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12.05.2014 Uruguay / Politik / Soziales / Wirtschaft

Cannabis-Gesetz in Uruguay in Kraft

Jahresproduktion von 22 Tonnen für das Land erwartet. Anbau, Erwerb und Konsum werden reguliert. Preis pro Gramm beträgt rund 70 Eurocent
Marsch für Marihuana in Montevideo am 3. Mai

Marsch für Marihuana in Montevideo am 3. Mai

Quelle: larepublica.pe

Montevideo. In Uruguay ist vor wenigen Tagen das Gesetz zum Umgang mit Marihuana in Kraft getreten. Reguliert wird damit die maximal erwerbbare Menge pro Person. Das Gesetz legt zudem fest, wie und wo der Erwerb, der Anbau sowie der Konsum gestattet sind.

Der Regelung zufolge kann jeder erwachsene Bürger des südamerikanischen Landes eine monatliche Menge von 40 Gramm und dementsprechend eine Jahreshöchstmenge von 480 Gramm zum Preis von 20 bis 22 Peso pro Gramm (rund 70 Eurocent) erwerben. Die Verkaufseinheiten sind auf zehn Gramm begrenzt. Der Konsum ist auf Lokale beschränkt, in denen Alkohol ausgeschenkt wird und geraucht werden darf.

Weiterhin verboten bleibt der Konsum während der Arbeit sowie im Straßenverkehr.

Die vom Staat erlaubten Cannabis-Clubs erfordern eine registrierte Mitgliedschaft und dürfen bis zu 99 weibliche Cannabispflanzen züchten. Pflanzer und Repräsentanten der Clubs haben die April-Ernte der ersten Pflanzungen aus den Monaten August und September des vergangenen Jahres als historisches nationales Ereignis bezeichnet, denn sie sei die größte jemals in Uruguay geerntete Menge. Obwohl die Aktivisten die hohen Hürden für die Registrierung als Züchter kritisieren, vermutet Laura Blanco von der Vereinigung für Cannabisstudien in Uruguay (AECU), dass sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Cannabis-Pflanzer mit 50.000 mehr als verdoppelt hat. Auch private Haushalte dürfen nun jeweils sechs Pflanzen ziehen.

Jeder Konsument, der in einer der lizenzierten Apotheken Marihuana erwerben will, muss sich ebenso registrieren lassen. Die genauen Regelungen zum offiziellen Verkauf werden für Ende dieses Jahres erwartet. Die Regierung geht von einer jährlichen Produktion von 22 Tonnen für das Land aus.

Am 3. Mai waren hunderte Uruguayer jeder Altersstufe dem Aufruf verschiedener Legalisierungsaktivisten gefolgt, in der Hauptstadt den ersten Marsch für reguliertes Marihuana zu feiern, Die Veranstalter konnten bei der Organisation des Events auf die Unterstützung des Jugendsekretariats der Gemeindeverwaltung Montevideos bauen.   

Uruguays Präsident José Mujica verteidigte indes in einem Interview die international insbesondere von den USA und der UNO kritisierte Entscheidung, den Handel und Konsum von Marihuana staatlich zu kontrollieren. Zwar schließt Mujica nicht aus, dass die Legalisierung einen Cannabis-Tourismus zur Folge haben könnte, weist aber darauf hin, dass im Gegensatz beispielsweise zum US-Bundesstaat Colorado, wo über ein leicht verfügbares Rezept jeder eine unbegrenzte Menge der Droge in Apotheken kaufen kann. In Uruguay sei der Erwerb und somit der Konsum streng limitiert. Zu verurteilen sei nicht der Konsum an sich, sondern der exzessive, unkontrollierte Gebrauch, so Mujica.

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