Kolumbien / Politik

FARC und ELN planen strategische Kooperation

Allianz vor Wiederaufnahme der Friedensgespräche in Havanna bekannt gegeben. Dort geht es um politische Beteiligung und Eingliederung der FARC

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"Wir alle sind die Friedensdelegation"
"Wir alle sind die Friedensdelegation"

Havanna/Bogotá. Die FARC-Guerilla und die kolumbianische Regierung haben sich in dieser Woche in der kubanischen Hauptstadt Havanna erstmals zu direkten Gesprächen über die politische Beteiligung und die zivile Eingliederung der Rebellen getroffen. In den Wochen zuvor hatte es auf Grund von Spannungen zwischen beiden Seiten zunächst getrennte Arbeitsgruppen gegeben, in denen die weiteren Gespräche vorbereitet wurden.

Humberto de la Calle, der Verhandlungsführer auf Regierungsseite, erläuterte in einer Pressekonferenz vor Verhandlungsbeginn, dass für beide Punkte Garantien notwendig seien. Er verwies zunächst auf die Verantwortung des kolumbianischen Staates, den FARC Sicherheitsgarantien zu geben und ihnen so eine Opposition im legalen Rahmen zu ermöglichen. Weitere Details zu Art und Form der Sicherheitsgarantien wurden nicht benannt. "Von Seiten der FARC erwarten wir Garantien, dass sie die Waffen ablegen und loyal im Rahmen der demokratischen Spielregeln agieren. Niemals mehr darf es Politik in Verbindung mit Waffengewalt geben. Niemals mehr die Verbindung von allen Formen des Kampfes", schloss de la Calle seine Ausführungen.

Für die Rebellen sprach ihr Verhandlungsführer Iván Márquez. Er bestand nochmals auf dem Vorschlag der FARC, die für Mai 2014 angesetzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen mittels einer Verfassunggebenden Versammlung um ein Jahr zu verschieben, um den Erfolg der Friedensverhandlungen nicht zu gefährden. Er betonte zudem, dass die Verfassunggebende Versammlung den zu vereinbarenden Friedensvertrag rechtlich so absichern müsse, dass weder internationale Einmischung noch feindlich gesinnte nationale Eliten diesen torpedieren können.

Bezug nehmend auf die aktuellen Konflikte in der Region Catatumbo rief Márquez die Regierung auf, die Forderungen der Bauern und Bäuerinnen in Catatumbo anzuhören, statt die bäuerliche Bewegung weiter mit Polizeigewalt zu unterdrücken. "Hören Sie auf, die Bauernbewegung mit dem ewig gleichen Vorwurf, dass sie Guerilleros seien, zu kriminalisieren", sagte er zum Abschluss.

Im direkten Vorlauf der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Havanna gaben FARC und ELN in einem gemeinsamen Kommuniqué bekannt, dass es zwischen den beiden Guerillagruppen zu einem strategischen Treffen gekommen ist. Ziel sei gewesen, "diverse Widersprüche, die in der Vergangenheit zu Spannungen und Konfrontationen zwischen beiden Kräften führten", zu überwinden sowie strategische Absprachen für eine breite Einheit der linken Kräfte Kolumbiens zu treffen. In dem Kommuniqué wird darüber hinaus betont, dass es für einen "nachhaltigen und würdevollen Frieden" in Kolumbien unabdingbar sei, alle Guerillabewegungen des Landes mit einzubeziehen.

Das Kommuniqué, das von den jeweiligen Kommandanten der FARC, Timoleón Jiménez, und der ELN, Nicolás Rodríguez Bautista, unterzeichnet wurde, schließt mit den Worten: "In unserem Amerika weht heute ein mächtiger Wind hin zu Demokratie, Souveränität, sozialer Gerechtigkeit, würdevollem Leben und der Integration unserer Völker. Wir Kolumbianer können nicht abseits stehen bei diesem historischen Prozess. Die ELN und die FARC sind vereint durch das selbe Ziel einer demokratischen, inklusiven, souveränen und in Frieden lebenden Gesellschaft. Wir laden das kolumbianische Volk ein, sich gemeinsam für dieses Ziel zu mobilisieren und zu arbeiten."

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