Tegucigalpa. Nur wenige Tage nach Prozessbeginn hat ein Gericht in Tegucigalpa das Verfahren gegen den Expräsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, eingestellt. Dies teilte der Sprecher der Justizbehörde, Carlos Silva, am Dienstag mit. Hernández war des Betrugs und der Geldwäsche beschuldigt worden. Er soll umgerechnet rund zwölf Millionen US-Dollar als Vorsitzender des Parlaments zwischen 2010 und 2013 an zwei Stiftungen umgeleitet und zur Finanzierung seines Wahlkampfes genutzt haben. Das Verfahren hatte erst am vergangenen Mittwoch begonnen.
Der rechte Politiker der Partido Nacional de Honduras hatte das Land von 2014 bis 2022 regiert. Kurz nach Ende seiner Amtszeit wurde er verhaftet und in die USA ausgeliefert. Dort verurteilte ein Gericht den Expräsidenten wegen Verstrickungen in Drogen- und Waffenhandel zu 45 Jahren Haft.
Ende November 2025 begnadigte US-Präsident Donald Trump allerdings den rechten Politiker. Am 26. Juli dieses Jahres kehrte Hernández wegen des Korruptionsverfahrens nach Honduras zurück (amerika21 berichtete).
Die Begnadigung von Hernández hatte Trump wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Honduras ausgesprochen. Der US-Präsident hatte sich in die Wahlen direkt eingemischt und die Kampagne von Nasry Asfura unterstützt. Asfura ist wie Hernández Mitglied der rechtskonservativen Partido Nacional. Nach wochenlanger Auszählung und einem knappen Vorsprung wurde schließlich Asfura zum Sieger erklärt. Er regiert damit das Land seit Ende Januar.
Ohne Moos nix los
Ihnen gefällt die Berichterstattung von amerika21? Damit wir weitermachen können, brauchen wir Ihre Unterstützung.
Die Begnadigung hatten Wellen der Empörung ausgelöst. Im Mai waren Tonaufnahmen bekannt geworden, in denen Hernández erklärt, dass er seine Begnadigung unter anderem dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu verdanke. Dies hatte das spanische Onlinemagazin Diario Red berichtet und weiter erklärt, dass Unterstützer von Hernández planten, ihn erneut in Regierungsverantwortung zu bringen "um eine US-Militärbasis durchzusetzen, günstige Konditionen für israelische und US-Firmen zu sichern und den Einfluss Chinas in Lateinamerika einzudämmen".
Auch Telesur schrieb am Dienstag, dass dem Expräsidenten mit der Einstellung des Verfahrens der Weg "zurück ins öffentliche Leben geebnet werde – sei es durch eine direkte Kandidatur für eine Wiederwahl oder durch den Versuch, seine Ehefrau Ana Hernández den Weg an die Spitze zu öffnen".
Anhänger:innen der Linkspartei Libre wollen am 3. September demonstrieren. Die Demonstration war bereits geplant und soll sich gegen die geplante Privatisierung des Energieversorgers Empresa Nacional de Energía Eléctrica (ENEE) richten. Laut Libre soll jetzt auch gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Hernández demonstriert werden.

