Nicaragua gewährt Indígena-Führer diplomatisches Asyl

Perus Präsident Alan García sagt, dass Indígenas "keine Bürger erster Klasse" seien.

Lima. Nach dem Massaker an protestierenden Indígenas am vergangenen Freitag (5.6.2009) in Bagua (Nordperu) hat sich deren Anführer Alberto Pizango in die nicaraguanische Botschaft geflüchtet. Nicaraguas Regierung hat ihre Botschaft in Lima angewiesen, dem politischen Aktivisten diplomatisches Asyl zu gewähren. Die Entscheidung wurde dem peruanischen Aussenministerium per diplomatischer Note mitgeteilt. Der Vorsitzende des Ministerrates, Yehude Simon, informierte das peruanische Parlament über die Haltung Nicaraguas.

Die peruanische Justiz hat Pizango zur Fahndung ausgeschrieben, weil sie ihn als Anführer und Hauptverantwortlichen der jüngsten Proteste betrachtet. Der Aktivist leitet die Asociación Interétnica de Defensa de la Selva Peruana (Aidesep). Die Interethnische Vereinigung zur Verteidigung des Peruanischen Urwalds wollte mit ihren Protesten erreichen, dass das Parlament ein Gesetzespaket zurücknimmt, das die Rechte und den Lebensraum der Indígenas beschneidet. Es handelt sich um neun Dekrete, die Teil des Freihandelsabkommen sind, das Peru mit den USA geschlossen hat. Nach der neuen Gesetzeslage können transnationale Konzerne tief in das indigene Siedlungsgebiet vordringen, um die dortigen Bodenschätze auszubeuten. Die logische Folge wäre eine weitere Rodung großer Teile des Regenwaldes und die Vertreibung der Indígenas aus ihren angestammten Gebieten. 5000 Betroffene, die in 60 Stämmen organisiert sind, haben öffentlich die Rücknahme der Dekrete gefordert.

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Die Protestaktionen begannen am 9. April und gipfelten in einer Straßenblockade am vergangenen Freitag. Die Regierung von Präsident Alan García ließ die Demonstranten zusammenschießen. Es gab mindestens 40 Tote und 90 Verletzte. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission verurteilte am Montag den "Genozid an den Indígenas" und verlangt von der peruanischen Exekutive eine "gerichtliche Aufklärung der Gewalttaten" und dass ihre Konsequenzen gesühnt werden.

Perus Staatschef García verteidigte das Vorgehen seiner Sicherheitskräfte. Über die Protestierenden sagte er: "Diese Leute sind keine Bürger erster Klasse. Was haben die 400000 Eingeborenen 28 Millionen Peruaner zu sagen: 'Sie haben kein Recht hierher zu kommen'? Überhaupt nicht! Das wäre ein absolut schwerer Irrtum. Wer so denkt, wird uns in die Irrationalität führen und zum primitiven Rückschritt." Indirekt machte García Venezuela für den Gewaltausbruch verantwortlich. Die Bolivarianische Regierung von Präsident Hugo Chávez verurteilte das Massaker am gestrigen Dienstag. Peru gilt neben Kolumbien als die letzte Bastion der USA im vorwiegend linksregierten Südamerika.

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