Chile / Politik

Gedenkmarsch in Chile zur Erinnerung an die Opfer der Diktatur

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"Wahrheit und Gerechtigkeit Jetzt" - forderten die Demonstrierenden am Sonntag
"Wahrheit und Gerechtigkeit Jetzt" - forderten die Demonstrierenden am Sonntag

Santiago. Anlässlich des Jahrestages des Putsches gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 sind in Chile tausende Menschenrechtsaktivisten und Angehörige der Opfer der Militärdiktatur auf die Straße gegangen. Neben dem Gedenken an die Gefangenen, Verschwundenen und Ermordeten aus dieser Zeit stand die Forderung im Mittelpunkt, den "Pakt des Schweigens" zu beenden, der nach wie vor Mitglieder des Militärs schütze.

Der Gedenkmarsch findet traditionell am ersten Sonntag nach dem 11. September statt, der seit 2002 ein Feiertag ist. Er begann beim Platz Los Héroes, verlief über die Alameda vorbei am Präsidentenpalast La Moneda und endete beim Nationalfriedhof Recoleta, auf dem auch Salvador Allende und der Musiker und politische Aktivist Víctor Jara begraben sind. Jara war nach dem Putsch gefangen genommen und am 16. September 1973 gefoltert und getötet worden.

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Die Präsidentin der Vereinigung der Angehörigen der Verschwundenen, Lorena Pizarro, forderte, den "Pakt des Schweigens" zu beenden und endlich weitere Informationen über Täter der Militärdiktatur offenzulegen. Sie hoffe, dass dieser Massenaufruf einen weiteren Schritt hin zu Wahrheit und Gerechtigkeit auslöse. Angehörige der Opfer fordern die Regierung, das Parlament und die Justiz auf, die Straffreiheit zu beenden, um eine Wiederholung solcher Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Sie verlangen außerdem die Schließung des Gefängnisses Penal Cordillerra, in dem ausschließlich Verurteilte wegen Menschenrechtsverbrechen der Pinochet-Diktatur einsitzen, und ihre Verlegung in andere Gefängnisse. Die Haftanstalt wurde mehrfach wegen Sonderbehandlungen kritisiert und gilt als "Luxus-Gefängnis". Dem Anwalt Carlos Vera zufolge spiegele es die herrschende Ungleichheit im Lande wieder. Regierungssprecher Marcelo Díaz verkündete am Samstag, dass die Regierung ernsthaft über eine Schließung debattiere.

Die Gedenkmarsch wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Gegen Ende der Route bauten vermummte Demonstranten Barrikaden und warfen Steine auf Polizisten. Diese versuchten mit Wasserwerfern und Tränengas die Menschenmassen zu zerstreuen und nahmen mehrere Personen fest.

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