Kolumbien: Richterin flieht ins Exil

Morddrohungen nach Urteil gegen kriminellen Militär. Nachlässige Haltung der Regierung setzt Juristin Todesgefahren aus

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Uneinsichtig: Plazas wird abgeführt, nachdem er Angehörige seiner Opfer attackiert hat
Uneinsichtig: Plazas wird abgeführt, nachdem er Angehörige seiner Opfer attackiert hat

Bogotá. Nur zwei Wochen nach dem Urteil gegen einen hochrangigen Militär haben Morddrohungen die Zivilrichterin Maria Stella Jara dazu gezwungen, Kolumbien zu verlassen. Sie hatte Anfang Juni Oberst Alfonso Plazas Vega wegen der Verschleppung von elf Zivilisten im Jahr 1985 zu 30 Jahre Freiheitsentzug verurteilt. Schon im Jahr 2009 begannen die Einschüchterungsaktionen gegen die Richterin und ihren Sohn. Die Bedrohungen nahmen im Verlauf des Verfahrens massiv zu.

Doch die einzigen Maßnahmen, die bisher zu ihrem Schutz ergriffen wurden, seien dem "persönlichen guten Willen" vom Polizeikommandant William Salamanca zu verdanken, versicherte Jaras Anwalt dem Sender Radio Santafé. Sie reichten allerdings in Anbetrachten des zunehmenden Risikos nicht aus, sagte die Richterin.

Die amtierende Regierung zeige sich gegenüber ihrer Situation gleichgültig, kritisierte Jara. Das Verteidigungsministerium hätte nichts zugunsten ihrer Sicherheit unternommen. Und das, obwohl die Interamerikanische Menschenrechtskommission den kolumbianischen Staat Anfang Juni aufgefordert hatte, vorbeugende Maßnahmen zum Schutz Jaras zu ergreifen.

Ganz im Gegensatz dazu verhielt sich die Regierung ihr gegenüber eher aggressiv. Der scheidende Präsident Uribe hielt Jaras Urteil für eine "Misshandlung der Streitkräfte" und versprach neue Gesetze, um die Kompetenzen der Militärgerichtsbarkeit zu erweitern. "Die Äußerungen von Präsident Uribe haben die Sicherheit der Richterin noch mehr gefährdet", erklärte Jorge Molano, der Vertreter der Familienangehörigen der damals verschwundenen Zivilisten.

Vor ihrer Abreise hat die Richterin angeordnet, dass Oberst Plazas in eine Haftanstalt überstellt werden soll. Doch bis zum heutigen Tag blieb er im Militärkrankenhaus. Das Staatliche Institut für Straf- und Haftanstalten INPEC behauptete gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE, die Verordnung nicht bekommen zu haben. Dies wies Molano kategorisch zurück.

Jaras Aufsehen erregendes Urteil zur Verschleppung der elf Zivilisten öffnete alte Wunden, die die Rückeroberung des Justizpalasts 1985 geschlagen hatte. Bei der Militäraktion unter Plazas Leitung waren di Opfer verschleppt, anschließend gefoltert und hingerichtet worden. Ungefähr 100 Menschen starben auch bei den Kämpfen, darunter Richter des Obersten Gerichtshofs und viele der Guerilla-Kämpfer, die das Gebäude besetzt hatten.

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