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Proteste in Kolumbien nach Festnahme von Indigenenführer

Die Festnahme Feliciano Valencias wird zum Skandal und löst neue Diskussionen um indigene Autonomie aus

Die Festnahme Feliciano Valencias wird zum Skandal und löst neue Diskussionen um indigene Autonomie aus

Quelle: telesurtv.net

Popayán, Kolumbien. Am Morgen des 15. September ist der indigene Aktivist Feliciano Valencia im Departamento Cauca festgenommen worden. Valencia ist Vorsitzender des Verbandes der indigenen Räte von Cauca (CRIC) und Mitglied der Verwaltung der indigenen Autonomiegebiete. Der Indigenenführer wurde in Popayán zu 16 Jahren Haft wegen Entführung und Misshandlung des Soldaten Jairo Danilo Chaparral Santiago im Jahr 2008 verurteilt.

Der Militärangehörige hatte sich nach Berichten des CRIC in friedliche Proteste eingeschleust und wurde von den Demonstranten enttarnt. In seinem Rucksack seien Sprengstoff und Waffen gefunden worden, worauf er nach indigenem Recht zu einem Tag Haft und 20 Peitschenhieben verurteilt worden war. Die Strafe wurde von Valencia ausgeführt und der Soldat nach 14 Stunden Haft und den Peitschenhieben freigelassen.

Der CRIC weist das Urteil wegen Entführung zurück und erklärt, es habe sich um Selbstverteidigung der Gemeinschaft gegen einen in flagranti enttarnten, verdeckt agierenden Militär gehandelt. Zudem sei die Festnahme von Valencia ein verfassungswidriger Eingriff in ihre legal verankerte Autonomie: sie verstoße gegen das Grundrecht der indigenen Zuständigkeit und damit gegen die Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit eines multiethnischen Landes.

Der Konflikt zwischen indigener Rechtsprechung und Landesgesetzen wurde seit dem Fall 2008 vermehrt verhandelt. Die Festnahme Valencias wird von Menschenrechtsorganisationen allerdings einstimmig als politischer Akt gewertet, der auf die Schwächung und Einschüchterung der seit Jahresbeginn protestierenden Indigenen im Cauca abziele.

Der CRIC ruft indes zur Verteidigung der indigenen Autonomie auf und kündigt massenhafte Proteste an. Menschenrechtsorganisationen fordern die sofortige Freilassung Valencias.

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22.05.2015 Nachricht von Hans Weber