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Neue Dokumente über "Operation Cóndor" entdeckt

Weitere Details über die Zusammenarbeit der Diktaturen Argentiniens und Brasiliens offenbart. Funde im Haus eines beteiligten Ex-Militärs
Mónica Binstock und Horacio Campiglia

Mónica Binstock und Horacio Campiglia

Brasília. In Brasilien sind Dokumente gefunden worden, die neue Tatsachen über die Operation Cóndor enthüllen. Dies bestätigte Brasiliens Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot am vergangenen Montag. Es seien die bisher klarsten Beweise für die Zusammenarbeit der Geheimdienste. Auch kenne man jetzt die Verantwortlichen für einige der Verbrechen der brasilianischen und der argentinischen Diktatur, so Janot.

Die vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA angeleitete Operation Cóndor der lateinamerikanischen Diktaturen in den 1970er und 1980er Jahren hatte zum Ziel, politische Gegner auszuschalten. Tausende Menschen wurden im Rahmen dieser Geheimoperation gefoltert und ermordet oder entführt und verschwanden dann meist spurlos.

Die Unterlagen wurden im Haus des Ex-Militärs Paulo Malhães entdeckt, der im April dieses Jahres offenbar ermordet wurde. Kurz zuvor hatte er als erster Militär vor der Nationalen Wahrheitskommission Aussagen über seine Beteiligung an Verbrechen der zivil-militärischen Diktatur in Brasilien (1964 bis 1985) gemacht. Er habe "auf höheren Befehl aus Brasilien und Argentinien" Gegner der Diktatur entführt und gefoltert. Darunter seien auch Führungsmitglieder der linksgerichteten Guerillabewegung Montoneros gewesen, die nach Brasilien geflohen waren. "Ich habe sie entführt und nach Argentinien zurückgeschickt", so Malhães. Namen der Opfer wollte er nicht nennen.

Aus den aufgefundenen Dokumenten gehen unter anderem Details über eine Geheimdienstaktion namens "Operación Murciélago" unter Leitung von Malhães hervor, mit der Exilierte aus Argentinien in Brasilien systematisch aufgespürt und entführt wurden, unter anderen Norberto Habegger. Der 37-jährige Journalist und Montonero hielt sich 1978 unter dem Namen Héctor Esteban Cuello in Río de Janeiro auf, um an einem Treffen der Organisation teilzunehmen. Dort sollte eine "politische und militärische Gegenoffensive" geplant werden, die zum Sturz der Diktatur in Argentinien führen sollte. Er wurde von Agenten des brasilianischen Geheimdienstes entführt und ist seitdem spurlos verschwunden. Sein Sohn Andrés, der das aufgefundene Material bei der Staatsanwaltschaft einsehen konnte, sagte dazu: "Die Belege sind stark, sehr interessant. Die Zusammenarbeit der Militärs von Brasilien und Argentinien wird eindeutig benannt. Alles, was uns hilft, besser zu verstehen, was passiert ist, vor allem in den Fällen, die mit den Verschwundenen zu tun haben, ist ein Wunder."

Das letzte Foto von Norberto Habegger, hier mit seinem Sohn Andrés in Mexiko 1977

Wie die brasilianische Zeitung O Globo berichtet, belegen die als geheim klassifizierten Unterlagen auch Malhães Mitwirkung an der Festnahme von Horacio Campiglia und Mónica Pinus de Binstock. Die beiden Montoneros waren am 12. März 1980 in einer gemeinsamen Aktion von argentinischen und brasilianischen Agenten auf dem Flughafen von Río de Janeiro festgenommen und anschließend in eines der Geheimgefängnisse auf dem Militärstützpunkt Campo de Mayo in Buenos Aires gebracht worden. Seitdem gelten sie als verschwunden.

Der Ex-Militär besaß auch eine umfangreiche Sammlung von Informationen, die Aufschluss über die Überwachung brasilianischer und ausländischer politischer Gruppen geben. Darunter sind unter anderen Mitarbeiter der Caritas und Diplomaten des UN-Flüchtlingshilfswerkes, die Exilierte der Diktaturen in Lateinamerika unterstützten. Aufgefunden wurde auch eine Liste mit den Namen von 130 Einzelpersonen aus Brasilien, Deutschland, Bolivien, Chile, USA, Italien, der Sowjetunion, Venezuela und vor allem aus Argentinien, die von der brasilianischen Geheimpolizei beobachtet wurden.

Die Justizbehörden von Brasilien und Argentinien führen auf der Grundlage dieser Unterlagen nun gemeinsame Ermittlungen durch.

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Mónica Binstock und Horacio Campiglia
Das letzte Foto von Norberto Habegger, hier mit seinem Sohn Andrés in Mexiko 1977

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16.10.2014 Nachricht von Eva Haule