Proteste gegen Staudamm HidroAysén Chile

Landesweite Demonstrationen. Wasserwerfer- und Tränengaseinsatz gegen Kritiker des Vorhabens

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Proteste nach der Entscheidung der Kommission
Proteste nach der Entscheidung der Kommission

Santiago de Chile. Zu Wochenbeginn wurde von einer regionalen Umweltkommission in Coyhaique in der Region Aysén im chilenischen Teil  Patagoniens mit großer Mehrheit das Projekt "HidroAysén" der Energie-Unternehmen Enesa und Colbun bewilligt. Das Vorhaben beinhaltet den Bau von fünf Wasserkraftwerken in Patagonien mit enormen Stauseen, in denen das Wasser der Flüsse Baker und Pascua einfließen soll.

Gegen das Projekt gibt es seit Jahren große Proteste, nicht nur in Patagonien. Verschiedene Umfragen ergaben, dass eine große Mehrheit der Chilenen gegen den Bau ist.

Die Staudämme werden ein Gebiet von fast 20 Hektar eines Nationalparks überschwemmen. Zudem sollen auf eine Länge von 2.300 Kilometern 5.750 Türme gebaut werden, um die Energie nach Zentralchile zu transportieren.Diese Bauten würden Nationalparks, Naturschutzgebiete, Feuchtgebiete und andere Schutzzonen betreffen. Auch müssen 23.000 Hektar Wald abgeholzt werden.

Kritiker bezeichnen das Genehmigungsverfahren für das Projekt als intransparent: Zehn von zwölf Kommissionsmitgliedern stehen in mehr oder weniger direkter Verbindung mit dem Projekt bzw. den beteiligten Unternehmen. Berichte zu Umweltauswirkungen sollen beschönigt worden sein.

Am Montag demonstrierten unter erheblichem Polizeiaufgebot mehrere hundert Menschen vor dem Gebäude, in dem die Kommission tagte. Mobilisiert hatte unter anderem das Netzwerk "Patagonien ohne Staudämme". Nach der Entscheidung versuchten 500 Demonstranten unter Tränengaseinsatz die Ausgänge zu blockieren.

Auch in Santiago fand am Abend eine spontane Demonstration mit mehreren tausend Menschen statt, mehr als 60 Demonstrantinnen und Demonstranten wurden verhaftet.  Die Polizei setzte massiv Wasserwerfer und Tränengas ein. Sitzblockaden wurden von berittener Polizei aufgelöst.

In anderen Städten wie Valaparaíso, Concepción und Temuco demonstrierten nach der Entscheidung ebenfalls Tausende. Landesweit soll es mehr als 120 Verhaftungen gegeben haben. Inzwischen gibt es öffentlich Kritik an der Polizeigewalt während der Proteste, von den Verhaftungen in Santiago wurden 30 richterlich für nicht legal erklärt.

Am Dienstagabend gingen die Proteste weiter. Zudem wird für Demonstrationen am Freitag sowie für eine Großdemonstration am 21. Mai mobilisiert.

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