Argentinien gedenkt Krieges um Malwinen

Beziehungen zu Großbritannien am Tiefpunkt. Regierung in Buenos Aires fordert Dekolonialisierung der Region

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"Die Malwinen sind argentinisch" - Straßenschild in Argentinien
"Die Malwinen sind argentinisch" - Straßenschild in Argentinien

Buenos Aires. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández hat am Montag in Feuerland die Gedenkfeierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Kriegsbeginns um die Malwinen (Falklandinseln) eröffnet. Der zentrale Akt fand auf der "Platz der Malwinen-Inseln" in der südlichsten Stadt des Landes, Ushuaia, statt. Dabei wurde vor allem der mehr als 640 argentinischen Soldaten gedacht, die 1982 in dem Konflikt mit Großbritannien ums Leben gekommen waren. Schon am Wochenende hatte es in verschiedenen Orten der Region Nachtwachen durch Veteranen sowie Messen und militärische Veranstaltungen gegeben. Daran hatten auch Vizepräsident Amado Boudou und verschiedene Minister teilgenommen.

30 Jahre nach dem Krieg sind die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien erneut an einem Tiefpunkt angelangt. Auch wenn ein erneuter militärischer Konflikt unwahrscheinlich ist, geht die argentinische Regierung diplomatisch immer wieder in die Offensive, um ihren Anspruch auf die Malwinen zum Ausdruck zu bringen. Sie führt dabei auch eine Resolution des UN-Dekolonialisierungskomitees von 1965 an, in der die Malwinen als britische Kolonialenklave anerkannt und die Parteien zu Verhandlungen im Interesse der Bevölkerung aufgerufen werden.

Inzwischen stehen vor allem die Fischereibranche und die Edölvorkommen vor den Inseln im Mittelpunkt des schwelenden Konfliktes. Argentinien hatte dabei erreichen können, dass Schiffen unter der Flagge der Malwinen der Zugang zu Häfen der Mercosur-Länder versperrt bleibt. Nun droht die Regierung gegen die an der Ölförderung beteiligten britischen Unternehmen zu klagen und gegen Banken vorzugehen, die die Unternehmen beraten haben. Außerdem legte die Regierung Protest bei den Vereinten Nationen gegen die "Militarisierung" des Südatlantik durch Großbritannien ein. London hatte Anfang des Jahres den modernsten Zerstörer der britischen Streitkräfte Richtung "Falklandinseln" geschickt.

Im Februar hatte die argentinische Industrieministerin Débora Giorgi britischen Protest hervorgerufen, als sie argentinischen Unternehmern nahelegte, nur noch Produkte aus den Ländern zu importieren, die die Souveränitätsansprüche Argentiniens über die Malwinen respektieren würden. Britische Produkte sollten durch andere ersetzt werden. Aus britischen Diplomatenkreisen hieß es nun: "Wir nehmen diese nachhaltige, intensive und manchmal recht aggressive diplomatische Kampagne der letzten Monate sehr ernst. Die argentinische Regierung geht jedoch davon aus, uns an den Verhandlungstisch zurückführen zu können, damit wir über die Souveränität reden, wenn sie nur genug Druck aufbaut und genug Lärm macht. Das wird nicht passieren." Argentinien versuche außerdem, das Problem auf die Region auszuweiten und Unstimmigkeiten zwischen Lateinamerika und Großbritannien zu erzeugen.

Am 2. April 1982 hatte Argentinien unter der damals regierenden Militärjunta die Malwinen besetzt. Großbritannien schickte daraufhin Seestreitkräfte und eroberte die Inseln bis zum 14. Juni zurück. Die Niederlage läutete in Buenos Aires das Ende der Militärdiktatur ein. Die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien wurden erst in den 1990er Jahren durch Präsident Carlos Menem wieder aufgenommen und verbessert, verschlechterten sich aber nach dem Amtsantritt Néstor Kirchners nach 2003 zusehends.

Im Juni dieses Jahres trifft sich das UN-Dekolonialisierungskomitee zu seiner jährlichen Sitzung. Dort will Cristina Fernández persönlich anwesend sein, um den argentinischen Anspruch auf Verhandlungen um die Souveränität der Inselgruppe zu erneuern.

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