Indigener Führer in Venezuela ermordet

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Der Sprecher der indigenen Yupka-Gemeinden Sabino Romero wurde am Sonntag erschossen
Der Sprecher der indigenen Yupka-Gemeinden Sabino Romero wurde am Sonntag erschossen

Caracas. In Venezuela haben Unbekannte den indigenen Aktivisten Sabino Romero ermordet. Am Sonntag Abend gegen 20.30 (Ortszeit) wurde der Sprecher der indigenen Volksgruppe Yukpa vor seinem Haus im Dorf Chaktapa, im westlichen Bundesstaat Zulia, erschossen. Seine Lebensgefährtin überlebte den Überfall schwer verletzt. Nach Angaben seiner Familie handelte es sich bei den Tätern um zwei Personen, welche die Schüsse von einem Motorrad abgaben. Dieses Vorgehen spricht für einen Auftragsmord. Der Minister für Inneres und Justiz, Néstor Luís Reverol Torres, informierte, dass er sich auf dem Weg in den Bundesstaat befindet, um gemeinsam mit den Bundesbehörden vor Ort die Ermittlungen zu führen.

Sabino Romero wurde seit dem Jahr 2005 überregional bekannt, weil er sich entschieden für die Landrechte der indigenen Bevölkerung in der an Kolumbien grenzenden Region einsetzte. Im Verlauf des Konfliktes wurde er unzählige Male bedroht, mehrmals scheiterten Anschläge auf seine Person. Zuletzt starben im Oktober 2009 zwei Yukpa bei einem Angriff, der wahrscheinlich Romero gegolten hatte.

Die venezolanische Regierung hatte im Jahr 2005 ein Gesetz erlassen, um den 35 indigenen Völkern des Landes die traditionell von ihnen bewohnten Gebiete zu übertragen. Die Eigentumstitel an den Ländereien sind für die indigenen Gemeinden unveräußerlich, unverjährbar und nicht pfändbar. Damit soll den Gemeinden der Besitz langfristig gesichert werden.

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Seitdem das Gesetz verabschiedet wurde, begannen die Großgrundbesitzer in der Region, paramilitärische Gruppen zu bilden. Angehörige der Yukpa-Gemeinden wurden ermordet und teilweise wurde ihnen das Land geraubt. Bei einem ersten Versuch, Sabino Romero zu töten, überfielen bewaffnete Gruppen im Februar 2007 unter anderem die Gemeinde Chaktapa, vertrieben die Bewohner mit Schüssen und brannten die Hütten nieder. Im April 2008 ereignete sich ein weiterer Überfall auf den Ort.

Anzeigen bei der Nationalgarde (Guardia Nacional) und den regionalen Behörden führten nach Angaben der Betroffenen zu keinem Ergebnis. In vielen ländlichen Gemeinden Venezuelas, vor allem in Grenzregionen, herrschen bis heute lokale Machthaber, welche die Wirtschaft und die schwach ausgebildeten öffentlichen Institutionen kontrollieren. Auch im aktuellen Fall werfen Angehörige der Yukpa den lokalen Behörden vor, die Ermittlungen zu behindern.

Der Bundesstaat Zulia wurde zwölf Jahre von der Oppositionspartei Un Nuevo Tiempo (UNT) regiert. Bei den Regionalwahlen im Dezember 2012 gewann mit Francisco Arias Cárdenas erstmals ein Kandidat der Vereinten Sozialistischen Partei (PSUV) das Regierungsamt in dem ressourcenreichen Bundesstaat.

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