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30.03.2013 Venezuela / Politik

Wahlen in Venezuela: Maduro klarer Favorit

Umfragen sehen Chávez-Nachfolger vorn. Unasur wird Präsidentschaftswahlen begleiten. Kriminalität und Destabilisierungspläne Themen im Wahlkampf
Wahlkampf im Schatten von Hugo Chávez: Nicolás Maduro bei einer Kundgebung nach seiner Einschreibung als Kandidat

Wahlkampf im Schatten von Hugo Chávez: Nicolás Maduro bei einer Kundgebung nach seiner Einschreibung als Kandidat

Caracas. Nicolás Maduro ist klarer Favorit bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela am 14. April. Verschiedene Umfrageinstitute sehen den Kandidaten der sozialistischen Regierungspartei (PSUV) und des Bündnisses "Großer Patriotischer Pol" (GPP) deutlich vor seinem Herausforderer Henrique Capriles Radonski, der vom Oppositionsbündnis "Tisch der Demokratischen Einheit" (MUD) unterstützt wird.

Alle jüngsten Umfragen bescheinigen Maduro einen Vorsprung von 17 bis 22 Prozentpunkten. Am größten fällt dieser in einer Umfrage des Instituts IVAD aus. Demzufolge kann der Chávez-Nachfolger mit 53,8 Prozent rechnen, während lediglich 31,6 Prozent der Befragten angaben, für Capriles stimmen zu wollen. Ähnliche Ergebnisse lieferten die traditionell eher der Opposition nahestehenden Institute Datanálisis (53,1 zu 35,6 Prozent) und Hinterlaces (53 zu 35 Prozent). Rechnet man die Unentschlossenen heraus, so würden um die 60 Prozent für Maduro stimmen.

Die Wahlen, die nach dem Tod von Präsident Hugo Chávez nötig wurden, werden von Vertretern der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) begleitet werden. Am Montag unterzeichneten Vertreter der Regionalorganisation ein entsprechendes Abkommen mit dem venezolanischen Wahlrat (CNE). Leiter der Mission wird der Argentinier Carlos Álvarez sein. Sie wird vom Vorsitzenden des uruguayischen Wahlrats, Wilfredo Penco, koordiniert. Abkommen wie diese "bereichern unsere demokratische Kultur und geben unmissverständliche Zeichen der Transparenz in diesen Prozessen", kommentierte Francisco Tavara Córdova die Unterzeichnung. Er ist Inhaber der wechselnden Präsidentschaft des Wahlrats der Unasur. Álvarez nannte das venezolanische Wahlsystem "vertrauenswürdig und transparent".

Der offizielle Wahlkampf beginnt unterdessen erst am kommenden Dienstag und wird lediglich zwei Wochen dauern. Beide Seiten sind jedoch schon seit mehreren Wochen aktiv, um Stimmen zu gewinnen. Zunächst sorgten Aussagen von Capriles für Diskussionen, nachdem dieser die Regierung wegen ihrer Informationspolitik über den Gesundheitszustand von Hugo Chávez scharf angriff. Dabei unterstellte er Maduro und den Angehörigen des verstorbenen Präsidenten sogar, nicht die Wahrheit über den Todeszeitpunkt gesagt zu haben. "Wer weiß, wann Präsident Chávez gestorben ist?", fragte der Kandidat der Rechten in einer Pressekonferenz. Die Regierung reagierte auf die Unterstellung genauso empört, wie Angehörige von Chávez. In einem offenen Brief forderte seine Tochter María Gabriela den Oppositionellen auf, keine "schmutzige Politik" mit dem Tod ihres Vaters zu machen.

Ein weiteres Thema im Wahlkampf ist die Kriminalität. Das Innenministerium hatte kürzlich Zahlen veröffentlicht, nach denen die Mordrate in Venezuela weiter gestiegen ist. Dies führte zu gegenseitigen Vorwürfen von Opposition und Regierung. Während der MUD der Regierung von Präsident Chávez die Schuld an der hohen Kriminalität gibt, verweist diese auch darauf, dass die Bundesstaaten mit den meisten Morden teilweise von der Opposition regiert werden. So gehört der Miranda, dessen Gouverneur Capriles ist, zu diesen Staaten.

Ein anderes Feld der Debatten ist die Anerkennung der Wahlergebnisse. Wiederholt war aus den Reihen der PSUV zu hören, dass die Opposition angesichts der Umfragen Aktionen vorbereite, um die Ergebnisse nicht anzuerkennen und das Land zu destabilisieren. Ungewöhnliche Unterstützung für diese Beschuldigung erhielt das chavistische Lager aus dem Parlament: Dort entzogen drei Nachrückabgeordnete des MUD Henrique Capriles ihre Unterstützung und begründeten dies mit der geplanten Nicht-Anerkennung des Wahlergebnisses.

 

Jüngste Umfrageergebnisse:

Institut Maduro Capriles Unentschlossen Differenz
IVAD 53,8% 31,6% 14,6% 22,2
Datanálisis 53,1% 35,6% 11,3% 17,5
Hinterlaces 53,0% 35,0% 12,0% 18,0
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27.03.2013 Nachricht von Harald Neuber