Chile / Menschenrechte

Exmilitärs in Chile wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt

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Carlos Cubillos Gálvez, Mitglied der MIR, wurde am 4. Juni 1974 von DINA-Agenten entführt
Carlos Cubillos Gálvez, Mitglied der MIR, wurde am 4. Juni 1974 von DINA-Agenten entführt

Santiago. Drei Agenten der Geheimpolizei DINA des Ex-Diktators Augusto Pinochet sind zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Miguél Vázquez, Richter am Berufungsgericht in Santiago de Chile, sprach am vergangenen Donnerstag die Militärs Manuel Contreras, Miguel Krassnoff und Marcelo Moren Brito in einem Gerichtsverfahren wegen des Verschwindens von Carlos Cubillos Gálvez schuldig.

Der 20-jährige Cubillos Gálvez war Miitglied der "Bewegung der Revolutionären Linken" (MIR), der zunächst einzigen Organisation, die nach dem Militärputsch 1973 bewaffneten Widerstand gegen die Diktatur leistete. Er wurde am 4. Juni 1974 entführt und verschwand, nachdem er in einem Geheimgefängnis in Santiago verhört und gefoltert worden war. Sein Name tauchte im Juli 1975 in zwei Zeitungsartikeln auf. Darin wurde behauptet, Carlos Cubillos Gálvez und weitere 118 Personen seien im Ausland ums Leben gekommen.

Bei dieser "Operation Colombo" genannten Geheimdienstaktion wurden 100 Männer und 19 Frauen verschiedener linker chilenischer Parteien, vor allem der MIR, zwischen dem 27. Mai 1974 und 20. Februar 1975 verhaftet und waren seitdem verschwunden. Im Juli 1975 tauchten ihre Namen in zwei ausländischen Publikationen auf. Dort wurde berichtet, die 119 Linksaktivisten wären aus Chile geflohen, unter anderem nach Argentinien, wo sie ums Leben gekommen seien – einige "exekutiert von ihren eigenen Genossen", andere "bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften".

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Der Ex-Chef der Geheimpolizei DINA, Manuel Contreras
Der Ex-Chef der Geheimpolizei DINA, Manuel Contreras

Das Täuschungsmanöver wurde von Mitarbeitern der DINA mit Unterstützung der argentinischen Armee und des Geheimdienstes SIDE durchgeführt. Die falschen Informationen wurden durch die Zeitschriften LEA (Argentinien) und O'Día (Brasilien) verbreitet - in beiden Fällen in ihrer ersten und einzigen Ausgabe - und unmittelbar danach von der Presse in Chile breit wiedergegeben. Die gesamte Aktion lief im Rahmen der "Operation Condor", der Kooperation der Geheimdienste sechs südamerikanischer Diktaturen, mit der in den 1970er und 1980er Jahren mit Unterstützung der USA Oppositionelle aufgespürt und getötet wurden.

Mit den zehn Jahren des neuesten Urteils belaufen sich die Haftstrafen Krassnoffs und Moren Britos auf 300, beziehungsweise im Falle des ehemaligen Chefs der Geheimpolizei, Manuel Contreras, auf 436 Jahre. Zudem müssen die Exmilitärs zusammen mit dem chilenischen Staat eine Entschädigungzahlung von insgesamt 230 Millionen chilenischen Pesos (entspricht etwa 370.000 US-Dollar) an die Angehörigen des Opfers entrichten.

Die Geheimpolizei DINA war das Instrument Pinochets, die Militärdiktatur sowie seine zentrale Position durch brutale Unterdrückung jeder Opposition zu festigen. Sie trägt einen großen Teil der Verantwortung dafür, dass während der Diktatur 1.192 Personen verschwanden und 3.200 ermordet sowie 38.000 inhaftiert und gefoltert wurden.

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