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12.03.2015 Kolumbien / Politik

Regierung Kolumbiens setzt Luftangriffe gegen FARC aus

Radiostation in einem Lager der FARC

Radiostation in einem Lager der FARC

Bogotá. Präsident Juan Manuel Santos hat die Aussetzung der Bombardierungen von Lagern der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) angeordnet. Die Maßnahme sei zunächst auf einen Monat befristet, könne aber verlängert werden. Man werde jedoch nicht auf militärische Operationen verzichten, wenn die "nationale Sicherheit dies erfordert", so Santos.

"Um die Deeskalation des Konflikts voranzubringen, habe ich entschieden, dem Verteidigungsminister und den Kommandierenden der Streitkräfte den Befehl zu erteilen, die Bombardierungen der FARC-Lager für einen Monat einzustellen", erklärte der Präsident am Dienstag. Die Entscheidung basiere auf der Einhaltung der einseitigen Waffenruhe der FARC seit Dezember vergangenen Jahres. Nach einem Monat werde geprüft, ob die Guerilla sich weiter an ihr Wort halte. Danach werde entschieden, ob die Maßnahme fortgesetzt werde.

Santos hatte unlängst eine Gruppe hochrangiger Militärs nach Havanna entsandt, um mit der Guerilla eine bilaterale Waffenruhe zu verhandeln. Bislang hatte er stets darauf beharrt, die Militäroffensive gegen die Rebellen bis zum Abschluss eines endgültiges Friedensabkommens aufrechtzuerhalten.

Ende vergangener Woche einigten sich die Delegationen der Regierung und der FARC bei den Friedensgesprächen auf die Räumung von Minen, nicht explodierten Sprengkörpern und Munition in den ländlichen Gebieten.

Der Präsident gab am Dienstag außerdem die Bildung einer "Beratungskommission für den Frieden" bekannt, die politisch unabhängig sein und dazu dienen solle, die Ansichten verschiedener Gesellschaftssektoren über die Beendigung des seit mehr als 50 Jahren andauernden Krieges zu hören. Mitglieder der Kommission sind: der Ex-Bürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus; die Vorsitzende der Linkspartei Polo Democrático Alternativo, Clara López; Kardinal Rubén Salazar; der Präsident der Bank von Kolumbien, Carlos Raúl Yepes; der Vorsitzende der Gewerkschaftszentrale CGT, Julio Roberto Gómez; der General i.R. und frühere Verteidigungsminister, Rafael Samudio; das Ex-Mitglied der Guerillagruppe M-19, die ehemalige Senatorin Vera Grave; die frühere Kulturministerin und Präsidentin der Nichtregierungsorganisation Manos Visibles, Paula Moreno, sowie die indigene Aktivistin Ati Quigua.

Auch Ex-Präsident Andrés Pastrana und die frühere konservative Präsidentschaftskandidatin Marta Lucía Ramírez, die den Verhandlungen mit den FARC kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, haben sich zur Teilnahme entschlossen. Ramírez kritisierte jedoch die Einstellung der Bombardements als "voreiliges Zugeständnis der Regierung an die Guerilla".

Laut Medienberichten kam am Wochenende ein mutmaßliches Führungsmitglied der FARC "im Gefecht mit Angehörigen des Militärs und der Nationalpolizei" im Nordosten des Landes ums Leben. Bei dem Toten soll es sich nach offiziellen Angaben um José David Suárez, alias "El Becerro", handeln, den Kommandanten der 57. Front der FARC. "Mehr als 50 Kommandanten und einflußreiche Mitglieder der FARC" seien in den vergangenen Jahren trotz der laufenden Friedensverhandlungen bei Militäroperationen getötet worden, schreibt die venezolanische Tageszeitung El Universal.

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