Venezuela / Soziales

Venezuela führt 40-Stunden-Woche ein

Neues Arbeitsgesetz in Kraft getreten. Neben Reduzierung der Wochenarbeitszeit wird eine 26-wöchige gesetzliche Elternzeit eingeführt

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1.-Mai-Demonstration in Caracas
1.-Mai-Demonstration in Caracas

Caracas. In Venezuela ist ein reformiertes Arbeitsgesetz in Kraft getreten. Wichtigste Neuerung ist dabei die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von bisher 44 auf nun 40 Stunden. Arbeitnehmern werden mit der Gesetzesreform erstmals in Venezuela wöchentlich zwei zusammenhängende arbeitsfreie Tage garantiert. Für Nachtarbeit wurde zudem eine Höchstgrenze von 35 Wochenarbeitsstunden eingeführt.

Neben der Reduzierung der Wochenarbeitszeit zählen eine Stärkung des Kündigungsschutzes und die Ausweitung der Rentenversicherung auf selbstständige Kleinunternehmer zu den wichtigsten Neuerungen. Zudem soll mit dem erstmals seit 1991 grundlegend reformierten Gesetz das "Outsourcing" von Arbeit durch Werksverträge und Leiharbeit unterbunden werden.

Ausgeweitet wird mit dem neuen Gesetz auch die Elternzeit. Angehende Mütter haben sechs Wochen vor und 20 Wochen nach der Geburt Anrecht auf bezahlten Urlaub. Vätern wird ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub nach Geburt des Kindes eingeräumt. Die Regelung gilt auch bei der Adoption eines Kindes, wenn dies jünger als drei Jahres ist.

Die venezolanische Arbeitsministerin María Christina Iglesias bezeichnete den neuen Gesetzestext anlässlich des Inkraftretens als Teil eines Prozesses hin zu mehr Verteilgungsgerechtigkeit. Vor Arbeitern in einem Industriegebiet in Guarenas kündigte sie zudem einen Plan für landesweite Kontrollen der Umsetzung der neuen Gesetzesvorgaben an. Bisher hätten bei den Kontrollbesuchen des Arbeitsministeriums aber bereits die Mehrheit der Unternehmen die neuen Arbeitszeiten eingeführt.

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In einer ersten sanktionsfreien Phase würde ihr Ministerium Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen Hilfestellung bei der Umsetzung der neuen Wochenarbeitszeit bieten. Einige gesetzliche Regelungen könnten zudem während dieser Phase durch zusätzliche Regularien korrigiert werden. "Wir machen kleine Korrekturen, arbeiten jedoch immer mit den Unternehmern und Arbeitern zusammen, um ihnen mit den neuen Arbeitszeiten zu helfen", so Iglesias.

Vizearbeitsminister Elio Colmenares und der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes CBST, Carlos López kündigten in dieser Woche bereits Verhandlungen über eine Überarbeitung der Regularien für Schichtarbeit an. Erst ab Mitte Juni sollen nach den Plänen des venezolanischen Arbeitsministeriums Verstöße gegen die neue Wochenarbeitszeit des Arbeitsgesetzes sanktioniert werden.

Das neue Arbeitsgesetz war nach jahrelanger Ausarbeitung durch parlamentarische Kommissionen, soziale Bewegungen, Gewerkschaften und Unternehmerverbände bereits im April vergangenen Jahres vom mittlerweile verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez per Dekret verabschiedet worden. 

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