Terror gegen Kleinbauern in Honduras hält an

Erneut Morde durch private Sicherheitskräfte. Brutale Räumung fordert mindestens ein Todesopfer. Menschenrechtsdelegation von Paramilitärs bedroht

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Aktivisten warten vor dem Justizgebäude in Tocoa auf die Freilassung der Gefangenen
Aktivisten warten vor dem Justizgebäude in Tocoa auf die Freilassung der Gefangenen

Tocoa. Der Landkonflikt in der nordhonduranischen Krisenregion Bajo Aguán hat in den vergangenen Tagen erneut drei Todesopfer gefordert. Am Mittwoch wurde eine Gruppe von Kleinbauern aus der Ansiedlung Panama von privaten Sicherheitskräften des Großgrundbesitzers Reynaldo Carnales beschossen. Der Kleinbauer Alejandro Maldonado, der von fünf Schüssen aus einem AR-15-Sturmgewehr getroffen wurde, verstarb sofort. Ein weiterer Kleinbauer, Ivis Ortega, der bei der Attacke schwer verletzt wurde, verstarb in der Nacht auf Donnerstag im Krankenhaus.

Bereits am Sonntag forderte die Räumung der von Kleinbauern besetzten Finca Los Laureles durch Polizei- und Militäreinheiten mindestens ein Todesopfer. Der 69-jährige Hector Navarro, der eine Lungenkrankheit hatte, starb an den Folgen des massiven Tränengaseinsatzes. Navarro war nicht an der Besetzung beteiligt, sondern hielt sich zum Zeitpunkt der Räumung auf seinem Privatgrundstück auf, welches an die Finca angrenzt.

Augenzeugen der Räumung zeigten sich entsetzt über das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte. So sei während der Räumung und der anschließenden Hetzjagd auf Aktivisten in dem an die Finca angrenzenden Stadtviertel massiv Tränengas eingesetzt worden. Laut Anwohnern drangen die schwerbewaffneten Einsatzkräfte, unter denen sich auch Angehörige des privaten Sicherheitsdienstes des Großgrundbesitzers Miguel Facussé befanden, gewaltsam in private Haushalte ein um nach flüchtigen Besetzern zu suchen. Zudem berichteten mehrere Anwohner, dass Tränengas direkt in ihre Häuser geschossen wurde. Das Gerücht über den Tod eines 14 Monate alten Kleinkindes wurde bisher nicht bestätigt.

Eine Menschenrechtsdelegation der US-Organisation La Voz de Los de Abajo wurde am Donnerstag von privaten Sicherheitskräften bedroht, als sie den Schauplatz der Räumung besuchte. Dabei feuerten die Sicherheitskräfte auch einen Warnschuss ab.

34 Personen, die bei der Räumung festgenommen wurden, sind nach 28 Stunden unter Bewährungsauflagen wieder freigelassen worden. Vor dem Justizgebäude wurden sie am Montag von Dutzenden Kleinbauern empfangen, welche auf die Freilassung warteten. Unter den Verhafteten befanden sich auch mehrere Minderjährige. Den Gefangenen, die bei der Verhaftung und während ihrer Gefangenschaft stark misshandelt wurden, wurde die ärztliche Notversorgung verweigert. Fünf der festgehaltenen Personen verließen das Justizgebäude schwer verletzt.

In Honduras sind zur Zeit gegen mehr als 2.500 Kleinbauern Verfahren wegen Landbesetzung anhängig. Besonders der Landkonflikt in Bajo Aguán ist seit dem zivil-militärischen Putsch 2009 und der Machtübernahme durch den De-facto-Präsidenten Porfiro Lobo immer weiter eskaliert und forderte bisher über 80 Todesopfer.

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