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Traurige Bürgerkriegsbilanz in Kolumbien

Vertreibungen, Entführungen und Morde: Bewaffneter Konflikt in Kolumbien forderte 6,8 Millionen Opfer. Menschenrechtsaktivisten weiter bedroht

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Vertriebene bei einer Demonstration "Für Land, das Leben und den Frieden"
Vertriebene bei einer Demonstration "Für Land, das Leben und den Frieden"

Bogotá. 6,8 Millionen Menschen sind Opfer des internen bewaffneten Konflikts in Kolumbien geworden. Dies geht aus einem jüngst veröffentlichen Bericht der Regierung hervor. Demnach wurden 86 Prozent der Betroffenen aus ihren Gemeinden vertrieben. Die übrigen 14 Prozent wurden Opfer von Morden, Entführungen, gewaltsamem Verschwindenlassen, Folter und Vergewaltigung.

Dies seien "harte und schmerzhafte Zahlen", sagte die Leiterin der staatlichen Behörde für die Betreuung der Opfer und Wiedergutmachung, Paula Gaviria, gegenüber der kolumbianischen Tageszeitung El Tiempo. Sie beziehen sich auf die vergangenen 30 Jahre des seit insgesamt 50 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts. Da dieser trotz der seit November 2012 laufenden Friedensgespräche zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos weitergehe, seien die Opferzahlen nach wie vor hoch. Allein im Jahr 2012 wurden 206.504 Menschen aus ihren Häusern vertrieben, 2013 waren es 142.181, so Gaviria.

Bei der Vorstellung des Berichtes am vergangenen Sonntag hob Gaviria besonders die staatliche Fürsorge für die Opfer und die Bemühungen der Regierung um Landrückgabe vor allem in den vergangenen zwei Jahren hervor. Rund vier Millionen Betroffene erhielten irgendeine Art der Unterstützung, vor allem Vertriebenen werde humanitäre Hilfe gewährt.

Diese Darstellung steht im Widerspruch zu Berichten von Menschenrechtsorganisationen. Zwar existiere in Kolumbien seit Juni 2011 ein Gesetz zur Opferentschädigung und zur Rückgabe von Land an Familien, die von Vertreibung betroffen sind. Doch in der Praxis werde es kaum angewandt. Sowohl die Vertriebenen als auch die Familien, die versuchen, auf ihr Land zurückzukehren, lebten unter extrem prekären Bedingungen. Darüber hinaus habe die Zahl der Tötungen und Bedrohungen von sozialen und politischen Aktivisten in den vergangenen Jahren zugenommen. Bis September 2014 belief sich die Zahl der Morde in diesem Jahr auf 33, die der Todesdrohungen auf 336 und die der versuchten Attentate auf 29. Das Jahr 2013 hatte die Nichtregierungsorganisation "Somos defensores" als ein "tödliches Jahr für Menschenrechtsverteidiger" bezeichnet: 78 Aktivisten wurden ermordet, gegen 39 wurde ein Attentat verübt und über 200 wurden bedroht. Am meisten betroffen waren und sind Gemeindeführer, Kleinbauern, Indigene und jene, die sich für die Landrückgabe einsetzten.

Seit August dieses Jahres haben insgesamt fünf Gruppen von Vertretern der Opfer des bewaffneten Konflikts direkt an den Friedensgesprächen in Havanna teilgenommen. Sie diskutierten mit den Delegationen der FARC und der Regierung ihre Vorschläge hinsichtlich einer Versöhnung und Wiedergutmachung. Auch forderten sie mehrfach einen sofortigen bilateralen Waffenstillstand. Letzteres wird von Präsident Santos nach wie vor strikt abgelehnt. Von Seiten der FARC gilt seit dem 20. Dezember eine einseitige unbefristete Waffenruhe.

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