Chile gedenkt des Putsches am 11. September 1973

Zehntausende erinnern an Regierung von Präsident Salvador Allende. Amtsinhaber Piñera rechtfertigt indirekt den Putsch

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"Das Volk marschiert vereint gegen die Straflosigkeit und die Repression"
"Das Volk marschiert vereint gegen die Straflosigkeit und die Repression"

Santiago de Chile. Zehntausende Menschen haben in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile am Mittwoch der Opfer des Militärputsches

vor 40 Jahren gedacht. Am 11. September 1973, einem Dienstag, war der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende in einem von den USA unterstützten Putsch gestürzt worden. Allende war eines der ersten Opfer der Militärdiktatur, die unter Führung von General Augusto Pinochet bis 1990 währte. Der Sozialist Allende fand in den Ruinen des von Luftangriffen zerstörten Präsidentenpalast La Moneda am Morgen des Putsches den Tod. "Ich habe die Gewissheit, dass mein Opfer nicht vergeblich sein wird", sagte er in seiner letzten Radioansprache.

Die nach dem Ende der Diktatur eingesetzte Wahrheitskommission erkannte knapp 28.000 politische Gefangene an, von denen ein großer Teil Opfer schwerer Folter wurde. Mehr als 3.000 Menschen wurden ermordet.

Am Mittwoch zogen allein in Santiago de Chile zehntausende Menschen zum Präsidentenpalast, um vor dem dortigen Denkmal Allendes Blumen niederzulegen. Tausende Menschen versammelten sich auch vor dem Eingang des Regierungssitzes, dem Portal Morandé 80, aus dem am 11. September 1973 die Leiche Allendes getragen wurde. Später hatte der Diktator Pinochet das inzwischen wieder geöffnete Portal zumauern lassen. Auch auf dem Platz der Verfassung der chilenischen Hauptstadt legten Menschen an einem Denkmal Allendes Blumen nieder. Zugleich versammelten sich in anderen Städten des Landes zehntausende Menschen, um der Regierung der Unidad Popular zu gedenken.

Zu den Gedenkmärschen hatten Opferverbände ebenso aufgerufen wie Gewerkschaften, Lehrerverbände, Studentenorganisationen, die Sozialistische Partei Chiles, die Kommunistische Partei Chiles und andere Gruppen der Linken. Die Studentenvereinigung ACES forderte Mitglieder und Kommilitonen im ganzen Land auf, Universitäten und Schulen im Gedenken an die tausenden Jugendlichen zu besetzen, die der Militärdiktatur zum Opfer gefallen waren. Es gehe auch darum, das "von den Putschisten aufgezwungene Bildungsmodell zu beseitigen", sagte Eloísa Gonzálzes, eine der Sprecherinnen der ACES.

Die Gedenkveranstaltungen zum 40. Jahrestag des Putsches hatten am Sonntag mit einer Großdemonstration begonnen. Dabei waren mehr als 30.000 Menschen zum Zentralfriedhof der Hauptstadt gezogen, um Allende zu ehren. Der Protestzug war mehrfach von den Carabineros (Militärpolizei) angegriffen worden. Mehrere Dutzend Demonstranten wurden verletzt, 68 Menschen wurden festgenommen. Am Montag hatte das Oppositionsbündnis Nueva Mayoría unter Führung der Sozialdemokratin und Ex-Präsidentin Michelle Bachelet (2006-2010) und die amtierende Rechtsregierung unter Präsident Sebastián Piñera des Putsches gedacht.

Massive Kritik provozierte der inzwischen äußerst unpopuläre Rechtskonservative Piñera am Mittwoch. Am Morgen trat er in lockerer Runde im Frühstücksfernsehen eines Privatsenders auf und erzählte scherzend über seine Erinnerungen an den 11. September 1973, den er als Student an der US-amerikanischen Universität Harvard erlebt hatte. Als ein Professor ihm von den Geschehnissen berichtete, habe er seine spätere Frau angerufen und um ihre Hand angehalten, sagte Piñera lachend: "Ich verdanke dem Putsch meine Ehe", fügte er an. Bei einer späteren Ansprache gelang es dem ehemaligen Anhänger der Militärdiktatur, nicht mit einem Wort den Namen Allendes zu erwähnen. Zugleich schob er dem gestürzten Staatschef die Schuld für den blutigen Umsturz zu. Schließlich habe er, Allende, das geltende Recht zu brechen versucht. Piñera wiederholte damit eines der Hauptargumente der Putschisten.

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