Paraguay: Weiterer Bauernführer in Lebensgefahr

Inhaftierter Aktivist Rubén Villalba seit 50 Tagen im Hungerstreik. Gefangene fordern Aufklärung des Massakers von Curuguaty

paraguay_ruben_villalba.jpg

Rubén Villalba, Funktionär der Kleinbauern- und Landlosenbewegung
Rubén Villalba, Funktionär der Kleinbauern- und Landlosenbewegung

Asunción. Rubén Villalba, Funktionär der Kleinbauern- und Landlosenbewegung in Paraguay, befindet sich nach über 50 Tagen Hungerstreik in einem kritischen Zustand. Villalba war nach dem Massaker von Curuguaty im vergangenen Juni gemeinsam mit weiteren 19 Kleinbauern verhaftet und wegen Mordes, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Landbesetzung angeklagt worden. Er sitzt seitdem im berüchtigten Gefängnis Tacumbú in der Hauptstadt Asunción. Gemeinsam mit Néstor Castro befindet Villalba sich seit über 50 Tagen im Hungerstreik gegen die unrechtmäßige Inhaftierung und für ihre Freilassung sowie die weiterer 14 inhaftierter Kleinbauern und Landloser.

Am vergangenen Freitag wurde Villalba nach einem Kreislaufkollaps mit Krampfanfall auf die Intensivstation des Regionalkrankenhauses in Luque gebracht, nachdem er im Universitätsklinikum nahe der Hauptstadt wegen Bettenmangels abgewiesen worden war. Schon am darauf folgenden Tag wurde er aus der Intensivstation entlassen und sollte Anfang dieser Woche nach Tacumbú zurück verlegt werden. Am Montag fiel er nach einer Bluthochdruckkrise erneut in Ohnmacht. Sein Anwalt, Vicente Morales, sagte gegenüber der Presse, sein Klient befinde sich in einem kritischen Zustand, auch wenn er sich im Moment stabilisiert habe. Eine Rückkehr in die Haftanstalt könne zu seinem Tod führen.

Rubén Villalba, der unter Bluthochdruck leidet, wurde während des Massakers durch einen Streifschuss am Kopf verletzt. Infolgedessen verlor er das Gehör auf dem linken Ohr und zunehmend auch die Sehfähigkeit auf dem linken Auge. Medizinische Betreuung in der Haftanstalt Tacumbú erhielt er bisher nicht.

Die Verteidigung der Landlosen beantragte erneut die Freilassung unter Hausarrest für Villalba, Castro und fünf weitere Inhaftierte, unter ihnen die beiden schwangeren Frauen, María Fani Olmedo und Dolores López, die in der Haftanstalt in Coronel Oviedo im Landesinneren einsitzen. Auch dort ist keinerlei medizinische Betreuung gewährleistet. Die Petition auf Freilassung wurde auch von Vertretern der Zivilgesellschaft unterschrieben und dem Gericht in Curuguaty übergeben.

Staatsanwalt Jalil Rachid, ein enger Freund der Familie Riquelme, auf deren vermutlich unrechtmäßig erworbenen Ländereien der blutige Zusammenstoß stattfand, sieht in Villalba einen ideologischen Führer und Anstifter zu Landbesetzungen. Ein Antrag der Rechtsanwälte Villalbas wegen Befangenheit und Unterschlagung von Ermittlungsergebnissen gegen Staatsanwalt Rachid wurde inzwischen vom Obersten Gericht in Salto de Guairá abgelehnt. Lediglich der bisher zuständige Richter, José Benítez, wurde durch die Richterin für Jugendstrafrecht, Yanine Ríos, ersetzt. Ríos hatte vor zwei Wochen einen 17-Jährigen aus Curuguaty wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Landbesetzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Massaker von Curuguaty am 15. Juni vergangenen Jahres, bei dem elf Kleinbauern und Landlose und sechs Polizisten ihr Leben verloren, führte letztlich zum parlamentarischen Staatsstreich gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Fernando Lugo.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr