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05.04.2016 Amerikas / International / Medien

Panama Papers schlagen auch in Lateinamerika hohe Wellen

Reaktionen auf Enthüllungen über Briefkastenfirmen. Auch lateinamerikanische Politiker betroffen. Was und wie berichtet wird, kommt auf beteiligte Medien an
Selektive Berichterstattung: Argentiniens Ex-Präsidentin Fernández erscheint bei der ICIJ zunächst als "Power Player" ...

Selektive Berichterstattung: Argentiniens Ex-Präsidentin Fernández erscheint bei der ICIJ zunächst als "Power Player" ...

Panama-Stadt. Auch in Lateinamerika haben Medien und Spitzenpolitiker auf die Enthüllungen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) unter dem Titel "Panama Papers" reagiert. Nicht nur die Regierung des betroffenen Landes meldete sich zu Wort. Progressive Akteure befürworteten die Veröffentlichung der Daten von Steuerhinterziehern, während in der medialen Debatte Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri in den Fokus rückte.

Der Skandal um die "Panama Papers" wurde am Sonntag losgetreten. Rund 100 Medien – darunter federführend die deutsche "Süddeutsche Zeitung" – publizierten koordiniert Informationen, die sie aus einem Datenleck bei der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca erhalten hatten. Laut "Süddeutsche" werteten über 400 Journalisten während mehrerer Monate 11,5 Millionen Dokumente zu mehr als 214.000 Briefkastenfirmen aus, die von Mossak Fonseca verwaltet wurden. Dabei hoben sie die Beteiligung vieler Politiker und Personen des öffentlichen Lebens an Briefkastenfirmen hervor.

Panamas Regierung erklärte noch am Sonntag, sie wolle bei anstehenden juristischen Verfahren kooperieren. Die Staatsanwaltschaft des mittelamerikanischen Landes kündigte derweil an, eine Untersuchung gegen die Kanzlei Mossak Fonseca einzuleiten.

Ecuadors Präsident Rafael Correa tat über den Kurznachrichtendienst Twitter seine Genugtuung über die Enthüllungen kund: "Wie gut! Da werden Perlen als Licht kommen. Jetzt sehen wir, wer wer ist", schrieb der Staatschef.

Andere Politiker dürften weniger erfreut sein. Von den Enthüllungen betroffen sind auch lateinamerikanische Politiker. Argentiniens neoliberaler Präsident Mauricio Macri taucht als Eigentümer der Firma "Fleg Trading Ltd." auf, die zwischen 1998 und 2009 auf den Bahamas registriert war. Bei seiner Wahl zum Bürgermeister von Buenos Aires im Jahr 2007 verschwieg er jedoch in einer eidesstattlichen Erklärung seine Verbindungen zu der Firma. Ein Sprecher Macris sagte gegenüber der argentinischen Zeitung "La Nación", Macri habe "nur formell den Posten des Direktors" der Beteiligungsfirma innegehabt, jedoch keinen Anteil am Aktienkapital gehalten.

"Argentinien wieder auf internationalem Parkett", titelte die argentinische Tageszeitung Página/12 – mit einem großen Bild von Macri. Die Abgeordnete Elisa Carrió, die Macri zuletzt unterstützt hatte, forderte Belege für dessen Behauptung, bei seinen Offshore-Geschäften sei "alles mit rechten Dingen zugegangen". Der Vorsitzende der oppositionellen Front für den Sieg, Héctor Recalde, zitierte mit ironischem Ton Shakespeares Hamlet: "Es ist etwas faul im Staate Dänemark." Wer Geld in Steuerparadiesen anlege, so Recalde, handele nie aus redlichen Motiven heraus.

... erst auf der Folgeseite wird der dann der aktuelle Präsident Macri gezeigt, der – anders als Fernández – direkt in die Affäre verwickelt ist

International wurde allerdings auch Kritik an der Auswahl der Veröffentlichungen laut. Die Informationen seien selektiv und würden verzerrt dargestellt.

Ein Beispiel für politisch gelenkte Kommunikation: Auf der Frontseite des "ICIJ" ist ein Bericht über die "Power Players" des " Panama-Falls" angerissen, der mit einem Bild von Argentiniens Ex-Präsidentin Cristina Fernández illustriert ist. In der Auflistung der betroffenen Personen ist jedoch lediglich ein "Berater der früheren argentinischen Präsidenten Kirchner" aufgeführt. Dass Argentiniens aktueller Staatschef Macri – ein politischer Rivale Fernández' – als besonders brisanter Fall an allererster Stelle der Liste steht, wird im Anriss nicht ersichtlich.

Die selektive Darstellung von geleakten Namen bewegte am Montag dennoch Medien weltweit. Der ehemalige britische Botschafter Craig Murray wies auf die Versicherung der britischen Tageszeitung "The Guardian" hin, dass ein großer Teil des Materials vertraulich bleiben werde. Schon bei den Snowden Files hatte der "Guardian" die Daten auf Anweisung des Geheimdienstes MI6 vernichtet. Im übrigen, so Murray, würde das ICIJ von Financiers wie der Ford Foundation, dem Carnigie Endowment, dem Rockefeller Family Fund, der W K Kellogg Foundation und der Open Society Foundation des US-Milliardärs George Soros unterstützt.

Zu den Partnermedien in Lateinamerika gehören – von der mexikanischen Wochenzeitung "Proceso" abgesehen – weitgehend private Medien, die dem wirtschaftsliberalen Lager nahestehen. Entsprechend fielen die Berichte aus:

  • Die weitgehend unbekannte Seite armando.info in Venezuela enthüllte Offshore-Konten des ehemaligen Sicherheitschefs im Präsidentenpalast Miraflores unter Präsident Hugo Chávez, Hauptmann Adrián Velázquez;
  • Die Tageszeitung El Comerio in Ecuador nahm Generalstaatsanwalt Galo Chiriboa ins Visier;
  • Die Zeitung ABC Color aus Paraguay ging vor allem auf syrische Akteure ein.

Ob diese Fälle tatsächlich stellvertretend für die lateinamerikanischen Namen in den "Panama Papers" stehen, weiß man nicht. Die Daten sind nicht öffentlich, sondern den Partnermedien des ICIJ vorbehalten.

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