Yasuní-ITT: Quito will Berliner Blockade brechen

Delegation aus Ecuador verhandelt in Berlin erneut um Unterstützung für Umweltschutzprojekt. Sinneswandel der Bundesregierung sorgt für Unmut

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Von rechts nach links: Carlos Larrea, Ivonne Baki, Harald Neuber
Im Interview: Carlos Larrea, Ivonne Baki und amerika21.de-Redakteur Harald Neuber (v.l.n.r.)

Ecuadors Regierung setzt angesichts der jüngsten Wahlerfolge der Grünen in Deutschland auf eine verstärkte Unterstützung der Yasuní-ITT-Initiative. Das sage Ivonne Baki, die Unterhändlerin der Regierung von Präsident Rafael Correa, im Gespräch mit amerika21.de in Berlin. Bei der Initiative geht es darum, rund 850 Millionen Barrel Erdöl unter dem Regenwald zu belassen. Die Konsumentenstaaten sollen die Hälfte des zu erwartenden Gewinns in einen Treuhandfonds unter UN-Verwaltung einzahlen.

"Ich glaube, dass auch angesichts der letzten Wahlergebnisse in Deutschland ein guter Zeitpunkt gekommen ist, um die Bundesregierung an ihre ursprüngliche Position zu erinnern", sagte die Diplomatin und ehemalige Präsidentin des Andenparlaments im Gespräch mit amerika21.de in Berlin.

Im vergangenen Oktober hatte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die ursprüngliche Zusage Deutschlands, das Umweltschutzvorhaben zu unterstützen, zurückgezogen und Bedenken angemeldet. Gespräche mit der zuständigen Ministerin für das Kulturerbe, María Fernanda Espinosa, blieben ohne Ergebnis.

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"Für mich ist diese Neupositionierung völlig unverständlich", sagte nun Baki, die in Begleitung des technischen Verantwortlichen Carlos Larrea und des UNDP-Vertreters Bisrat Aklilu in Deutschland zu Gast ist: "Auch deswegen bin ich nach Berlin gekommen, um mit den Akteuren zu sprechen. Wenn es Fragen gibt, dann können sie uns jederzeit gestellt werden. Zumal ja eigentlich erst die Unterstützungszusage Deutschlands uns zu dieser globalen Initiative ermutigt hat."

In Berlin laufen nach Angaben der Politikerin derzeit Gespräche mit der Bundesregierung, mit Parlamentariern, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Landesregierungen. Dabei setzt die Delegation aus Ecuador auch auf die stärkere Rolle der Grünen. "Ich glaube, die Wahlerfolge dieser Partei sind Teil eines politischen Trends in Europa und weltweit", so Baki. Das wachsende ökologische Bewusstsein habe mit den Folgen der Klimaerwärmung zu tun, aber natürlich auch mit der Reaktorkatastrophe in Japan. "Wir reden schließlich nicht über Theorien, sondern über konkrete Probleme, die vom Menschen verursacht wurden", fügte die Unterhändlerin an.

Um den Erfolg der Yasuní-ITT-Initiative zu erreichen, verhandelt Ecuador zunehmend auch mit regionalen und lokalen Regierungen. Bis jetzt unterstützen uns sieben Staaten", sagte sie. Frankreich sei mit lokalen Regierungen vertreten, lateinamerikanische Staaten wie Peru und Chile seien offiziell dabei. Mit Italien und Spanien befinde man sich in Verhandlungen, ebenso mit der wallonischen Regierung in Belgien.

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