Venezuela / Politik

Chávez nach Wahlkampfbeginn klar in Führung

Nahezu alle Umfrageinstitute sehen den amtierenden Präsidenten vorn. Opposition stellt Anerkennung der Wahlergebnisse unter Bedingungen

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Hugo Chávez (gelbes Hemd) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Barquisimeto im Bundesstaat Lara
Hugo Chávez (gelbes Hemd) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Barquisimeto im Bundesstaat Lara

Caracas. Zwei Wochen nach Beginn des Wahlkampfes in Venezuela kann der amtierende Präsident Hugo Chávez auf seine Wiederwahl hoffen. Nahezu alle Umfrageinstitute sehen den linken Präsidenten klar vor seinem Konkurrenten Henrique Capriles Radonski.

In den Ergebnissen des vom ehemaligen Innen- und Justizminister, Jesse Chacón, geleiteten Instituts GIS XXI pendelt der amtierende Präsident zwischen 54 und 58 Prozent der Zustimmung, sein Herausforderer zwischen 21 und 25 Prozent. Die jüngste Umfrage Mitte Juni kam auf 57,8 Prozent Wählerintention für Chávez und 23 Prozent für Capriles.

Ähnlich klare Ergebnisse ermittelt IVAD, das sich bislang bemüht hat, auf keiner Seite der politischen Lager Stellung zu beziehen. Auch hier pendelt Chávez zwischen 54 und 59 Prozent, während Capriles mit 26 bis 34 Prozent der Wählerstimmen rechnen kann. Die jüngste Umfrage von Anfang Juni sieht den Oppositionskandidaten bei 26,3 Prozent, Chávez hingegen bei 45,8 Prozent.

Etwas optimistischer sieht das der Opposition nahestehende Institut Datanálisis die Position von Capriles. Es errechnet Zahlen zwischen 42 und 44 Prozent der Wählerneigung für Chávez und zwischen 25 und 33 für Capriles. Die Differenz zwischen den beiden Kandidaten fällt von allen Umfragen mit 11 bis 17 Prozent am geringsten aus.

Für besondere Verärgerung bei der rechten Opposition sorgten zuletzt die Ergebnisse von Hinterlaces. Das private Institut, das genauso wie Datanálisis der Opposition nahesteht, kommt ebenfalls mindestens seit Ende 2011 auf eine klare Mehrheit für Präsident Chávez - mit steigender Tendenz. Hier pendelt der Amtsinhaber zwischen 49 und 53 Prozent, zuletzt ermittelte das Institut vergangene Woche einen Wert von 47 Prozent. Die Werte seines Gegenkandidaten sanken hingegen von 38 auf zuletzt 30 Prozent.

Weil Hinterlaces den amtierenden Präsidenten klar vorne sieht, wurde das Institut Mitte Mai zur Zielscheibe von Politikern der Opposition. Tomás Guanipa von der Partei Primero Justicia (PJ) beschuldigte Hinterlaces, von der Regierung bezahlt zu werden. Das Institut wies die Vorwürfe in einem Kommuniqué von sich: Es handele sich um eine "Schmutzkampagne" des oppositionellen Wahlkampfteams "gegen die großen Umfrageinstitute des Landes". Ziel sei es diese zu diskreditieren und das "offensichtliche Scheitern" und die "Inkompetenz" der Wahlkampfleitung zu verdecken. Diese sei "unfähig und ignorant", legte der Direktor von Hinterlaces, Oscar Schemel, in einem Interview nach. Es sei "unmöglich, dass sich alle Umfrageinstitute irren" und das "erste Mal in der politischen Geschichte, dass eine Wahlkampfleitung die Institute angreift, weil sie nicht ihren Kandidaten unterstützen".

Eine Art Rettungsanker bedeutet für die Opposition das Institut Consultores 21. Es hatte seit März in zwei Umfragen einen äußerst knappen Vorsprung für Chávez ermittelt. In der jüngsten Umfrage von Anfang Juli, war dieser Vorsprung auf 0,1 Prozentpunkte geschrumpft. Der Leiter von Consultores 21, Saúl Cabrera, sprach deshalb von einem "Unentschieden".

Angesichts der Tatsache, dass die Opposition lediglich diesen Umfragen Glauben schenken will, wittert die Regierung Pläne, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen. Neues Futter hierfür gaben auch jüngste Erklärungen von Capriles Radonski selbst: Er weigerte sich erneut, den Nationalen Wahlrat (CNE) als "Schiedsrichter" anzuerkennen und die Wahlergebnisse zu akzeptieren. Während Hugo Chávez bereits häufig wiederholt hat, auch bei einer Wahlniederlage die Ergebnisse zu akzeptieren, stellt Capriles nun Bedingungen: "Für niemand ist die Parteilichkeit des Wahlorgans ein Geheimnis", sagte er in einem Interview im privaten Fernsehsender Venevisión in Bezug auf den CNE. Deshalb werde er das Ergebnis im Vorfeld nur akzeptieren, wenn die Kandidaten sich auf ein Abkommen verständigten. Darin müsse enthalten sein, dass der Präsident während des Wahlkampfes keine "Cadena" schalten darf. Diese Kettenschaltung erlaubt es der Regierung, Erklärungen abzugeben, die auf allen nationalen Fernseh- und Radiostationen übertragen werden müssen. Capriles sieht in den Ansprachen "politische Propaganda". Dem widerspricht die Präsidentin des CNE, Tibisay Lucena: Es sei das Recht der Regierung, über ihre Arbeit zu informieren. Dies allein könne nicht als Teil des Wahlkampfes gesehen werden.


amerika21.de stellt Ihnen eine Übersicht aller Umfrageergebnisse im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Venezuela 2012 zur Verfügung.

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