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19.08.2014 Brasilien / Soziales

Kubanische Ärzte in Brasilien werden boykottiert

Kubanische Ärzte bei der Ankunft in Brasilien

Kubanische Ärzte bei der Ankunft in Brasilien

Brasília. Das brasilianische Gesundheitsministerium untersucht derzeit Fälle von Apotheken und Gesundheitszentren, die Rezepte und Überweisungen von kubanischen Ärzten abgelehnt haben. In den vergangenen Wochen traten in einigen Bundesstaaten vermehrt Fälle auf, bei denen Teile der brasilianischen Gesundheitseinrichtungen die Zusammenarbeit mit den kubanischen Medizinern verweigert haben.

Der Koordinator des Regierungsprogrammes "Maís Médicos" (Mehr Ärzte), Felipe Proenco, erklärte, dass die Vorkommnisse eingehend untersucht werden. Falls sich die Vorwürfe bestätigten, könnten unter anderem die Vereinbarungen zwischen diesen Zentren und der staatlichen Krankenversicherung, dem Sistema Único de Salud (SUS) widerrufen werden.

Derzeit sind mehr als 10.000 kubanische Mediziner im Rahmen des Programms "Maís Médicos" in Brasilien im Einsatz, das die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff im Herbst vergangenen Jahres initiiert hatte. Vor allem in den Außenbezirken der Großstädte, auf dem Land, in der schwer zugänglichen Amazonas-Region und in Gebieten mit vorwiegend indigener Bevölkerung konnte die Gesundheitsversorgung dadurch erheblich verbessert werden. In der Vergangenheit war es oftmals schwierig, brasilianische Ärzte für eine Stelle in diesen Gebieten zu verpflichten.

Indes kritisierte der Führer der Mitte-Rechts-Opposition, Aécio Neves das Programm scharf. Es nehme den Brasilianern Arbeitsplätze weg. Auch bestehe keine Notwendigkeit für ausländische Ärzte im Land, erklärte der Oppositionsführer bei einer Veranstaltung der brasilianischen Ärztevereinigung (AMB). Die ABM führt seit Jahresbeginn eine Kampagne unter dem Motto "Freiheit für die kubanischen Ärzte" durch, mit der sie die in Brasilien arbeitenden Mediziner des sozialistischen Karibikstaates unterstützt, die nicht in ihr Land zurückkehren wollen.

Präsidentin Dilma Rousseff reagierte umgehend auf die Kritik und sagte, das Programm "wird so lange dauern, wie es für das brasilianische Volk notwendig ist, ohne festgelegte Höchstdauer. Nur im Kopf von jemandem ohne soziale Sensibilität kann so etwas vorgehen."

"Maís Médicos" ist inzwischen in 3.819 Gemeinden Brasiliens präsent und gewährleistet die medizinische Grundversorgung von 50 Millionen Menschen.

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