Chile / Politik

Vatikan ermittelt gegen Priester in Chile

Befürwortung gleichgeschlechtlicher Ehe und Kirchenkritik sorgen in Chile für Aufregung. "Kongregation für die Glaubenslehre" ermittelt

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Von links nach rechts: José Aldunate, Felipe Berríos, Mariano Puga
Von links nach rechts: José Aldunate, Felipe Berríos, Mariano Puga

Santiago de Chile. Aufgrund von Kritiken an der Kirche werden die chilenischen Priester Felipe Berríos, José Aldunate und Mariano Puga derzeit durch die "Kongregation für die Glaubenslehre" untersucht. Dieses Vatikanorgan hat die Ermittlungen aufgenommen, nachdem der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Santiago, Kardinal Ricardo Ezzati, eine Sammlung kritischer Äußerungen der Geistlichen an die Kongregation weitergeleitet hatte.

In den vergangenen fünf Monaten hatten Berríos, Aldonante und Puga Interviews gegeben, in denen sie die Rolle des Klerus bezüglich der Bildungsreform der Regierung Bachelet sowie seine Weigerung, über Schwangerschaftsabbruch zu diskutieren und die Haltung gegenüber der Ehe homosexueller Paare in Frage stellten.

Im Juni hatte Mariano Puga, auch "Arbeiterpriester" genannt, der Kirche vorgeworfen, klassenorientiert zu sein. "Anstatt dass die Kirche die Idee der Klassen zerstört, hat sie sie bekräftigt: Schulen für die Armen, andere für Indigene, andere für die Oberschicht", sagte der 84-jährige.

Hinsichtlich der Abtreibung zeigte sich der Priester in einem Interview wohlwollend. "Schließlich, wer soll wohl entscheiden? Na, die Mütter." Wenn der Staat abtreibende Frauen unterstützen würde, "wäre das eine schöne Veränderung in Chile." Die größten Kritiker des Schwangerschaftsabbruchs kümmerten sich am wenigsten "um die Zukunft der geborenen Kreatur", nämlich darum, dass sie nicht in Armut aufwachse, betonte Puga weiter. Auch mit der Ehe von Priestern sei er einverstanden.

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Im August sprach sich José Aldunate, angesehener Menschrechtsverteidiger während der Pinochet-Diktatur, für die gleichgeschlechtliche Ehe aus. "Der Homosexuelle hat auch das Recht, einen anderen Mensch zu lieben und mit ihm sein Leben zu teilen", sagte der 97-Jährige. Die Kirche sei veraltet, fügte der Jesuit hinzu.

Ähnliche Antworten gab Felipe Berríos in einem Fernsehinterview im Juni nach seiner Rückkehr aus Burundi und Kongo, wo er vier Jahre mit Flüchtlingen gearbeitet hatte. "Was ist das Problem mit der Ehe homosexueller Partner? Die Homosexuellen sind Kinder Gottes. Er hat sie homosexuell und lesbisch geschaffen und Gott ist stolz darauf, dass sie es sind." Sie seien keine "zweitklassigen Bürger", so Berríos weiter.

Der 68-Jährige kritisierte, dass die Kirche Nutzen aus der Vorstellung gezogen hätte, dass sie die "alleinige Erlöserin" sei. Auch die Klassendiskriminierung der kirchlichen Bildungspolitik in Chile bemängelte der Jesuit in dem Gespräch. Der Priester zeigte sich außerdem mit den Mapuche solidarisch. Der chilenische Staat habe ihr Land gestohlen, klagte er. Die Abtreibung halte er für unmoralisch, würde jedoch ihre Legalisierung akzeptieren. Gut sei jedenfalls, dass die Gesellschaft selbst darüber entscheiden könne.

Sollte die Kongregation für die Glaubenslehre zu dem Schluss kommen, dass die Priester gegen die katholische Doktrin verstoßen haben, werden sie sanktioniert. Hunderte Chilenen gingen indes auf die Straße, um ihre Unterstützung für die drei Priester zu demonstrieren. Die Debatte in Chile fand parallel zur Familiensynode im Vatikan statt, bei der über den Umgang der Kirche mit geschiedenen Gläubigen und Homosexuellen diskutiert wurde. Obwohl 118 Erzbischöfe gegen die Diskriminierung der Homosexuellen durch die Institution und 62 dafür gestimmt haben, erreichte die Abstimmung nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit für die Festlegung einer Änderung.

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