Venezuela / Politik / Soziales

Armeestützpunkt in Caracas wird Wohngebiet

Die Regierung von Venezuela lässt auf dem Militärgelände Fuerte Tiuna einen neuen Stadtteil entstehen. Profitieren sollen Unwetteropfer

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Chávez und seine internationalen Partner präsentieren das Projekt
Häuser statt Militärübungsplatz: Chávez und internationale Partner präsentieren das Projekt

Caracas. Noch ist es ein militärisches Sperrgebiet am südlichen Stadtrand von Venezuelas Hauptstadt Caracas: Auf dutzenden Hektar Land der innerstädtischen Militärkaserne Fuerte Tiuna sollen bis Herbst 2012 zehntausende Wohnungen entstehen, die bis zu 200.000 Menschen ein Dach über dem Kopf bieten sollen. Am Freitag präsentierte Venezuelas Präsident Hugo Chávez das Projekt am Rande der Unterzeichnung eines Präsidialdekretes mit Gesetzeskraft zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Das Problem hatte sich zum Jahresende 2010 rapide verschärft, da bei schweren Regenfällen in Venezuela tausende Familien obdachlos geworden waren.

Nun soll auf Teilen des Geländes von Fuerte Tiuna mit internationaler Unterstützung der komplett neue Stadtteil "Ciudad Tiuna" entstehen. Gemeinsam mit Experten aus Russland, Weißrussland und China präsentierte Hugo Chávez einen Bebauungsplan des Geländes. Weitgehend sollen dort vierstöckige Mehrfamilienhäuser für die Unwetteropfer entstehen.

"Dieses staatliche Gebiet stellen wir den Menschen zur Verfügung", sagte Chávez. Er forderte wohlhabende Staatsbürger auf, sich ebenso freiwillig von Grundbesitz zu trennen, um den Bau von weiteren Wohnungen zu ermöglichen und "ein Beispiel für Menschlichkeit" zu zeigen. "Warum stellt die Bourgeoise nicht ihre großen Gebiete zur Verfügung? Beispielsweise den Golfplatz in der Hauptstadt", fragte Chávez provokativ. Regierungsstellen hatten in den letzten Jahren schon mehrfach erfolglos versucht, das riesige Golf-Gelände mitten im Zentrum von Caracas für den sozialen Wohnungsbau umzuwidmen. Bisher scheut Chávez jedoch vor einer erzwungenen Enteignung zurück. In den Außenbezirken wurden in den letzten Wochen allerdings bereits vermehrt private Anwesen für den Wohnungsbau enteignet.

Die venezolanische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, in diesem Jahr mindestens 150.000 neue Häuser zu errichten, die vor allem den Katastrophenopfern zugute kommen sollen. Allein auf dem Gelände der Militärkaserne Fuerte Tiuna in Caracas sind derzeit 12.000 Betroffene provisorisch untergebracht. Doch gerade das langgestreckte Tal des Großraum Caracas mit seinen Millionen Einwohnern bietet kaum noch Platz für neuen Wohnraum. Allerdings besitzen neben staatlichen Einrichtungen wie der Armee einige Firmen und Großgrundbesitzer immer noch große Flächen mitten in der Stadt. Die fehlende soziale Stadtplanung der vergangenen Jahrzehnte versucht die Regierung Chávez nun zu korrigieren.

Bei der Planung von neuen Wohngebieten setzt die Regierung dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit den zukünftigen Bewohnern. Die Familien, die in einer solchen neuen "sozialistischen Gemeinde"  wohnen werden, organisieren sich im so genannten Movimiento de Pobladores und sollen die neuen Häuser mit aufbauen sowie später in Selbstverwaltung betreuen.

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