 47 Prozent der Wahlabsichten der befragten WählerInnen in Brasilien vor ihren beiden schärfsten KonkurrentInnen, José Serra (28 Prozent) von der rechtssozialdemokratischen PSDB und Marina Silva (14 Prozent) von der Grünen Partei. Die mögliche Fehlerquote bei den Umfragen wird von den Befragungsinstituten selbst mit zwei bis fünf Prozent angegeben. Dabei oszillieren die Umfragewerte zwischen den verschiedenen Instituten teils bereits bis zu fünf und mehr Prozentpunkten. Ein Forschungsinstitut rechnet für die Grüne Kandidatin, Marina Silva, sogar mit bis zu 20 Prozent. Damit würde sie zwar nicht Dilma Rousseffs ersten Platz im ersten Wahlgang gefährden, aber vielleicht José Serra auf den dritten Rang verdrängen.

Um die Präsidentschaftswahl sofort im ersten Wahlgang zu gewinnen, bräuchte die in den Umfragen führende Rousseff, Kandidatin des brasilianischen Präsidenten Luis Inácio „Lula“ da Silva, der nach zwei Amtszeiten diesmal nicht kandidieren darf, 50 Prozent und eine Stimme. Danach sieht es vor allem wegen der Aufholjagd Marinas in den letzten Wochen nun nicht mehr aus. Vor allem in den Metropolen Belo Horizonte und Rio de Janeiro hat Marina massiv an Stimmen zugewonnen.

Doch auch wenn alles auf den Schlusspurt zum Präsidentenpalast Palácio do Planalto schaut, so steht doch noch einiges mehr auf der Agenda. Alle vier Jahre wieder ist in Brasilien großer Wahltag. Und der diesjährige 3.Oktober ist wie alle acht Jahre dann der Superwahltag. Um die zu vergebenden Posten bewerben sich 21.813 KandidatInnen: Für den Präsidentschaftsposten im Regierungspalast Planalto bewerben sich neun KandidatInnen, für die Zweidrittel der 81 Senatsposten, die für acht Jahre vergeben werden, bewerben sich 276 KandidatInnen. Für die 27 Gouverneursposten der 26 Bundesstaaten sowie dem Bundesdistrikt Brasília bewerben sich 171 PolitikerInnen. Für die 513 Kongressabgeordnetenposten kandidieren 6.057 Personen. Hinzu kommen 15.300 Bewerbungen für die Landesparlamente und das Parlament des Bundesdistrikts.

Sieben von zehn BrasilianerInnen können zur Wahl gehen. Diese 135.804.433 BrasilianerInnen im wahlberechtigten Alter sind laut Gesetz zur Wahl verpflichtet. Wer der Wahlpflicht nicht nachkommt, muss eine Strafe zahlen. Zwanzigtausend Wahlberechtigte, die in Untersuchungshaft sitzen, werden in Gefängnissen wählen, während 300.000 Strafgefangene dieses Recht laut Verfassung aberkannt bekommen haben. Zweihunderttausend BrasilianerInnen werden ihre Stimmen in den brasilianischen Botschaften im Ausland abgeben.

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